Rotkäppchen Nacht der Chöre Stuttgarter Sänger bei RTL-Chorshow

Von Thomas Klingenmaier
Joris (vorne rechts) mit dem Blind Date Chorbei RTL – in dem singt auch Felix Kohlhoff aus Stuttgart mit. Foto: Rotkäppchen/Morris Mac Matzen

Kleintierzüchterverein, Kegelverein, Gesangsverein – das war mal die Steigerungsliste der deutschen Gemütlichkeit. Dann kam für alle drei Heiligkeiten der tiefe Sturz. Gesangsvereine hatten bei der Generation Techno-Nächte noch den Coolnessfaktor von Kehrwochenschildchen. Aber wer noch immer glaubt, deutscher Chorgesang bedeute automatisch das Absingen von „Ännchen von Tharau“ im Kreis der letzten Weltkriegsüberlebenden, hat nicht aufgepasst. Total toll sei das, wenn aus vielen Stimmen eine werde, sagt eine junge Teilnehmerin der RTL-Show „Rotkäppchen Nacht der Chöre“. Und sie meint, wie alle hier, Popmusik aus vielen Kehlen.

Ein Stuttgarter ist diesmal auch dabei, Felix Kohlhoff, unter ganz besonderen Umständen sogar. Aber man braucht keinen schwäbischen Lokalpatriotismus, um da ein bisschen was Interessantes zu finden. Bis zum 19. Juli kann man die „Rotkäppchen Nacht der Chöre“ jetzt auch ohne Abonnement beim Streamingdienst RTL+ abrufen. Es ist eine ziemlich interessante Vorstellung, Chorgesang auf moderner Grundlage könnte wieder ein breiteres Phänomen werden.

Noch nie zuvor geprobt

Chorgesang ist Schufterei. Es muss unglaublich viel geprobt werden, bis etwas anhörbar sitzt – das denkt man sich so. Zwei der teilnehmenden Gruppen, der „Kneipenchor“ aus Berlin und „mainevent“ aus Frankfurt/Main, treffen sich und üben tatsächlich regelmäßig. Die dritte Gruppe aber, bei der Felix Kohlhoff aus Stuttgart mitmischt, ist etwas ganz anderes: ein Ruckzuck-Casting-Chor mit 20 Leuten aus ganz Deutschland, die einander vorher noch nie gesehen und schon gar nicht miteinander gesungen haben.

„Blind Date Chor“ hat Dieter Falk, der musikalische Leiter der „Rotkäppchen Nacht der Chöre“, die Truppe genannt. (Der Show-Name hat übrigens nichts mit Märchen, Wald, Wolf und Großmutter zu tun, sondern mit einer Schaumweinkellerei als Sponsor.) Wenn, wie RTL sagt, dieser Chor tatsächlich nur einen Tag geprobt hat, dann darf man wirklich staunen. Vielleicht hätte es Joris als extrem prominenten musikalischen Außenbordmotor für die Nummern der drei Chöre nicht einmal gebraucht. Aber Joris wird die Streamingquote natürlich ziemlich in die Höhe treiben, was den Chören zu gönnen ist.

Ein bisschen viel Gänsehaut

Kleine Verzichtbarkeit: Die Moderation verbreitet RTL-Hippeligkeit wie eine Ketchup-Flasche mit losem Deckel süße Tomatengrütze. Es gibt ein bisschen zu viel Ranschmeißerei, zu viel „Waaaahnsinn“, „Gänsehaut“, „Wirklich geil“ als Empfindungsansage fürs Publikum. Aber der Spaß der Chorsängerinnen und Chorsänger kommt trotzdem rüber, auch in den kleinen Interviewhäppchen. Und Felix Kohlhoff aus Stuttgart gibt eine Prophezeiung ab, die dann doch nicht wahr wird: „Ich bin der einzige Trottel, der seinen Text vergisst.“

RTL+: Hier geht es zur Sendung, gratis abrufbar bis 19. Juli 2022

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