Restaurants in und um Leonberg Gastronomen müssen wieder kämpfen

Von Anne Rheingans
Wer ins Restaurant will, etwa ins Leonberger Naturfreundehaus Wanne von Jessica und Andreas Wullinger, muss nachweisen, dass er vor Kurzem erst geimpft oder genesen ist oder zusätzlich einen negativen Coronatest vorweisen. Foto: Simon Granville

Altkreis - Spontan auf ein Bier in die Kneipe oder zum Abendessen ins Restaurant – das kann angesichts der aktuellen Coronabestimmungen selbst für zweifach geimpfte Personen schwierig werden. Nur wer bereits geboostert oder vor Kurzem erst genesen ist, kommt bei der momentanen 2G-plus-Regel am Türsteher vorbei. Zudem muss seit Mittwoch in Restaurants eine FFP2-Maske getragen werden. Wie sehr machen diese Vorschriften den hiesigen Gastronomen zu schaffen?

Deutlich weniger los war in den vergangenen Wochen im Naturfreundehaus Wanne in Leonberg. Jessica und Andreas Wullinger, die das Restaurant betreiben, sprechen von einem Gästerückgang von rund 50 Prozent. „Wir merken die Pandemie deutlich. Das liegt aber eher daran, dass die Leute generell versuchen, ihre Kontakte zu reduzieren, als an der 2G-plus-Regel“, sagt Jessica Wullinger. Alle Weihnachtsfeiern wurden abgesagt. Unter der Woche ist ebenfalls wenig Betrieb. An den Sonn- und Feiertagen ist dagegen etwas mehr los. Diejenigen Gäste, die dann ins Restaurant kommen, sind zumeist bereits geboostert und wollen die Gastronomie nun erst recht unterstützen.

Wirte beklagen Totalausfall in Folge

Ein langfristiges Konzept wünscht sich Martin Banzhaf, der den „Grünen Baum“ in Warmbronn betreibt. „Die Situation ändert sich momentan laufend. Man kann nichts planen und fühlt sich etwas vor den Kopf gestoßen“, meint er. Der Dezember wurde für den Gastronom zum „Totalausfall in Folge“. Zwar lief das Geschäft mit dem Abholen von Speisen recht gut. Das Lokal hingegen war in den vergangenen Wochen deutlich weniger belegt als üblich. Und trotz vieler Reservierungen fanden bei ihm keine betrieblichen Feiern statt. Dennoch ist es Martin Banzhaf wichtig, das Personal zu halten und Kurzarbeit zu vermeiden.

Torsten Nufer, der Inhaber der Ratsstuben in Weissach, musste dagegen mehrere Mitarbeiter ziehen lassen. Seit Mitte November ist sein Betrieb in Kurzarbeit. Er stellt Umsatzeinbußen von rund 60 Prozent fest. „Im Dezember ist uns alles weggebrochen. Es ist eine Katastrophe“, sagt er. Große Firmenveranstaltungen, Weihnachtsfeiern und Aufträge im Catering – mehr und mehr Gäste sind dem Gastronomen abgesprungen. „Da wäre ein kompletter Lockdown, in dem wir Coronahilfen bekommen hätten, besser gewesen. Wir konnten im Dezember gerade so unsere Fixkosten decken“, erzählt Torsten Nufer. Nur an den Weihnachtstagen selbst war die Auslastung durch Familien und sonstige kleinere Gruppen recht ordentlich. Auch aktuell sei wenig los. Der Lieferservice wird derzeit nur mäßig angenommen.

Spontan längere Betriebsferien eingelegt

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Michele Garofoli. Sein italienisches Restaurant „Da Michele“ in Ditzingen verzeichnet aktuell einen Umsatzrückgang von 60 Prozent. 90 Prozent aller Weihnachtsfeiern wurden abgesagt. Der Lieferservice kann die finanziellen Verluste der jüngsten Zeit nicht ausgleichen. „Es ist eine ganz schlimme Zeit für uns momentan“, klagt er.

Wegen der Pandemie hat Klaus Burkhardt das Hotel „Hirsch“ in Heimsheim für mehrere Wochen geschlossen. Vom 20. Dezember bis Anfang dieser Woche ruhte der Betrieb. „Alles andere hat keinen Sinn ergeben. Die Leute sind einfach verunsichert und bleiben zu Hause“, sagt der Geschäftsführer. Auch jetzt ist das Restaurant nur für Hotelgäste mit einer kleinen Karte geöffnet. Einige Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. In der kommenden Woche wird voraussichtlich wieder der reguläre Betrieb aufgenommen.

Weniger Gäste, aber steigende Kosten

Betriebsferien hat auch das „Gusto“ in Gerlingen eingelegt. Zehn Tage lang war das italienische Restaurant geschlossen. Dort haben Renato und Britta Bersaglio deutlich gespürt, dass die Gäste bei den Regeln nicht mehr durchblicken und wegen der hohen Inzidenzen daheim blieben. Gleichzeitig seien die Kosten für Energie und Waren gestiegen, sagt die Chefin. „Wir müssen nun echt kämpfen, dass wir durch diesen Winter kommen, und warten darauf, dass es bald wieder warm genug für die Außengastronomie wird.“ Britta Bersaglio hofft, dass die Gäste das Lokal in der Zwischenzeit wieder so großartig unterstützen wie während des ersten Lockdowns 2020, als der Abholservice sehr gefragt war.

Eine positivere Bilanz zieht Michael Wagner, der geschäftsführende Gesellschafter des „M5“ in Leonberg. Erst im Juni ging das Restaurant an den Start. „Im Dezember lief das Tagesgeschäft sehr gut. Die Gäste haben sich bei uns sicher gefühlt“, sagt er. Trotzdem musste Michael Wagner auf Einnahmen im fünfstelligen Bereich verzichten, weil bei ihm ebenfalls die meisten Weihnachtsfeiern abgesagt wurden. „Aber nur Jammern hilft nicht.“ Er versucht, mit neuen Ideen das Geschäft zu beleben, zum Beispiel mit der Weihnachtsbox für zu Hause, die zum Fest von 60 Personen angenommen wurde.

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