Rettungshubschrauber Christoph 41: FDP lässt nicht locker

Von Thomas K. Slotwinski
Noch starten die fliegenden Notärzte von Leonberg aus. Das soll auch so bleiben, sagt die Landes-FDP. Foto: Simon Granville

Der Termin war länger vereinbart, drei viel beschäftigte Abgeordnete hatten sich den Nachmittag freigeschlagen. Die Absage kam kurzfristig wie überraschend. Wegen eines „dringenden Termins“, so teilte die Deutsche Luftrettung am Vorabend des anberaumten Treffens mit Piloten und Medizinern des Rettungshubschraubers Christoph 41 „mit großem Bedauern“ mit, müsse dieses leider abgesagt werden.

Hans-Dieter Scheerer, Erik Schweickert und Christian Jung hatten nach dem geplatzten Termin plötzlich viel Zeit. Und nutzen diese für einen Abstecher in unsere Redaktion. Das Thema war das gleiche: Wie sieht für den am Leonberger Krankenhaus stationierten Helikopter die Zukunft aus?

Petition mit 28 000 Unterschriften

Nicht gut, so befürchten die drei FDP-Landtagsabgeordneten. Hans-Dieter Scheerer aus Weil der Stadt, der den Wahlkreis Leonberg vertritt, und Erik Schweickert aus Pforzheim für den Enzkreis engagieren sich schon lange für einen Verbleib von Christoph 41. Fachliche Unterstützung bekommen sie von ihrem Fraktionskollegen Christian Jung aus Bretten. Er sitzt im Verkehrsausschuss und im Petitionsausschuss. Beide Gremien spielen für die Zukunft der Luftrettung eine große Rolle.

Rund 28 000 Menschen hatten im Frühjahr bei einer vom Technischen Hilfswerk, der Feuerwehr und anderen Rettungsexperten initiierten Petition für einen Verbleib von Christoph 41 in Leonberg unterschrieben. Im Petitionsausschuss wurde das Ansinnen allerdings von der grün-schwarzen Mehrheit abgebügelt.

Für die FDP-Parlamentarier ein Musterbeispiel für Machtpolitik. Der Grünen-Abgeordnete Peter Seimer etwa habe sich im Vorfeld noch positiv über den Hubschrauber-Standort Leonberg geäußert, sagt Christian Jung. Im Petitionsausschuss habe er dann aber auf Regierungslinie gestimmt. Genau wie die Leonberger CDU-Abgeordnete Sabine Kurtz. „Beide wurden von ihren Landesparteien unter Druck gesetzt“, meint Jung. Eine Ansicht, die lokale Grüne und Christdemokraten in Leonberg ähnlich sehen.

Mit Sachargumenten, daran zweifelt Erik Schweikert nicht, habe der Willen der grün-schwarzen Regierung nichts zu tun: „Denen geht es nur darum, ohne Gesichtsverlust aus der Sache herauszukommen.“ Das Gutachten, auf dass sich der federführende Staatssekretär Wilfried Klenk (CDU) stützt, halten die Liberalen für überholt. Es empfiehlt eine Verlegung des Hubschraubers von Leonberg in den Raum Reutlingen/Tübingen, da dieses Gebiet „unterversorgt“ sei.

Besseres Wetter für Starts

„Das vier Jahre alte Gutachten hat einen Haufen Geld gekostet, basiert lediglich auf Zahlen aus dem Jahr 2018“, kritisiert Schweickert. Weder werde die Verkehrssituation im Großraum Stuttgart berücksichtigt, noch die für Hubschrauberflüge günstige Wetterlage in Leonberg. „Durch die Westwinde können Helikopter in Leonberg quasi immer starten“, sagt Schweickert. Das Gebiet um Reutlingen sei wegen des Albtraufs für Starts und Landungen wesentlich problematischer.

Auch sei die fachliche Meinung der Piloten nicht abgefragt worden, weder die der Luftrettung, noch jene der Polizei-Hubschrauber-Staffel, bemängelt Schweickert, der in früheren Jahren selbst als Rettungshelfer und Sanitäter aktiv war und die Abläufe in Leitstellen kennt. Christoph 41, so sagt er, sei nicht nur für die Region Stuttgart, sondern auch für den Enzkreis von elementarer Bedeutung. 75 Prozent der dortigen Rettungsflüge kämen aus Leonberg, lediglich 15 Prozent aus Karlsruhe und gar nur zehn Prozent aus Pattonville.

Hans-Dieter Scheerer betont, dass sich das eigene Engagement nicht gegen Tübingen oder Reutlingen richte, sondern für Leonberg. Einen Standort an einen anderen Ort zu verlegen, verursache doppelte Kosten, da ja eine neue Rettungsstation erst einmal gebaut werden müsse. Da kommen, so sagt der FDP-Verkehrsexperte Jung, drei bis fünf Millionen Euro zusammen – pro Standort.

Bei einer möglichen Stationierung auf dem Dach der Tübinger BG-Klinik sei überhaupt nicht klar, ob die Dachkonstruktion einen Huschrauberbetrieb überhaupt aushalte. Und in Wannweiler bei Reutlingen hat sich der dortige Gemeinderat mit knapper Mehrheit gegen eine Rettungsstation ausgesprochen. Allerdings gibt es dort ein Bürgerbegehren pro Christoph 41.

Doch unabhängig, wie die Diskussion im Süden geführt wird: „Wir finden einfach kein Argument gegen Leonberg“, sagt Schweickert. „Selbst der Ministerpräsident landet gerne hier, wenn es in Stuttgart zu voll ist.“

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