Renningen Sein Motto: „Jammern füllt keine Kammern“

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Andreas Kindler reicht den Staffelstab weiter. Foto: factum/Jürgen Bach

Renningen - „Ich habe das hier immer mit Leib und Seele gemacht“, sagt Andreas Kindler, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, über sein Amt, das er jetzt schon seit 20 Jahren ausübt. „Aber man darf an so einem Job nicht kleben.“ Er möchte das Amt in jüngere Hände weitergeben. „Wir brauchen Rebellen, junge Leute, die etwas verändern wollen.“ Aus diesem Grund wird der 56-Jährige beim Kreisbauerntag, der am 8. Februar stattfindet, nicht wieder antreten. Verbandsmitglied will er jedoch bleiben, gerne auch im Vorstand, und seinem Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite stehen. Zumindest einen Bewerber für das Amt gibt es: Daniel Dengler, Landwirt aus Sindlingen (Jettingen).

Unter traurigen Umständen zum Amt

Er selbst wurde damals direkt ins kalte Wasser geschmissen, erinnert sich Andreas Kindler. „Ich bin in dieses Amt hineingewachsen, ohne dass ich eigentlich jemals vorhatte, erster Vorsitzender zu werden. Das hätte ich mir nie gedacht.“ Der Renninger trat vor 25 Jahren mit Anfang 30 in den Kreisbauernverband ein und ließ sich, nachdem er von anderen darauf angesprochen wurde, für das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden aufstellen und wurde gewählt. Dann, ein paar Jahre später, ein schwerer Schlag, als sein Vorgänger sich das Leben nahm. Im Kreisbauernverband musste die Arbeit trotzdem weitergehen. So übernahm Kindler erst interimsweise das Amt und ließ sich später auch als erster Vorsitzender aufstellen.

„Ich habe weder einen Ordner noch sonst etwas zur Verfügung gestellt bekommen“, erinnert er sich. „Ich war einfach so Vorsitzender.“ Und als solcher war er auf einen Schlag Ansprechpartner für alle Wünsche, Nöte und Sorgen der Landwirte im Kreis Böblingen. „Das fängt an bei Telefonaten und geht bis hin zu Hausbesuchen, wenn es zum Beispiel Probleme mit der Hofübergabe an die Kinder gibt“, erzählt Kindler. Parallel dazu blieb er über die Jahre hinweg nebenerwerblicher Landwirt. „Das trifft inzwischen auf 75 Prozent aller Bauern zu“, weiß Kindler. Nur noch die wenigsten können diese Arbeit hauptberuflich machen.

Forderungen an Politik verhallen

„Mir war immer wichtig, dass ich nie etwas von oben herab mache, sondern habe immer gefragt: Wo können wir etwas tun, wo können wir unterstützen?“, sagt Kindler. Rückschläge gab es dabei immer wieder zu verkraften. Seine Kritik gilt dabei vor allem der Politik. „Bei allem, woran wir schon vor 15 Jahren appelliert haben, hat sich nichts getan“, beklagt er. „Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Bauern den etablierten Parteien weglaufen. Es wurde immer viel versprochen, aber passiert ist nie etwas.“

In allen großen Krisen, von BSE über Vogelgrippe bis zur Milchkrise, seien die Landwirte immer auf sich gestellt gewesen. Eines der großen Versprechen war beispielsweise, dass Bürokratie abgebaut werden solle. Eher das Gegenteil sei der Fall. „Vor etwa zehn Jahren haben wir zusammen mit Metzgern, Bäckern, Jägern und Landfrauen ein Schwarzbuch an die Abgeordneten im Kreis gegeben.“ Darin waren alle Punkte aufgelistet, bei denen es nach Ansicht dieser Berufsgruppen falsch läuft. Verändert habe sich aber nichts.

Auch mit der eigenen Partei nicht glücklich

Die Enttäuschung über die große Politik ist deutlich spürbar. Aber was ist mit der CDU? Für die sitzt Andreas Kindler immerhin schon viele Jahre im Kreistag und nun auch noch im Gemeinderat Renningen. „Aber wenn es so weitergeht, vielleicht nicht mehr lange“, sagt er, halb im Scherz und doch ganz ernsthaft. „Auch mit meiner eigenen Partei bin ich nicht ganz glücklich.“

Trotz allen Unmuts blickt der Renninger auch zufrieden auf seine Erfolge und die des Kreisbauernverbands zurück. „Mein Motto war immer: Jammern füllt keine Kammern.“ Zum Beispiel konnten die Landwirte erreichen, dass für Ausgleichsmaßnahmen, wenn irgendwo neue Baugebiete entstehen, auch alte Streuobstwiesen wieder hergerichtet werden können. „Wenn irgendwo gebaut wird, sind die Bauern sonst immer doppelt betroffen.“ Sie müssen ihre Ackerflächen für die Baugebiete hergeben und oft noch weitere für Ausgleichsmaßnahmen wie neue Streuobstwiesen.

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