Renningen Stasi-Vortrag schockiert Gymnasiasten

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Renningen - Zum Thema Staatssicherheit in der ehemaligen DDR und der Tatsache, dass Misstrauen und Lüge ihr Grundprinzip bildeten, hat der Germanist Karsten Dümmel gestern in der Aula des Renninger Gymnasiums gesprochen. Wolfgang Rödel, Abteilungsleiter für Gesellschaftswissenschaften, organisiert schon seit mehr als 20 Jahren diese Veranstaltung für die Schule. Sie dient als Vorbereitung für eine Berlinreise die die Kursstufe eins (früher 12. Klasse) unternimmt. Während dieser Exkursion besuchen die Schüler die Stasi-Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen.

Karsten Dümmel begann seine Präsentation mit einer Klarstellung. „Sie wissen alle überhaupt nichts von der Stasi“, betonte er, „wenn das Thema ein Alphabet wäre, würden sie nicht mal den Buchstaben A kennen, und das macht mich traurig“, ergänzte der gelernte Elektromonteur. So erregte er schnell die Aufmerksamkeit der Schüler, die dem Vortrag gebannt folgten. Dümmel nannte zunächst Fakten über die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und der Stasi, bevor er die Arbeitsweise des Ministeriums beschrieb, das über auffällige Bürger entweder Karteikarten oder Akten anlegte. Der Zeitzeuge erläuterte den Schülern, wie die Stasi vorging, um Regimekritiker Menschen unschädlich zu machen. Dabei zitierte er zwei Studien, die man gefunden hatte: In der sogenannten „Toxdat“-Studie wurden verschiedene Methoden beschrieben, einen Menschen zu töten, ohne Beweise zu hinterlassen. Laut Dümmel nutzte die Stasi auch Röntgenstrahlen, um bei den Opfern Krankheiten wie Krebs oder Leukämie auszulösen. Die andere Studie, die Richtlinie 176, habe dazu gedient, einen Menschen zu zerbrechen. „Ich selbst wurde Opfer der Richtlinie 176, deren Ziel es ist einem Menschen die Kon­trolle über das eigene Leben zu nehmen“, erklärte der Germanist den Schülern. „Sogar bei Kindern wurden diese schrecklichen Dinge angewandt“, fügte er hinzu.

Die Jugendlichen der Kursstufe eins zeigten sich sichtlich beeindruckt von den Ausführungen Karsten Dümmels. „Dass die Stasi so weit ging und das Leben eines Menschen derart beeinflussen konnte, dass dieser nicht einmal mehr selber entscheiden konnte, wo er arbeitet, finde ich krass“, sagte Jan Trauer. „Besonders die Grausamkeit, mit der gegen Oppositionelle vorgegangen wurde, schockiert mich schwer. Dass man Dinge wie die Toxdat-Studie nutzte, um Leute loszuwerden, hätte ich nie gedacht“, sagte sein Mitschüler Fabian Kreis. Die Veranstaltung kam bei den Schülern insgesamt aber gut an und wurde von vielen als sehr informativ empfunden. „Dass Karsten Dümmel immer wieder herkommt, um seine Eindrücke mit den Schülern zu teilen, freut uns sehr“, betonte der Organisator Wolfgang Rödl.

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