Ratsstuben Weissach Nach einem Jahr: Die Ratsstuben sind verpachtet

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Thorsten Nufer verabschiedet sich aus dem Holzwichtele in Ditzingen. Foto: factum/Granville

Weissach - Etwa ein Jahr ist die gute Stube ­Weissachs, direkt zwischen Rathaus und Marktplatz gelegen, leer gestanden. Frank Metzger, im Juli 2016 aus Bruchsal an den Strudelbach gekommen, hatte ohne Begründung und Knall auf Fall die Vorhänge in den Ratsstuben zugezogen und ist aus Weissach wieder verschwunden. „Er konnte das Pachtverhältnis nicht fortführen“, sagt Daniel Töpfer dazu nur.

Aber das ist Schnee von gestern. Denn es gibt einen neuen Pächter, bestätigt Töpfer. Thorsten Nufer, bisheriger Wirt im „Zum Alten Holzwichtele“ in Ditzingen, übernimmt am 30. März. Und dass Töpfer das managt, liegt nicht daran, dass der Bürgermeister nicht auch für alle solch wichtigen wirtschaftlichen Belange der Gemeinde zuständig wäre. Die Ratsstuben gehören der „Wohnbau Weissach“ (WWG, vormals Kommbau), die wiederum im Besitz der Gemeinde ist. Und Töpfer der WWG-Aufsichtsratsvorsitzende. Ganz offiziell sagt er darum: „Ich freue mich, dass wir einen ­neuen Pächter gefunden haben.“

Mehr nach Wochenend-Datscha als Restaurant

Ganz schön schwierig sei die einjährige Suche gewesen, berichtet der Bürgermeister. Denn die Vorstellungen der WWG sind recht konkret: Gut bürgerlich soll es sein, schwäbisch, saisonal und gerne etwas gehoben. So viele Pächter gibt es nicht, die all das erfüllen. Thorsten Nufer ist deshalb ein Glücksfall für Weissach, davon kann sich jeder überzeugen, der ihn momentan noch in Ditzingen besucht. Weit nach draußen muss man dann fahren, zum Hundesportplatz. Von außen sieht die Holzhütte mehr nach Wochenend-Datscha aus, allenfalls einen Kiosk würde der Spaziergänger hier vermuten. Überrascht ist er darum beim Reingehen. Maultaschen stehen auf der Karte, Schnitzel und ein Zwiebelrostbraten „Deluxe“ vom Black Angus, derzeit aber auch bretonische Seeteufelmedaillons mit Kräuterrisotto und Gebratener Oktopus.

Nur neun Quadratmeter groß ist die ­Küche in der Hütte, Küchenchef Nufer werkelt dort mit zwei Köchen und zwei Küchenhilfen. „Wir waren auf der Suche nach etwas Neuem“, erzählt er. „Die Größe ist seit Langem nicht mehr ausreichend.“ Gleich­zeitig habe er aber auch nicht allzuweit weggewollt. „Das könnte zu mir passen“, habe er sich darum gedacht, als er die Ratsstuben in Weissach zum ersten Mal in Augenschein ­genommen hat.

Die Vorteile könnten auf beiden Seiten liegen. Thorsten Nufer bekommt eine schicke Location und Weissach einen erfahrenen Gastronomen mit inzwischen festem Gästestamm. Meist ausgebucht ist das Holzwichtele, das er im fünften Jahr betreibt. „Am Anfang war es schon schleppend“, erinnert sich der 29-Jährige. „Erst im dritten Jahr ist es so richtig angelaufen.“ Wo das denn sei, wo er jetzt hingehe, wollen auch die meisten Gäste wissen, die derzeit noch ein letztes Mal ins Ditzinger Dontental fahren.

In Weilimdorf hat Nufer sein Handwerk gelernt

Koch wollte Thorsten Nufer schon immer werden. In Weilimdorf hat er sein Handwerk gelernt, bei Jürgen Martens im Hasen, damals keine schlechte Adresse. Im Jahrestakt gingen die Stationen weiter, auch Sternerfahrung sammelte der Bad Cannstatter. In Alte Sonne Ludwigsburg ­(damals ein Stern) und im Schwanen in Köngen arbeitete er, bis zur Selbstständigkeit war Nufer Küchenchef bei seinem Bruder im Gasthaus Grünewald in Feuerbach.

Und jetzt Weissach. „Mein Konzept aus Ditzingen werde ich übernehmen“, kündigt er an. Ebenso seinen Mitarbeiterstamm. Potenzial sieht er in den Ratsstuben sowieso, sonst hätte er die Herausforderung nicht angenommen. Auch unter den vielen Porsche- und Bosch-Ingenieuren vermutet er ein paar Feinschmecker. „Ich werde das Beste geben“, sagt Thorsten Nufer.

Bisher sind die Ratsstuben nicht mit ­viel Unternehmerglück verbunden. 2006 hatte die gemeindeeigene Kommbau das Gebäude aufwendig saniert, der erste Pächter sprang noch vor der Eröffnung ab. Insolvenzen folgten, dazwischen jahre­lange ­Vakanzen. 2016 hatte der heutige Bürgermeister Daniel Töpfer dann per Gutachten feststellen lassen, dass die Kommbau für die Sanierung viel zu viel Geld ausgegeben hatte. Jetzt haben sich die Aufsichtsräte bei der Neubesetzung vermittelnde Hilfe bei einem Reutlinger Fachmann geholt.

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