Renninger Krippe Die Krippe soll Hoffnung in schweren Zeiten schenken

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Franz Pitzal und freiwillige Helfer verleihen der Krippe den letzten Schliff, damit am Sonntag alles fertig ist. Foto: Simon Granville

Renningen - Als wäre nichts gewesen und die Welt noch so, wie sie vor einem Jahr gewesen ist, stehen die Figuren von Hildegard Buchhalter pünktlich zum 3. Advent in der Malmsheimer Martinuskirche. Aber in diesem Jahr ist gar nichts wie sonst, auch nicht die Renninger Krippe. Die ist zwar wieder reich geschmückt worden vom katholischen Pfarrer Franz Pitzal und seinem Team.

Auch Gottesdienste sollen, Stand Freitag, in der Kirche abgehalten werden. Alle anderen Veranstaltungen, Besichtigungstouren und Zusammenkünfte, die sonst die Zeit bis zum Ende der Weihnachtszeit mit besonderen Erlebnissen gefüllt haben, müssen aufgrund der Corona-Pandemie aber ausfallen.

Wenig verwunderlich ist es da, dass der Mittelpunkt der diesjährigen Krippe ein ganz eigenartiges Konstrukt ist. Ein runder Ball mit vielen Noppen daran: ein Abbild des Coronavirus. Fast alles dreht sich 2020 nur noch darum. Die Pandemie und ihre Folgen sind allgegenwärtig. Umso mehr ein Grund für den Pfarrer, auch die 41. Krippe einzurichten und damit ein Signal der Hoffnung an die Menschen zu richten. Denn der Mittelpunkt der Ausstellung ist zwar das Virus, das die Welt seit einem Jahr in Atem hält, ebenso aber auch die Hoffnung, die die Menschen in dieser Zeit schöpfen, sagt Franz Pitzal.

Jede Weihnachtszeit steht die Krippe in Renningen unter einem anderen Motto: Mal war sie dem Thema Berge gewidmet, mal dem berühmten Weihnachtslied „Stille Nacht“, einmal sogar, zum Jubiläum der Reformation, Martin Luther und seinem Wirken. Die Kirche wird dazu entsprechend geschmückt, Franz Pitzal und ein Team aus freiwilligen Helfern basteln in Eigenleistung alles zusammen, was dafür nötig ist, von hohen Bergen aus Pappmaschee bis hin zu einer Nachbildung der Wartburg. Mit Leben werden die Plätze und Gebäude durch die Figuren der verstorbenen Hildegard Buchhalter erfüllt, die passend zum Thema platziert werden.

Tipps gegen die Traurigkeit

„Wir haben zum Beispiel eine leere Kirche aufgebaut“, erklärt Franz Pitzal. Denn während des Lockdowns im Frühjahr waren keinerlei Zusammenkünfte erlaubt, nicht einmal in der Kirche. Ein Symbol für die vielen Einschränkungen, mit denen die Menschen 2020 leben mussten. Weitere Stationen zeigen Bereiche des täglichen Lebens, die durch das Virus beeinträchtigt waren oder Schaden erlitten haben, von den Kindergärten über die Vereine bis hin zur Gastronomie.

Doch Trauer und Trübsal war noch nie der Kern der Renninger Krippe und sollen es auch in diesem Jahr nicht sein. „Sie soll den Menschen, die niedergeschlagen sind, wieder Hoffnung geben“, sagt Franz Pitzal. „Wir möchten den Menschen Tipps gegen die Traurigkeit geben, wie man dagegen vorgehen kann, und Impulse geben für ein hoffnungsvolles Leben.“ Daher sind auch einige Stationen zu sehen, die zeigen, was die Menschen in der Krise alles erreicht und Gutes getan haben. Das beginnt bei den vielen Hilfsaktionen, die die Menschen in ihrem Umfeld organisiert haben, und reicht bis zur Unterstützung von Ländern weltweit, die die Krise noch viel härter getroffen hat. Mehr als 30 000 Euro für außereuropäische Länder sind durch direkte Spenden bereits zusammengekommen, sagt der Renninger Pfarrer. Auch diese Länder sind in der Krippe symbolisch abgebildet.

Enttäuschung über die Absagen

Üblicherweise sind allein dank der Krippe immer Spendensummen im hohen fünfstelligen Bereich zusammengekommen, da die „Erlöse“ aus der Krippe, also Spenden für Eintritt und Führungen sowie Geld für Kuchenverkäufe und Ähnliches, vollständig in den guten Zweck geflossen sind. „Wir müssen sehen, was dieses Jahr überhaupt zusammenkommt.“

Die Enttäuschung über die Absage der Veranstaltungsreihe zur Renninger Krippe ist dem Pfarrer deutlich anzumerken. „Sie war schon bis ins Detail vorbereitet“, erzählt er. „Alles war sicher.“ Es gab ein Konzept für die Belüftung, für die Laufwege, für die Erfassung der Besucherdaten und vieles mehr. Doch um mit gutem Beispiel voranzugehen, hatten der Stiftungsrat und der Vorstand der Franz-Pitzal-Stiftung Renninger Krippe die Veranstaltungen bereits im Oktober abgesagt. Eine vorausschauende Entscheidung, wie sich gezeigt hat: Unter den aktuell geltenden Corona-Auflagen wäre eine Durchführung ohnehin nicht mehr möglich gewesen.

Nach der neuen Corona-Verordnung dürfen Gottesdienste auch während des Lockdowns stattfinden – wenn auch mit Einschränkungen, zum Beispiel darf nicht zusammen gesungen werden. Die Gottesdienste in der Malmsheimer Martinuskirche (Westerfeldstraße 19), in der die Krippe aufgestellt ist, finden immer samstags um 18 Uhr und sonntags um 10.45 Uhr statt. Aufgrund der geltenden Abstandsregelung kann eine Teilnahme am Gottesdienst ohne Anmeldung nicht garantiert werden.  Mehr Informationen zur Anmeldung unter katholischrenningen.de oder telefonisch unter 0 71 59 / 24 22. 

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