Renningen Mal rechts vor links, mal Vorfahrtsstraße

Von Kathrin Klette
Hier in Renningen mündet die Keltenstraße in die Rutesheimer Straße. Bis vor Kurzem galt hier noch rechts vor links, inzwischen hat die Rutesheimer Straße jedoch Vorrang. Foto: factum/Granville

Renningen - Der Durchfahrverkehr soll raus aus dem Wohngebiet Hummelbaum. Um das zu erreichen, hat die Stadt die Vorfahrtsregelung an einigen Einmündungen zur Rutesheimer Straße und zur Leonberger Straße ändern lassen. Gestern wurden die letzten Schilder aufgestellt, die Änderung ist damit abgeschlossen. Zuvor hatte der Gemeinderat den Vorschlag der Verwaltung bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung befürwortet.

Bedenken wegen dieses Vorhabens äußerte Wolfgang Steudle (CDU). Unfälle seien bei einer solchen Vorfahrtsänderung in seinen Augen programmiert. Darüber hinaus gab es noch weitere Beschlüsse hinsichtlich der Wielandstraße, der Lindenstraße und der Alten Bahnhofstraße. Letztgenannte hat vor einiger Zeit eine Linksabbiegespur für den von der Bahnhofstraße kommenden Radverkehr bekommen.

Provoziert die neue Regelung Unfälle?

Bei der Rutesheimer Straße und bei der Leonberger Straße handelt es sich teilweise um 30er-Zonen, in diesen gilt grundsätzlich rechts vor links. Der Vorschlag der Verwaltung sah vor, den Beginn dieser Zone für beide Straßen ein Stück zu verschieben. Zwar gilt in den „neuen“ Bereichen auch weiterhin Tempo 30 – dank entsprechender Beschilderung. Aber anders als in einer 30er-Zone darf es in Gebieten mit einfachem Tempolimit auch Vorfahrtsstraßen geben.

Die Änderung bezieht sich speziell auf die Kreuzungen Rutesheimer Straße/Keltenstraße sowie Leonberger Straße/Voräckerstraße und Leonberger Straße/Stöckachstraße. Die drei Zufahrtswege zu den beiden Hauptstraßen wurden nach Erkenntnis der Verwaltung bisher gerne als Schleichwege genutzt. Das Ändern der Vorfahrtsregelung – die Fahrer auf der Leonberger und die auf der Rutesheimer Straße haben an den genannten Kreuzungen jetzt Vorrang vor den Seitenstraßen – soll diese Schleichwege unattraktiver machen, so der Gedanke. Dieser Plan bereitete vor allem Wolfgang Steudle Bauchschmerzen. „Ich habe damit ein Problem, weil auf der Rutesheimer Straße bislang immer rechts vor links galt“, sagte er. „Daran haben wir die Leute schon gewöhnt. Wenn das jetzt an ein paar Stellen aufgehoben wird, provoziert das nur Unfälle.“ Die Änderung kostet die Stadt rund 2500 Euro, 20 neue Verkehrsschilder wurden dafür benötigt.

Teil der Wielandstraße für Fahrzeuge gesperrt

Eine weitere Änderung steht in der Wielandstraße bevor. Zwischen den Einmündungen zur Mozart- und zur Lehenbühlstraße wird der Weg für den Kraftfahrzeugverkehr fortan komplett gesperrt und nur noch als Fuß- und Radweg dienen. Die Polizei, die bei solchen Themen immer beratend ins Boot geholt wird, befürwortete das Vorhaben, weil die Straße an der Stelle extrem eng sei und insgesamt verkehrstechnisch unbedeutend. Die Ratsmitglieder schlossen sich dem an. „Ich denke, das ist eine sinnvolle Lösung“, fand unter anderem Jochen Breutner-Menschick von den Grünen. Gegen das Projekt stimmten die Frauen für Renningen. Verwirklicht worden ist das Vorhaben jedoch noch nicht.

Zuletzt befassten sich die Gemeinderäte noch mit dem Vorschlag, die Kreuzungsbereiche Rutesheimer Straße/Lindenstraße und Bahnhofstraße/Lindenstraße/Jahnstraße rot einzufärben, um die Sicherheit gerade junger Radfahrer, die dort auf dem Schulweg unterwegs sind, zu erhöhen. Der Planungsausschuss hatte das Vorhaben mit knapper Mehrheit befürwortet. Die Polizei jedoch konnte sich mit dem Vorschlag nicht anfreunden. In einer Abhandlung des Verkehrssicherheitsrats heißt es unter anderem, dass „Pflasterwechsel und verschieden farbige Bereiche auf der Fahrbahn“ keine merkliche Wirkung haben. „Sie kosten Geld, mindern die Geschwindigkeit nicht und führen bei Materialwechsel zu Lärmbelästigungen.“ Der Gemeinderat folgte dieser Empfehlung und entschied sich gegen die Einfärbung.

Dass die Sache damit erledigt sein sollte, wollte Jochen Breutner-Menschick so aber nicht hinnehmen. „Nur weil uns eine Lösung nicht gut genug ist, machen wir jetzt gar nichts?“, warf er die Frage in den Raum. Die Verwaltung möchte sich mit dem Thema noch einmal befassen, kündigte der Bürgermeister Wolfgang Faißt an.

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