Renningen Damit Menschen in Würde einkaufen können

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So ähnlich wie im Diakonieladen in Leonberg soll es bald auch in Renningen in der Merklinger Straße 15 aussehen. Foto: factum/Granville

Renningen - „Was zieh’ ich heute nur an?“ Während die einen sich diese Frage vor einem proppenvollen Kleiderschrank stellen, weil sie sich vor lauter Auswahl nicht entscheiden können, haben andere dieses Problem tatsächlich. Mal eben schnell in den Laden gehen und etwas Neues kaufen, wenn die alten Klamotten hinüber sind, ist für sie keine Normalität, sondern purer Luxus.

Abhilfe schaffen unter anderem gemeinnützige Second-Hand-Läden, in denen Bedürftige für ein kleines Entgelt bereits getragene Waren kaufen können. Dazu gehört das Geschäft des evangelischen Diakonieverbands in Leonberg. Der Arbeitskreis Asyl in Renningen möchte nun in „seiner“ Stadt ebenfalls einen solchen Laden aufbauen – unter der Trägerschaft der Diakonie. Einen Standort gibt es bereits, inzwischen haben sich auch einige Helfer dafür gefunden.

Das Interesse ist groß, als Simone Zwicker, die Bezirksgeschäftsführerin des evangelischen Diakonieverbands, sowie Gusti Breier und Elke Haamann vom AK Asyl ihre Pläne öffentlich vorstellen. An die 40 Interessierten sind gekommen, um sich anzuhören, was in dem Gebäude an der Merklinger Straße 15 in Malmsheim entstehen soll. Sie haben viele Fragen, einige möchten sich gerne einbringen. Die große Resonanz überrascht die Veranstalter – im positiven Sinne. Denn wie sie wissen, „steht und fällt ein solches Projekt mit den ehrenamtlichen Helfern“, sagt Zwicker.

Idee kommt vom AK Asyl

Die Idee zu einem Second-Hand-Laden für Renningen entstand im AK Asyl vor etwa einem Jahr aus der eigenen Arbeit heraus. Doch auf die Schnelle etwas für den direkten Bedarf zu organisieren, ist noch einmal etwas ganz anderes, als ein richtiges Ladengeschäft auf die Beine zu stellen, das war ihnen klar. Für so etwas braucht es einen Träger. Beim evangelischen Diakonieverband rannte die Initiative mit ihrer Idee offene Türen ein.

„Da wir schon einen solchen Laden in Leonberg haben, dachten wir, es wäre doch sinnvoll, das auch hier zu machen“, erklärt Simone Zwicker. Gemeinsam startete die Suche nach geeigneten Räumen. Fündig wurde die Gruppe in Malmsheim an der Merklinger Straße. „Die Größe ist schon sehr sportlich für einen ersten Versuch“, formuliert es Zwicker schmunzelnd. Mit circa 500 Quadratmetern sei die Ladenfläche klar zu groß für ihre Bedürfnisse. Doch der Vermieter sei ihnen entgegengekommen. „Und wir haben gesagt: Wir gehen das Risiko ein“, so Zwicker. „Schön wäre es natürlich, wenn wir am Ende mit einer schwarzen Null herauskommen.“

Der Plan für die Zukunft sieht folgendermaßen aus: Der Laden wird an vier Tagen in der Woche halbtags geöffnet. Angedacht sind Montag und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr sowie Mittwoch und Samstag von 9.30 bis 12.30 Uhr. In dieser Zeit werden sowohl Waren angenommen als auch verkauft. „Wir würden gerne auch zweimal abends öffnen und am Samstag, damit diejenigen, die trotz eines Berufs auf uns angewiesen sind oder Sachen vorbeibringen möchten, nach der Arbeit vorbeikommen können“, erklärt Simone Zwicker.

Warum verkaufen und nicht gleich spenden?

Annehmen und verkaufen wollen die Initiatoren gut erhaltene Kleidung, aber auch Hausrat, Spielsachen und Ähnliches. Möbel und Elektrogeräte fallen aus logistischen beziehungsweise versicherungstechnischen Gründen heraus. „In Leonberg hat es sich außerdem bewährt, dass jedes Stück seinen eigenen Preis bekommt“, so Zwicker. Manche Läden setzten einheitliche Preise für alles fest. „Aber die Leute, die zu uns kommen, können durchaus unterscheiden, was sie da vor sich haben.“

Warum überhaupt verkaufen und nicht gleich spenden?, fragt ein Gast aus dem Zuhörerraum. „Das Gefühl: ,Was nichts kostet, ist nichts wert,’ kommt so nicht auf“, erklärt Zwicker. „Das hat auch etwas mit Menschenwürde zu tun. Außerdem: Wenn ich etwas verschenke, was derjenige vielleicht gar nicht will, landet es am Ende vielleicht doch wieder im Gebüsch.“ Ganz wichtig ist den Initiatoren die Feststellung, dass dieser Laden, auch wenn er auf die Initiative des AK Asyl zurückgeht, nicht nur für Flüchtlinge offensteht. „Wir wollen keine soziale Schieflage entstehen lassen“, betont Zwicker. „Es gibt auch viele andere Menschen, die schon ihr Leben lang hier sind und bedürftig sind. Die wollen wir nicht vergessen.“

Wann genau es losgeht, ist noch offen. „Schön wäre es, wenn wir noch vor Weihnachten anfangen könnten“, sagt Zwicker. Das hänge aber von vielen Faktoren ab. „Wenn es also erst im neuen Jahr klappt, ist das auch nicht tragisch.“ Wer sich selbst in das Projekt einbringen möchte, kann sich bei Elke Haamann und Gusti Breier vom AK Asyl melden, und zwar per E-Mail an sachspenden567@web.de.

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