Renninger Forstbericht Der Wald wird zum Publikumsmagnet

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Während der Pandemie haben viele Renninger die freie Zeit oder ausgefallene Urlaube genutzt, um den heimischen Wäldern einen Besuch abzustatten. Foto: factum/Archiv

Renningen - Die Besucherzahlen sprengen alles, was ich bisher gekannt habe.“ Abseits der Übersicht über den Nutzungs- und Kulturplan des Renninger Stadtwalds wollte der Revierförster Rolf Maier dem Gemeinderat diese Entwicklung aus der Coronapandemie nicht vorenthalten. „Ich glaube, jeder, der nicht ins Freibad konnte, ist in die Renninger Wälder gegangen.“

Man habe daher oftmals ein Auge zugedrückt bei den vielen Falschparkern, die ihre Fahrzeuge zum Teil kreuz und quer abgestellt hatten. „Dabei habe ich von vielen Leuten die Rückmeldung bekommen: Sie wussten gar nicht, wie schön unsere Wälder sind.“

Kurs halten bei der Bewirtschaftung

Für die einen ist das nur eine nette Anekdote. Für die Stadtverwaltung und den Gemeinderat ist es jedoch ein weiteres Indiz dafür, dass ihre Entscheidungen in der Vergangenheit rund um die Pflege und Bewirtschaftung des Stadtwalds richtig waren und der Natur und den Menschen zugutekommen. Auf die Frage, was er einem Nachfolger mit auf den Weg geben würde, antwortete Rolf Maier daher kurz und prägnant: „Kurs halten.“ Die Stadt könne stolz sein auf die Entscheidungen, die nach den verheerenden Sturmschäden von 1990 gefällt wurden.

„Wir hatten seither öfter auch mit Widerständen zu kämpfen. Aber im Hinblick auf die Klimaerwärmung war das genau der richtige Weg, dem sollten wir treu bleiben.“ Im Detail bedeutet das, dass Renningen deutlich weniger Bäume für den Verkauf und die Nutzung fällt, als es eigentlich erlaubt wäre, und gleichzeitig an vielen Stellen das Entstehen und den Erhalt eines natürlichen Waldbestands fördert. Darüber hinaus wird im Renninger Wald auf jede Form von Pestiziden verzichtet.

Bäume leiden unter Trockenheit, Stürmen und Insekten

Isoliert betrachtet war das Forstwirtschaftsjahr 2020 schlecht für den Stadtwald, berichtete Rolf Maier. „Wegen der viel zu hohen Temperaturen und der zu geringen Niederschläge des Jahres 2019 mussten 2880 Festmeter Schadholz aufgearbeitet werden.“ Der Anteil der zufälligen Nutzung betrug damit 75 Prozent. Das heißt, dass Dreiviertel des Gesamteinschlags nicht gezielt erfolgt sind, sondern auf die Aufarbeitung von Sturm-, Trocken- und Insektenschäden entfallen.

Trotzdem zeigte sich Maier vorsichtig optimistisch. Denn im Vergleich zum extremen Jahr 2019 bedeutete 2020 eine spürbare Verbesserung. 2019 lag die zufällige Nutzung nämlich noch bei 90 Prozent. „Man merkt eine leichte Erholung.“

Keine Brennholzversteigerung möglich

Auf das gezielte Fällen von Nadelholz hat die Stadt vergangenes Jahr bewusst verzichtet, um den „überlasteten Holzmarkt nicht zusätzlich zu strapazieren“. Zum Ausgleich gab es jedoch waldbauliche Fördergelder in Höhe von rund 85 000 Euro. In Absprache mit der Unteren Forstbehörde wird dieses Vorgehen 2021 so beibehalten, um dem Preisverfall bei Nadelholz entgegenzuwirken.

Was Rolf Maier sehr bedauerte, war der pandemiebedingte Wegfall der jährlichen Brennholzversteigerung, die sonst immer im März stattfindet. Nicht nur, weil das für viele ein beliebtes Ereignis sei. Es sorge außerdem für mehr Gleichberechtigung unter den Kunden, da beim Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ gerade ältere Mitbürger, die nicht so internetaffin sind, vielleicht unter den Tisch fallen. Das Holz wurde diesmal direkt auf Rechnung verkauft.

Weniger Bäume neu gepflanzt

In Sachen Waldschutz und Kulturen musste Maier mitteilen, dass statt rund 3000 Laubbäumen und 1000 Douglasien, die 2020 hätten gepflanzt werden sollen, nur knapp 1300 Laubbäume und 900 Nadelbäume gepflanzt werden konnten. Der Grund: „Durch die lang anhaltende Trockenheit und Hitze 2019 ist es auch in den großen Pflanzschulen zu Ausfällen gekommen.“ Das soll 2021 aber nachgeholt werden.

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