Reiseveranstalter Stefan Reck aus Rutesheim „Die Situation ist dramatisch“

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Stefan Reck betreibt ein Reisebüro in Rutesheim. Foto: Hans-Jörg Ernst

Rutesheim - Bundesweit demonstrieren am Mittwoch, 13. Mai, erneut Reiseveranstalter – auch in Stuttgart. Die Tourismusbranche wartet sehnlichst auf eine Entscheidung in Berlin. Denn dann tritt der Tourismusausschuss des Bundestags in einer Videokonferenz zusammen. Unter anderem steht die Lage der Tourismuswirtschaft wegen der Corona-Pandemie auf der Tagesordnung. Auch wird über die Arbeitsschritte für einen Rettungsfonds für die Reisewirtschaft sowie zum Sachstand der Neuregelung der Insolvenzabsicherung im Pauschalreiserecht berichtet.

Herr Reck, nehmen Sie auch an den Demonstrationen teil?

Zwischen 12 und 13 Uhr findet auf dem Stuttgarter Marktplatz eine Kundgebung „Rettet die Reisebüros“ statt, zu der die örtlichen Reiseveranstalter einladen. Bereits zum dritten Mal wollen wir öffentlich die Politik auf die katastrophale Lage in der Touristik aufmerksam machen.

Wie ist gegenwärtig die Lage in den Reisebüros und insbesondere bei Ihnen?

Bereits im Februar wurden bei uns die Asienreisen storniert. Aktuell werden praktisch alle Reisen storniert, was ein Ausfall von 100 Prozent ist. Dabei ist bei dieser Entwicklung kein Ende absehbar. Diese Reisen wurden schon im November gebucht, und die Gelder müssen alle zurückerstattet werden. Neubuchungen gibt es zur Zeit überhaupt nicht. Aber die Mieten, Gebühren für die verwendete Software sowie die Nebenkosten fallen dennoch an. Die Situation ist dramatisch. Reisebüros verdienen an der Vermittlung von Reisen, allerdings nur, wenn diese Reisen stattfinden. Wenn der Reiseveranstalter eine Tour für den Kunden kostenlos stornieren muss, verliert das Reisebüro seinen Anspruch auf Vergütung. So ein Modell kollabiert natürlich, wenn wie jetzt, alle Reisen auf einmal abgesagt werden.

Wer organisiert die Demonstration?

Es ist die Initiative „Rettet die Reisebüros“. Das sind engagierte Kolleginnen und Kollegen, die ihren Job mit Herzblut machen und in mehr als 40 Städten deutschlandweit bereits Demos veranstaltet haben. Für Stuttgart ist Lena Runft zuständig (Telefonnummer 07 11 / 51 65 55).

Was erhoffen Sie und Ihre Kollegen sich von der Demonstration?

Als erstes natürlich, dass auch die Reisebranche einen Rettungsschirm bekommt, wie viele andere Wirtschaftszweige. Uns wurde jede Geschäftsgrundlage auf unbestimmte Zeit entzogen. Und nicht zuletzt wollen wir eine breite Öffentlichkeit auf unsere Probleme und die katastrophale wirtschaftliche Lage der Tourismusveranstalter aufmerksam machen. Seit Wochen warten wir auf ein Signal aus Berlin oder Brüssel. Gibt es Gutscheine oder gibt es nun doch keine? Was ist mit dem Hilfsfonds, der seit Beginn der Krise als Rettungsvorschlag der Regierung vorliegt?

Gibt es Unterstützung vor Ort?

Möglichkeiten für die Geschäfte werden mit der Stadtverwaltung noch verhandelt.

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