Renninger Krippe Der Sternenhimmel verschwindet

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Zur Schlussfeier an der Krippe spricht der Europa-Abgeordnete Rainer Wieland (CDU). Foto: factum/Weise

Renningen - Die „Stille Nacht“ ist zu Ende: Nach einer letzten Veranstaltung am Sonntagabend – zu Gast war der Gerlinger Europa-Abgeordnete Rainer Wieland (CDU) – laufen nun die Aufräumarbeiten in der katholischen Martinuskirche in Malmsheim. Der schöne blaue Nachthimmel, der sieben Wochen lang über der Szenerie mit der kleinen Miniatur-Kapelle schwebte, kommt herunter, und die Figuren von Hildegard Buchhalter kommen bis zur nächsten Krippe, beginnend am dritten Advent, zurück ins Krippenmuseum. Zu Ende ist damit auch das Motto der diesjährigen Krippe, das sich mit dem Weihnachtslied „Stille Nacht“ befasste, das vor genau 200 Jahren komponiert worden ist.

„Ich wollte das Thema erst nicht so gerne“, gesteht der Pfarrer Franz Pitzal. „Dass sich die Krippe nur um ein Lied drehen sollte, das war mir ein wenig, ich kann es gar nicht richtig ausdrücken, zu einseitig.“ Sonst seien die Themen der Krippe, zu denen die Figuren von Hildegard Buchhalter jedes Mal neu angeordnet werden, sehr viel weitreichender gewesen und inhaltlich meist von historischer oder zeitkritischer Bedeutung – zuletzt ging es um das lebendige Wirken der Ökumene und um das Jubiläum der Reformation.

Rappelvoll beim Drehorgelkonzert

Der ehemalige Landrat und einstige Renninger Bürgermeister Bernhard Maier habe ihn aber darin bestärkt, es doch zu versuchen, berichtet Pitzal. Und tatsächlich: „Viele sagten anschließend, das war die schönste Krippe bislang.“ Entsprechendes höre er zwar jedes Jahr immer wieder, „trotzdem habe ich überlegt: warum?“ Dabei kam er zu dem Schluss: „Wir hatten nur ein einziges Bauwerk dieses Jahr, das Abbild der Stille-Nacht-Kapelle in Salzburg, mitten im Wald, dazu die beleuchteten Christbäume. Das gab ein harmonisches Bild, eine heimelige und frohmachende Atmosphäre, die die Leute mochten.“ Weltweit herrschte im vergangenen Jahr ein „heilloses Durcheinander“, er verstehe deshalb, wieso die Menschen diese besondere und besinnliche Atmosphäre so geschätzt hätten.

Als besonderen Höhepunkt in diesem Jahr – neben dem wie immer von vielen honorierten Auftritt von Tony Marshall sowie namhaften Politikern und Pfarrern der Ökumene – beschreibt Franz Pitzal das Drehorgelkonzert. Zehn Spieler aus Süddeutschland, „von Bad Waldsee bis Bad Wimpfen“, spielten auf zehn unterschiedlichen Drehorgeln. „Das kam schon etwas überraschend, die Kirche war gerappelt voll, da gab es kaum einen Stehplatz mehr.“

Das Geld geht in die Ukraine und nach Indien

Die Zahl der Besucher an der Krippe wird nicht erhoben, berichtet Pitzal und schmunzelt. „Das ist bei uns nicht wie im Kino.“ Das heißt: Am Eingang werden keine Tickets verteilt. Der Eintritt ist grundsätzlich frei. Allerdings werden Spenden gesammelt, die an einen guten Zweck fließen. Dieses Jahr geht das Geld zum einen Teil in die Ost-Ukraine, zum anderen in Teile Indiens, wo vergangenes Jahr schlimme Unwetter gewütet haben.

2018 kamen mehr als 70 000 Euro zusammen. Wie viel es dieses Jahr werden, muss erst ausgezählt werden. Fest steht mittlerweile aber, wie viele Spenden die Sternsinger dieses Jahr gesammelt haben. Klar ist auf jeden Fall: Es sind mehr als 33 000 Euro geworden. Damit hat der Pfarrer seine Wette gegen die Sternsinger mal wieder verloren und muss beim Ostermarkt – angelehnt an das Krippenmotto – selbstgemachte Betthupferl anbieten und einen Abend den Nachtwächter vor dem Renninger Rathaus mimen.

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