Renninger arbeiten an CO2 -Bilanz Die Sinne für das Klima schärfen

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Erwin Eisenhardt, Patrick Oser und Christine Berg (von links) tauschen sich über regionale Lebensmittel aus. Foto: Jürgen Bach

Renningen - Je höher die Konzentration von Kohlenstoffdioxid – auch unter der gängigen chemischen Formel CO2 bekannt – in der Atmosphäre ansteigt, desto heißer wird es künftig auf unserem Planet Erde. Die Wirkung von Treibhausgasen ist längst bekannt. Bekannt ist auch, dass es allerhöchste Zeit ist, die CO2-Emissionen zu senken, um dem Klimawandel entgegen zu wirken und um schließlich auch das Ökosystem zu retten.

Zum Handeln entschlossen hat sich der Renninger Erwin Eisenhardt nicht erst, als er im vergangenen Jahr zusammen mit neun engagierten Mitstreitern aus Renningen, Malmsheim und Magstadt den Arbeitskreis „Lokaler Klimaschutz“ der Renninger Agenda ins Leben rief. Ein Schwerpunktthema ist bereits angelaufen. Der Arbeitskreis hatte für das Vorhaben, den CO2-Verbrauch in Renningen zu senken, Familien gesucht, die sich daran beteiligen wollen. Acht haben sich gemeldet, zwei Online-Einsparer-Treffen fanden bereits statt. Der erste Schritt: Jeder Teilnehmer bestimmte seinen individuellen CO2-Fußabdruck anhand eines Rechners.

Viele Faktoren führen zum CO2-Wert

In das Ergebnis fließen zahlreiche Faktoren mit ein: Ernährung, Konsum, Mobilität und Wohnen. Kaufe ich regionale Lebensmittel beim Hofladen oder bevorzuge ich Lebensmittel, die einen weiten Transport hinter sich haben? Wie oft esse ich Fleisch, Fisch, Eier, Milch oder Milchprodukte? Wie viele Kilometer lege ich jährlich mit dem Auto, Motorrad oder gar mit dem Flugzeug zurück? Wie viel gebe ich monatlich für Kleidung und Schuhe aus, oder für Freizeit und Kultur? Wie halte ich meine eigenen vier Wände warm, welche Effizienzklasse haben meine Haushaltsgeräte oder meine Beleuchtung? Am Ende zahlreicher Fragen kommt ein jährlicher individueller CO2-Wert heraus. Der durchschnittliche Wert in Deutschland pro Person liegt bei 11,1 Tonnen.

Christine Berg, eine der Teilnehmerinnen beim Renninger „Einsparer-Treffen“ hat ihren persönlichen Wert schon auf fünf Tonnen minimieren können. Sie ist mit großer Begeisterung dabei, vor allem, weil sie Gleichgesinnte gefunden hat, mit denen sie sich austauschen kann. „Umweltbewusst denke ich schon lange, bereits in meiner Schulzeit habe ich mich über meinen Englischlehrer aufgeregt, der mit großer Begeisterung erzählte, wenn er mal für ein Wochenende nach London geflogen ist“, erzählt die 43-Jährige, Mutter von drei Kindern im Alter von elf, 13 und 15 Jahren. „Wenn mehrere Personen in einem Haushalt wohnen, ist die Bilanz natürlich besser“, sagt sie.

Einkäufe mit Fahrrad und Hänger

Auto fährt sie nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Die Kinder hat sie dazu erzogen, eigenständig in die Schule, die fußläufig gut zu erreichen ist, zu gehen. Oder auch die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Einkäufe erledigt sie mit ihrem Fahrrad: „Hierfür habe ich extra einen Hänger.“ Sie selbst ernährt sich seit vielen Jahren vegetarisch. Vor zwei Jahren hat sich der älteste Sohn entschieden, kein Fleisch mehr zu essen, die mittlere Tochter zog vor ein paar Monaten nach. „Meine Kinder oder auch meinen Mann kann ich nicht dazu zwingen, mitzumachen. Sie tragen es bedingt“, sagt Christine Berg, die gerne ihre Kleidung im Second-Hand-Laden kauft. „Es gibt einen Überfluss an Klamotten, mit gebrauchten falle ich keineswegs aus dem Raster, denn die sind trotzdem gut.“

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Patrick Oser ist überzeugt, dass Corona dazu beiträgt, dass sich die Menschen mehr über die Ernährung Gedanken machen. „Wir beschäftigen uns schon lange damit, wie wir mit unserem Lebensstil den CO2-Verbrauch reduzieren können“, sagt der 35-jährige Elektroingenieur, der mit seiner Frau nach Renningen gezogen ist. Im Wohngebiet Schnallenäcker haben sie ein Domizil gekauft, welches sie gerade in ein Niedrigenergiehaus umbauen. Auf dem gesamten Dach ist beispielsweise eine Fotovoltaikanlage für die Stromversorgung angebracht, eine Wärmepumpe wird künftig die Heizkörper mit Wärme aus der Umwelt versorgen. Osers persönlicher CO2-Fußabdruck liegt momentan bei 7,6 Tonnen. In einem Punkt muss er stets kräftig rechnen. Der 35-Jährige hat multikulturelle Wurzeln. Seine Familie ist weltweit verstreut, und er möchte sie hin und wieder auch mal besuchen. Auf Flugreisen kann er daher nicht immer verzichten. „Dafür versuche ich an anderer Stelle die CO2-Emission wieder auszugleichen, und wenn möglich, fahre ich mit der Bahn.“

Flugzeug als Klimakiller

Patrick Osers Bedenken kommen nicht von ungefähr. Vergleicht man alle Verkehrsträger miteinander, kommt das Flugzeug aus Klimasicht am schlechtesten weg. Ein Flug von Berlin nach Mallorca und wieder zurück beispielsweise lässt allein schon ein Drittel der Treibhausgasemissionen eines durchschnittlichen Autos pro Jahr in die Luft ab. Dabei wird nicht nur CO2 ausgestoßen. Bei der Verbrennung von Kerosin entstehen weitere Schadstoffe, die ebenfalls zur Veränderung der Erdatmosphäre beitragen.

Der Umzug vom Eigenheim – in dem nun eine Familie mit Kindern lebt – in ein Mehrgenerationenhaus in Renningen war für Erwin Eisenhardt (66) und seine Frau ein Schritt in die richtige Richtung. Ihren ursprünglichen Garten bewirtschaften sie allerdings nach wie vor und versorgen sich, so weit möglich, mit eigenem Obst und Gemüse. Optimal für die CO2-Bilanz, die Erwin Eisenhardt bei fünf Tonnen relativ konstant halten kann. „In unserer Gruppe wollen wir weiter das Bewusstsein schärfen, uns Ideen holen, wir wollen uns ergänzen und austauschen.“ Der selbstständige Web-Designer schätzt, dass jeder selbst mindestens 30 Prozent zur CO2-Einsparung beitragen könne. Der Rest müsse von der Politik kommen.

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