Radweg zwischen Leonberg und Ditzingen Eine unendliche Geschichte

Von Nathalie Mainka
Noch müssen die Radler von Ditzingen kommend in Richtung Leonberg auf der Landesstraße 1137 fahren – der Radweg (rechts) ist noch nicht fertig. Foto: /Simon Granville

Leonberg - Er ist wohl in die Kategorie „eine unendliche Geschichte“ einzuordnen: der schon lang geplante begleitende Fuß- und Radweg zwischen Leonberg und Ditzingen – entlang der im Jahr 2020 zur Landesstraße 1137 zurückgestuften Bundesstraße 295. Über ihn wurde schon viel geredet, viel spekuliert, erzählt und geschrieben. Ein Happy End scheint aber noch lange nicht in Sicht. Radfahrer müssen vorerst weiterhin ihren Weg auf der stark befahrenen Landesstraße – ein gefährliches Terrain – suchen, wenn sie keine größeren Umwege in Kauf nehmen wollen.

Zuletzt war der Radweg Anfang Dezember 2021 Thema im Planungsausschuss, als sowohl die Freien Wähler als auch die FDP einen Antrag für den Haushalt einbrachten, den Bau des Radweges entlang der L 1137 doch endlich in Angriff zu nehmen. In der Stellungnahme der Stadt hieß es dann, die Verwaltung sei in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium (RP), das für die Planung des Radwegs verantwortlich sei. Bis Anfang 2022 läge ein Grunderwerbsplan vor, mit dem erneut auf die Grundstückseigentümer zugegangen werde.

Stillstand in Sachen Kommunikation

Hier allerdings intervenierte Jörg Langer von den Freien Wählern: „Es wurden keine Gespräche mit den Landwirten geführt, die Verwaltung sollte endlich in die Pötte kommen.“ Ein betroffener Landwirt, dem entlang der L 1137 ein kleineres Grundstück gehört, bestätigt auf Nachfrage, dass aktuell Stillstand in Sachen Kommunikation zwischen Verwaltung und den Grundstückseigentümern herrscht. „Ich würde ja verkaufen, aber mit mir spricht niemand.“

Nicht mehr gut auf dieses Thema zu sprechen ist allerdings Gero Wanner, der Sprecher der Leonberger Landwirte. Er hatte sich intensiv mit der Angelegenheit beschäftigt und im Sinne seiner Berufskollegen dafür plädiert, einem 2,5 Meter breiten Fuß- und Radweg noch einen Meter zuzuschlagen, damit er dann als so genannter Straßenbegleitweg auch als Zufahrt für die Grundstücke dienen kann. Doch mangels Aussicht auf eine baldige Lösung zog sich Wanner im vergangenen Sommer entnervt zurück. „Egal was sie machen, ich möchte, dass im Sinne aller Bürger das Projekt fertiggestellt wird. Das Problem ist doch, dass nichts passiert.“

Bernd Murschel, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, hatte im Planungsausschuss Anfang Dezember schließlich den ergänzenden Antrag gestellt, „dass die Verwaltung schnellstens auf die Landwirte zugehen möge und sich für die Verwirklichung des Radweges 2022 einsetzen solle“. Dieser Antrag ging mehrheitlich durch. „Und wenn der Weg nicht 3,5 Meter breit gestaltet werden kann, dann gibt es eben nur einen schmaleren, Hauptsache es passiert etwas.“

Unterschiedliche Aussagen von Stadt und Regierungspräsidium

Sebastian Küster, Pressesprecher der Stadt Leonberg, bestätigt nun, dass das Regierungspräsidium „derzeit den Ausbau des Radwegs plant. Die dazu notwendigen Grunderwerbspläne werden der Stadtverwaltung Leonberg noch im Januar vom Regierungspräsidium vorgelegt. Mit diesen werden dann Gespräche mit den Eigentümern der Flächen geführt, die für den Ausbau des Radwegs relevant sind.“ Bei einem positiven Verlauf der Gespräche plane die Stadtverwaltung Leonberg gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Stuttgart eine Umsetzung des Radwegs im Jahr 2022.

Nicht ganz so mutig, was den Zeitpunkt der geplanten Fertigstellung betrifft, klingt die Stellungnahme aus dem Regierungspräsidium. Da rechnet man noch mit etwas mehr Vorlaufzeit. „Ende letzten Jahres gab es ein Abstimmungsgespräch zwischen Regierungspräsidium Stuttgart und der Stadt Leonberg. Dabei wurde nochmals grundsätzlich über die Geh- und Radwegplanung gesprochen, da in diesem Bereich möglicherweise auch ein Teil der Radschnellwegtrasse zwischen Leonberg und Ditzingen verlaufen könnte, die sich aktuell in der Vorplanung befindet“, sagt Lisa Schlager von der RP-Pressestelle. Nach Abstimmung zwischen Stadt und RP sei das Baureferat nun federführend für die Geh- und Radwegplanung zuständig, die Stadt Leonberg für die Durchführung des dafür notwendigen Grunderwerbs.

Es geht um den Grunderwerb

Aktuell würden die Grunderwerbspläne für den Geh- und Radweg hergestellt, heißt es aus dem RP. „Sobald die Unterlagen vorliegen, werden diese der Stadt Leonberg zugestellt.“ Die Verwaltung werde dann die Gespräche mit den Grundstückseigentümern führen. „Die Übergabe der Unterlagen an die Stadt Leonberg ist derzeit für das Frühjahr 2022 vorgesehen. Die Ausführung ist unter Vorbehalt des möglichen Grunderwerbs und der Erlangung des Baurechts frühestens ab 2023 möglich.“

Warum dies nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt geschehen ist, bleibt wohl ein Geheimnis in dieser Geschichte. Nachdem das Stück der B 295 zwischen Ditzingen und der Abzweigung nach Gerlingen im Jahr 2018 und der Rest ab der Straße nach Gerlingen bis zur Ortseinfahrt Leonberg im Jahr 2019 auf Vordermann gebracht wurden, stand der Umstufung zur Landesstraße 1137 nichts mehr im Wege. Und mit der Fertigstellung der ehemaligen B 295 zwischen der Abzweigung nach Gerlingen und der Ortseinfahrt Leonberg hatten bereits viele die Hoffnung verbunden, dass auch gleich der begleitende Geh- und Radweg realisiert würde.

Bis heute ist nichts passiert

In Abstimmung mit der Naturschutzbehörde wurden im Februar 2020 die Bäume gefällt. Zudem vermeldete die Stadtverwaltung zu diesem Zeitpunkt, dass die Gespräche mit den Grundstückseigentümern erfolgreich gewesen seien und nun die Grundstücke erworben werden könnten. Auch die Ausführungsplanung wurde scheinbar überarbeitet, denn es müsse, so hieß es, eine Anpassung ans Höhenprofil stattfinden, weil der Radweg auch als Wirtschaftsweg genutzt werden solle. Während dieser Planung ermittelte das beauftragte Büro den exakten Trassenverlauf und berechnete die benötigte Baustoffmenge – damit im nächsten Schritt die Ausschreibung für die Vergabe des Bauauftrags erfolgen kann.

Bis heute ist nichts passiert. „Irgendjemand erzählt Käse“, kommentiert der Stadtrat Bernd Murschel die bisherigen Kapitel. Bleibt zu hoffen, dass die Auflösung dieses Rätsels möglichst bald erfolgt.

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