Rocket Freudental in den Wagenhallen Eine Art absurde Pop-Installation

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Rocket-Freudental-Konzert in Zeiten von Corona: viel Abstand unter einem sehr teuren neuen Dach. Foto: Jan Georg Plavec

Stuttgart - Eine Band wie Rocket Freudental veröffentlicht an sich keine Singles. Der 2018 auf Facebook aufgetauchte Song „Sinuskurve Abwärts“ ist trotzdem toll. „Ich bin ein Urgestein, ich sinke auf den Grund“, heißt es, „Und es kommt wie’s kommen muss: Mein Gesicht ist very soon nicht mal mehr halb so attraktiv wie der Arsch von Kevin Kuhn“.

Das ist eine hübsch ironische Referenz auf das eigene Wirken. Die Stuttgarter Alternativszene, zu der Kuhn, Drummer der Band Die Nerven, zweifellos zählt, zitiert Rocket Freudental häufig als wichtigen Einfluss. Tatsächlich hallen die hingerotzten Texte und der repetitive Elektropunk im Sound diverser Combos wider. Es ist auch kein Zufall, dass die Band bei einer der Partys nach Schorsch Kameruns „Ein Sommernachtstraum im Cyber Valley“ auftrat: Schließlich singt André Möhl fast wie der Goldene-Zitronen-Frontmann.

Neues Album

Zur Single gesellt sich seit Freitag das Album „Erdenmenschen weggetreten“. Es ist das erste seit neun Jahren, das Stuttgarter Label Treibender Teppich hat es pressen lassen. Die Online-Veröffentlichung musste die Band indes selbst regeln – warum, muss man die Band selbst fragen.

Und dann sprengt die Release-Show noch fast die Abschlussveranstaltung des Kulturregion-Festivals „Unter Beobachtung“. Wegen extremer Nachfrage sind die Plätze kurzfristig kontingentiert. Der Hunger nach Kultur ist eben groß – auch wenn der Auftritt wenig bis nichts mit Rocket-Freudental-Gigs in den diversen Underground-Locations zu tun hat, in denen man sie sonst so trifft.

Vielmehr wirkt die Szenerie – 50 Stühle mit je zwei Meter Abstand – wie eine absurde Konzert-Installation. Die Band spielt dazu bei zweifelhaftem Sound eine unterhaltsame Show. Als Rocket Freudental vor gut zwanzig Jahren erstmals ihr Drumset aus Koffer, Eimer und Metallring aufbauten, war hier noch Brachland und Ruine. Jetzt wird die sogenannte Sub­kultur unter dem sehr teuren neuen ­Wagenhallen-Dach ausgestellt, und man muss sagen, dass es früher irgendwie schöner war.

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