Renningen Von alten Säcken und Streitigkeiten

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Die Rankmühle um das Jahr 1910, als die Gegend noch stark von der Landwirtschaft geprägt war. Foto: Heimatverein Rankbachtal

Renningen - Zwischen 100 und 200 Jahre alte Exponate enthält die Sammlung alter Getreidesäcke des Heimatvereins Rankbachtal laut dessen Vorsitzendem Eberhard Scheck. Sie sind Teil der Sonderausstellung „Von Scheffelsäcken und Mühlen“, die am Freitagabend im Heimatmuseum Malmsheim eröffnet wurde – und damit auch die neue Museumssaison.

„Der Älteste ist von 1777 und der Jüngste aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts“, ist von dem Vorsitzenden zu erfahren. Die volkskundlichen und familiengeschichtlichen Zeugnisse stammen fast durchweg aus Renningen und Malms-heim und aus einer Zeit, als die beiden Dörfer noch stark von der Landwirtschaft geprägt waren. In der Regel seien sie mit dem Namen ihrer Eigentümer beschriftet und nummeriert gewesen, so Scheck. „Außerdem sind sie mit Berufssymbolen versehen – Schreiner, Weber, Schuhmacher und andere Handwerker, aber auch Gastwirte wie der Adlerwirt, die außer den hauptamtlichen Bauern eine Landwirtschaft hatten, markierten so ihre Säcke.“ Auf diese Weise hätten sie den Sack, in dem sie ihr Getreide anlieferten, auch wieder zurückbekommen – mit gemahlenen Mehl.

Die Säcke wurden über Generationen hinweg verwendet

„Die Säcke wurden sehr lange verwendet, oft über Generationen hinweg. Sie wurden geflickt, es gibt Flicken auf den Flicken. Namen wurden durchgestrichen und die Säcke weitergereicht“, erzählt Eberhard Scheck und erinnert in diesem Zusammenhang an die heutige Wegwerfgesellschaft und die Problematik mit Plastiktüten. Mit den Säcken und dem Getreideanbau stehen auch die drei Mühlen in der nächsten Umgebung in Zusammenhang, über die der Besucher der Sonderausstellung ebenfalls einiges erfährt: die Renninger Mühle, die heute nach ihrem Besitzer Sessler-Mühle heißt, sowie die Rank- und die Planmühle. Ihre Geschichte reicht bis weit ins Mittelalter zurück. Sie stellt den zweiten Schwerpunkt der Ausstellung dar. Gezeigt werden alte Karten, Pläne, Urkunden, Schriftstücke aus Lagerbüchern sowie historische Ansichten. Daraus lassen sich vor allem die einstigen Besitz- und Rechtsverhältnisse, die ehemaligen Wasser- und Wegeführungen sowie die baulichen Entwicklungen an den Mühlengebäuden erkennen.

Nicht nur im Hinblick auf die Wasserrechte kam es Scheck zufolge immer wieder zu Streitigkeiten. „Die Planmühle steht fast auf der Grenze. Die Mühle selbst steht auf Weiler Gebiet, die Nebengebäude befinden sich jedoch auf Malmsheimer Gebiet. Da gab es immer wieder Probleme“, weiß der Heimatvereinsvorsitzende aus der Geschichte der Mühle an der Würm zu berichten. Hinzu kam, dass die Mühle am Anfang vom Spital der ehemaligen Reichsstadt betrieben wurde, die „Mahlkunden“ aber aus Malmsheim und Renningen kamen. Diese Konstellation führte dann auch zu kuriosen Situationen, so Scheck: So führte ein Wappenstein, den Herzog Carl Eugen von Württemberg an die Mühle anbringen ließ, zu neuen Streitigkeiten.

Einiges wendet sich doch noch zum Guten

Dass sich im Lauf der Geschichte dann aber doch einiges zum Positiven wenden kann, beweist die Sonderausstellung: Nachdem 1848 ein neues Mühlengebäude errichtet worden war, verschwand der Stein, 1994 wurde er im Keller des neuen Gebäudes gefunden. Heute befindet er sich im Weil der Städter Museum und ist jetzt in der Ausstellung des Heimatmuseums in Malmsheim als Leihgabe.

Auch die Besitzverhältnisse der Mühlen bergen Interessantes. Der Bäcker Johannes Krämer erwarb die Rankmühle an der Straße nach Weil der Stadt erst 1794. Die Mühle wird zwar seit 1941 nicht mehr betrieben, doch gehört das Gebäude noch immer den Nachfahren von Krämer. Im Jahre 1839 ging auch die Planmühle an die Familie Krämer. Philipp Jakob Krämer kaufte sie und wurde der zweite „Rankmüller“. Nach seinem Tode ging die Mühle an seine Söhne. Auch diese Mühle ist noch in den Händen der Nachfahren.

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