Renningen Radweg: Landrat verärgert über Bürgermeister

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Der Waldweg Perouser Allee kann schon sehr idyllisch sein. Doch wie geeignet ist er für den Alltagsradverkehr? Foto: factum/Simon Granville

Renningen - Der Zug für einen straßenbegleitenden Radweg zwischen Malmsheim und Perouse ist abgefahren. Der Renninger Gemeinderat entscheidet zwar erst am Montag abschließend darüber, der Landkreis, der den Radweg bauen müsste, hat inzwischen aber auch davon Abstand genommen. Was den Alternativvorschlag angeht, den Waldweg zwischen den beiden Ortsteilen zu asphaltieren und damit für Radfahrer attraktiver zu gestalten, daran scheiden sich weiter die Geister. Vor allem im Landratsamt ist man wenig erfreut darüber, dass die Stadt Renningen diesen wohl im Herbst ausgearbeiteten Kompromiss einfach so über den Haufen geworfen hat.

„Mein Eindruck war, dass wir mit dieser Verständigung einen für beide Städte gangbaren Kompromiss gefunden haben“, schreibt der Landrat Roland Bernhard Anfang Januar in einem Brief an die Bürgermeister von Renningen und Rutesheim, Wolfgang Faißt und Susanne Dornes, der unserer Zeitung vorliegt. „Natürlich stand diese Verständigung unter Gremienvorbehalt. Angesichts der schwierigen Ausgangslage war ich jedoch davon überzeugt, dass die Verständigung von allen Beteiligten offensiv vertreten und nicht ohne Not von dieser Kompromisslinie abgewichen wird.“ Sein Verständnis halte sich daher in Grenzen, wenn „der mühsam gefundene Kompromiss in Frage gestellt wird und durch abweichende Beschlussempfehlungen Fakten geschaffen werden“.

Schon im Vorfeld Absage aus dem Gemeinderat

In der Tat ist von einer gemeinsamen Linie in der Beschlussvorlage für den Renninger Gemeinderat nicht die Rede, sondern nur von einem Vorschlag des Landratsamts. Stattdessen findet sich eine lange Liste von Argumenten gegen die Asphaltierung, sieben an der Zahl. Der Beschlussvorschlag der Renninger Verwaltung, den die Ausschüsse bislang mehrheitlich abgesegnet haben, lautet: „Der Asphaltierung der Radwegverbindung Malmsheim-Perouse über das städtische Waldwegenetz (Perouser Allee) wird aus ökologischen Gründen nicht zugestimmt.“ Der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt begründet diesen Schritt damit, dass der Gemeinderat bereits vor der Ausarbeitung der Sitzungsunterlagen dieser Idee eine klare Absage erteilt habe.

„Für mich war der Kompromissvorschlag des Landrats, den Waldweg zu asphaltieren, besser vertretbar als ein straßenbegleitender Radweg, aber ich habe gleich gesagt, dass dies schon einmal im Gemeinderat beraten und dabei verworfen worden ist“, so der Renninger Bürgermeister. Er habe jedoch eine erneute Behandlung des Kompromissvorschlags im Gemeinderat zugesagt.

Den Sitzungen ging Ende Oktober ein gemeinsamer Waldbegang mit dem Gemeinderat voran. Dort habe er von dem Vorschlag des Landrats berichtet, so Faißt. Trotzdem „zeichnete sich schon eine breite Mehrheit gegen eine Asphaltierung des Waldwegs ab, sodass diese nicht in den Beschlussvorschlag der Drucksache im Januar aufgenommen wurde“. Dies habe er dem Ersten Landesbeamten, Martin Wuttke, im Dezember auch mitgeteilt.

Landkreis müsste Ausgleich schaffen

Die Argumente der Verwaltung gegen die Asphaltierung beziehen sich unter anderem auf die Praktikabilität – Schäden durch Wurzeln, kompliziertere Wartung und Reinigung –, aber auch auf ökologische Aspekte. „Der städtische Forstbetrieb bemüht sich seit Langem, alte im Stadtwald noch vorhandene Teerspritz- und Asphaltdecken als ökologische Maßnahme wieder rückzubauen und zu entsiegeln“, heißt es. So geschehen bei der Hardtwaldallee im Sommer 2019. Dafür gab es sogar Ökopunkte für die Stadt. Vor diesem Hintergrund ergebe es für den Gemeinderat keinen Sinn, „auf der einen Seite einen Waldweg – der übrigens noch stärker von Radfahrern frequentiert ist als die Perouser Allee – zu entsiegeln und wenige Monate danach einen anderen Waldweg zu versiegeln“, sagt Wolfgang Faißt.

So ohne Weiteres würde diese Versiegelung allerdings nicht vonstatten gehen. „Bei einem Eingriff in Natur und Umwelt muss ein entsprechender Ausgleich geschaffen werden“, heißt es auf Anfrage beim Landratsamt. „Das heißt, der Landkreis müsste eine Ausgleichsmaßnahme übernehmen.“ Bislang ungeklärt war auch die Frage: Was passiert mit dem Geld, das nun womöglich in Renningen „eingespart“ wird? Der straßenbegleitende Radweg war ursprünglich mit 600 000 Euro angesetzt. Immerhin: „Wenn Gelder nicht benötigt werden, bleiben diese für andere Radwegemaßnahmen im Topf“, verspricht der Landrat Roland Bernhard. Geklärt werden muss nur, für welche.

Der Gemeinderat Renningen hat das Thema Radweg am Montag, 27. Januar, um 18 Uhr auf der Tagesordnung, um darüber zu beschließen.

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