Renningen Die neue Stadtmitte wird zum „Ernst-Beton-Platz“

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Bei den Gardemädchen Foto: factum/Granville

Renningen - Pünktlich um 19.11 Uhr startet die Renninger Schlüsselgesellschaft mit großem Paukenschlag in den Karneval. Der Einmarsch aller Aktiven wird begleitet von 25 Guggenmusikern der Renninger Sotanos. Die haben gerade ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert und sich aus diesem Anlass ein neues Häs geleistet: Das Kostüm in schrillen Regenbogenfarben passt zur schrägen Guggenmusik mit Trompete, Saxofon und den riesigen transportablen Schlagzeugwagen.

Dann aber sind die Gardemädchen der RSG dran. Sie zeigen, was sie können und über das Jahr gelernt haben. Durch den Abend führt der Präsident der Renninger Schlüssler, Jürgen Heugel, mit seiner neuen Vizepräsidentin Melanie Bader. 65 Mädchen und ein Junge schwingen im Verein das Tanzbein, zeigen Spagat und Spafeur und tanzen gemeinsam in Reih und Glied.

Showtanz zum Karrierestart der Kleinsten

Bei den Kleinsten klappt der Gleichklang noch nicht immer, aber das macht den Charme ihres Auftritts aus. So zum Beispiel bei den Minispatzen ab fünf Jahren, die mit einem bunten Showtanz in ihre karnevalistische Tanzkarriere starten. Angeführt von Kermit dem Frosch stürmen zehn kleine Miss Piggys auf die Bühne: Alle ausgestattet mit rosafarbenem Tütü, auf dem Kopf ein Haarreif mit kleinen Schweinsöhrchen. Das Besondere in diesem Jahr ist, dass alle das erste Mal überhaupt vor Publikum stehen. Nur die Majorin der Truppe hat schon erste Tanzerfahrung: Leona Daucher tanzt seit einem Jahr bei der RSG. Einen riesen Applaus gibt es für die Minis, in der mit Eltern, Großeltern, Geschwisterkindern und Gastgesellschaften voll besetzten Stegwiesenhalle.

Dass die RSG keine Nachwuchssorgen hat, beweist auch das Jugendtanzpaar, Sarah Ruthardt und Felix Bernard, beide sind erst sieben Jahre alt. Sie zeigen sich stolz in ihrem neuen goldfarbenen Kostüm. Außerdem tanzen bei der RSG derzeit fünf Tanzmariechen als Solisten.

Einen gelungenen Auftritt legen die Gardespatzen, die Rittergarde und die Präsidentengarde aufs Parkett. Ihre Tänze sitzen. Den ganzen Sommer über haben sie sich im Training vorbereitet. Neben Marsch- und Showtanz stehen auch Gymnastik und Fitnesstraining auf dem Programm. Viele der Tänzerinnen sind schon lange Jahre bei der RSG dabei.

Und so werden an diesem Abend zahlreiche Mädchen mit den Garde-Orden des Landesverbandes Württembergischer Karnevalvereine (LWK) ausgezeichnet.

Zur Verleihung der Orden schlüpft RSG-Präsident Heugel einfach in das Outfit des Landesverbandes, denn er ist in Personalunion dessen Vizepräsident. Ausgezeichnet werden die Tänzerinnen zum Beispiel mit dem silbernen oder goldenen Garde-Orden für fünf und zehn Jahre Gardetanz.

Ein Hirsch für Roland Mück

Der höchste Orden, den der Landesverband für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Karneval vergeben kann, ist der „Hirsch am goldenen Vlies“. Er wurde in der Vereinsgeschichte erst elf Mal verliehen. Mit ihm wird kommende Woche Roland Mück, der RSG-Vizepräsident, im Neuen Schloss in Stuttgart ausgezeichnet. Seine Tochter Melanie Bader, langjährige Gardetänzerin und heute ebenso Vizepräsidentin, erhält den zweithöchsten Orden der Karnevalisten, den Großen Verdienstorden, auch „halber Hirsch“ genannt.

Alle anderen Aktiven des Vereins sowie Freunde und Gönner bekommen den Jahresorden, der immer unter einem anderen Motto steht. In diesem Jahr zeigt er die neue Mitte Renningens, den Ernst-Bauer-Platz, auf dem sich die Symbolfiguren der RSG tummeln: Ritter, Garden, Karnevalisten und Narren. „Denn“, so Heugel, „der Platz muss unbedingt belebt werden, er ist kahl und trostlos.“ Und Heugel droht an, dass der Platz beim Rathaussturm am 11. Februar großes Thema sein wird, wenn die Karnevalisten bis Aschermittwoch die Herrschaft im Rathaus übernehmen. Der Erste Beigeordnete Peter Müller thematisiert den Platz in seiner Bütt nicht. Er beleuchtet die Bürgermeisterwahl, die neue Mediathek, den fehlenden Lückenschluss und die Hesse-Bahn, alles Themen, bei denen die Renninger Verwaltung im Gegensatz zum Karneval nicht viel zu lachen habe.

Doch Präsident Heugel lässt den Renninger Beigeordneten nicht ohne ein Versprechen von der Bühne: Und so sagt Müller zu, den Ernst-Bauer-Platz umzubenennen in „Ernst-Beton-Platz“ – zumindest während des Karnevals.

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