Renningen Protestaktion gegen Test- und Maskenpflicht

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Besucher in der Renninger Gemeinderatssizung: Die Eltern möchten auf sich aufmerksam machen. Foto: Kathrin Klette

Renningen - So viele Zuhörer in einer Renninger Gemeinderatssitzung sind eine echte Seltenheit. Zwischen 30 und 40 Eltern unterschiedlicher Renninger Schulen haben sich am Mittwoch in der Stegwiesenhalle zusammengefunden. Sie sind aber nicht wegen eines bestimmten Tagesordnungspunkts hier, sondern um unter anderem gegen die Masken- und Testpflicht an Schulen zu demonstrieren. Mitten in der Sitzung stehen sie auf und halten Plakate hoch.

Es ist nicht der erste Proteste dieser Art, mit den Schulleitungen und Elternbeiräten gab es außerdem schon längere Gespräche. Ein wirklicher Konsens kam dabei offenbar nicht zustande.

„Eltern sind am falschen Punkt“

In einer zweistündigen Videokonferenz haben unter anderem Verena Weidmann-Reisser, die Rektorin der Friedrich-Silcher-Schule und Sprecherin für das gesamte Renninger Schulzentrum, und Nicole Volk, die stellvertretende Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, sich die Sorgen und Anliegen der Gruppe angehört und darüber diskutiert. „Das Problem ist: Die Eltern sind hier am falschen Punkt“, erklärt Weidmann-Reisser. „Die Masken- und Testpflicht wird nicht von der Stadt oder den Schulen festgelegt, wir können da überhaupt nichts machen.“ Die Gruppe habe unter anderem eine Schulklasse aufmachen lassen wollen, in der keine Masken- und Testpflicht gilt. „So etwas dürften wir gar nicht“, sagt die Schulleiterin.

„Grundsätzlich geht es uns darum, unseren Kindern eine Stimme zu geben, die unter den Maßnahmen leiden“, sagt eine Sprecherin der Gruppe. Dazu zählt sie unter anderem das Testen, die Masken und das Einhalten von Mindestabständen. „Wir denken über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen gegenüber der Gefahr einer Ansteckung nach. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es auch Menschen gibt, die das kritisch sehen.“

Sie verwehrt sich dagegen, in eine bestimmte Schublade oder politische Ausrichtung gesteckt zu werden, die mit den Diskussionen um Impf- und Maskenverweigerung einhergehen – auch wenn das Gebaren eines Teilnehmers beim Verlassen des Sitzungssaals entsprechend anmutet.

Freiheit des einen endet da, wo die des anderen beginnt

Man wolle ins Gespräch kommen, „und dass man unser Anliegen hört und versteht“. Ihr sei durchaus klar, dass der Gemeinderat und der Bürgermeister nicht über diese Themen entscheiden, und auch, dass ihre Gruppe nicht in der Mehrheit ist. „Aber auch Minderheiten sollte man anhören und mit ihnen sprechen.“ Das gelte genauso für diejenigen Eltern, deren Sorgen in die entgegengesetzte Richtung gehen. Ihr Wunsch an die Gemeinderäte und den Bürgermeister ist es, dass ihr Anliegen an höhere politische Gremien weitergetragen wird, zum Beispiel in den Kreistag.

Nicole Volk hat im Gespräch mit der Gruppe aber auch andere Eindrücke gewonnen. Auch wenn sie die Sorgen der betreffenden Eltern anerkennt, einige würden nicht verstehen, „dass die Freiheit des einen da endet, wo die des anderen beginnt“. Würde man auf die Forderung einer kleinen Gruppe hin die Maßnahmen abschaffen, würde man damit andere gefährden, von denen die Mehrheit die Situation ganz anders bewerte.

Manche sehen Tests schon fast als Körperverletzung

Insgesamt sei die Situation schwierig, sagt Nicole Volk. „Wir haben zwei Extreme bei den Eltern: Es gibt welche, die ihr Kind aus Angst vor einer Infektion daheim behalten wollen, und die, die in den Tests schon fast eine Körperverletzung sehen.“ Das Gros der Eltern, auch wenn sie sich natürlich lieber eine Situation ohne Pandemie wünschten, sei aber zufrieden mit den jetzigen Maßnahmen, so Volk. Auch Verena Weidmann-Reisser findet die jetzige Lösung mit zwei Tests die Woche sinnvoll. Die Kinder selbst kommen nach ihrer Erfahrung damit gut zurecht.

„Wir haben keine Spucktests, sondern nasale Tests, die werden uns vom Land gestellt“, erklärt sie. Die Kinder führen sie selbst durch, „das können sogar unsere Erstklässler schon sehr gut“.

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Ängste von Eltern, dass dabei Verletzungen entstehend könnten und auch das Tragen der Masken schlimme Folgen haben könnte, sind ihr bekannt. „Die Kinder werden bei den Tests auch immer zur Vorsicht angehalten, da ist noch nie etwas passiert.“ Grundschulkinder dürfen die Tests bei Bedarf aber auch zu Hause zusammen mit den Eltern machen. Mit den Masken kämen die Kinder ebenfalls gut zurecht. „Beides finden nur die Kinder schlimm, deren Eltern es schon schlimm finden“, hat sie die Erfahrung gemacht.

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