Renningen Neue Koordinate im Spinnennetz der Geoinformatiker

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Vergleichspunkt am Renninger Ernst-Bauer-Platz: Wer sein Smartphone darüber hält, weiß, wie genau das GPS arbeitet. Foto: kle

Renningen - Vom Navigationsgerät im Auto über den Freizeitspaß Geocaching bis zur beliebten Studentenapp „Jodel“ – zahlreiche Programme verwenden Satellitendaten zur Positionsbestimmung und sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber wie genau sind die GPS-Empfänger in Navigationsgeräten und Smartphones eigentlich?

In Renningen wurde jetzt in einem Festakt der erste Satellitenkontrollpunkt für Smartphones der Öffentlichkeit übergeben. Bürger haben mittels dieses Punktes von nun an die Möglichkeit, die Genauigkeit ihrer GPS-Empfänger einfach und schnell zu überprüfen.

Mit einer Metallplatte ist der hochgenaue Kontrollpunkt auf dem Ernst-Bauer-Platz gekennzeichnet. Wer seinen GPS-Empfänger über die in der Plattenmitte aufgetragene Markierung hält, kann die angezeigte Koordinate mit der auf der Platte angegebenen Sollkoordinate vergleichen. „Jetzt können unsere Bürger mal kontrollieren, wie genau ihre Geräte überhaupt arbeiten“, sagt Bürgermeister Wolfgang Faißt erfreut. Nicht selten treten bei den angegebenen Koordinaten nämlich große Differenzen auf. Bei der Übergabe des Satellitenkontrollpunktes waren neben dem Renninger Bürgermeister auch Landrat Roland Bernhard und Luz Berendt, Präsident des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung, am Ernst-Bauer-Platz, denn es ist erst der zweite sogenannte GNSS-Kontrollpunkt im gesamten Landkreis Böblingen. GNSS steht dabei für Global Navigation Satellite System und bündelt verschiedene, weltweit nutzbare Satellitenmesssysteme, mit deren Hilfe eine genaue Positionsbestimmung ermittelt werden kann.

Für ein neues europaweites Bezugssystem

Mit diesem Kontrollpunkt sind auch die Vermessungsarbeiten für ein neues Raumbezugssystem angeschlossen. Der Raumbezug ist die Verknüpfung von Fachdaten mit einer Position auf der Erdoberfläche. In ganz Deutschland erfolgt im Liegenschaftskataster die Umstellung von den gewohnten Gauß-Krüger-Koordinaten auf ein neues europaweites Bezugssystem. Damit endet die Zersplitterung der verschiedenen Bezugssysteme in Europa.

Die dafür nötigen Messungen im Kreis Böblingen wurden jetzt in Renningen abgeschlossen. „Für die Umstellung auf das neue Raumbezugssystem haben die Mitarbeiter im Amt für Vermessung und Flurneuordnung den ,Böblinger Weg‘ entwickelt“, erklärt Landrat Bernhard. „Wie in einem Spinnennetz wurden Vermessungspunkte im Kreis als Passpunkte neu ausgemessen.“ Anhand dieser Passpunkte können dann alle anderen Punkte in den 51 Gemarkungen im Kreis umgerechnet werden.

Während der Satellitenkontrollpunkt ab sofort zur Verfügung steht, wird die Umstellung auf das neue Koordinatensystem erst Ende kommenden Jahres starten. „Bis zur flächendeckenden Umstellung aller Daten in Baden Württemberg gelten die bisherigen Landeskoordinaten weiter“, erklärt Luz Berendt. „Die bisherige Vielzahl der Bezugssysteme in Europa ist angesichts des europäischen Zusammenwachsens aber nicht mehr zeitgemäß.“

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