Radschnellweg zwischen Renningen und Leonberg Radfahrer haben viele Ideen

Von Brunhilde Arnold
Etwa 50 Radfahrer sind gekommen, um die möglichen Routen des Radschnellwegs abzufahren. Foto: Jürgen Bach

Schnell mit dem Fahrrad von A nach B kommen und eine Alternative für die Fahrt mit dem Auto haben, ist das Ziel der Radschnellverbindungen (RSV). Im Kreis Böblingen gibt es bereits den gut genutzten Radschnellweg von Böblingen nach Stuttgart-Vaihingen.

2019 gab der Landkreis eine Machbarkeitsstudie für die RSV Weil der Stadt-Renningen-Leonberg in Auftrag. Jetzt geht es um die beste Streckenführung, die möglichst wenig Konflikte mit dem motorisierten Verkehr, Fußgängern und Umwelt birgt – eine schwierige Aufgabe, wie sich jetzt vor Ort zeigte.

Die Wegvorschläge werden abgefahren

„Seit September 2021 planen wir intensiv“, erklärte Nicole Spiess vom Bereich Radverkehr beim Landratsamt. Nun seien Anregungen und Ideen aus der Bevölkerung gefragt. Alle Pläne seien noch vorläufig, betonte sie. Bereits im November 2021 nahmen zahlreiche Interessierte an einer Online-Präsentation zu einem möglichen Streckenverlauf teil. Auf die aktuelle Einladung, vorgeschlagene Wege-Varianten zwischen Silberberg und Malmsheim abzuradeln, fanden sich rund 50 Teilnehmende ein.

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Anregungen gab es denn vor Ort auch reichlich. So erwies sich die ursprüngliche Idee, im Silberberg die RSV über den Drosselweg und die Wasserbachstraße zu führen, wegen der dortigen Verkehrssituation als nicht geeignet. Stattdessen kam der Vorschlag, nördlich des dort verlaufenden Eisengriffbachs im Wiesenbereich einen Weg anzulegen. Alte Luftbilder zeigen, dass dort früher ein Weg vorhanden war. Gerhard Schneider vom Bürgerverein Silberberg sagte, dass man schon seit 35 Jahren versuche, einen guten Radweg nach Leonberg zu bekommen, aber von der Stadt werde der dazu nötige Grunderwerb nicht gemacht.

Nabu hat Einwände gegen Südstrecke

Weiter Richtung Renningen ging es auf einem unbefestigten Weg direkt an der S-Bahn. Hierzu meldete sich Inge Bücker zu Wort: „Wir vom Nabu sind gegen diese Strecke, etwa wegen der nötigen Versiegelung. Dann gibt es dort Wildkorridore und die Feldhecken als geschützte Biotope wären betroffen“, sagte sie. Um dort einen Radschnellweg anlegen zu können, müsste der Weg auf vier Meter Breite ausgebaut werden, erklärte Nicole Spiess.

Der Naturschutz sei ein gewichtiges Argument, das auf allen Wegen berücksichtigt werden müsse. Auch hierzu gab es von den mitradelnden Bürgern einen Alternativvorschlag, nämlich die Strecke nördlich der S-Bahn Richtung Silberberg auf einem vorhandenen Weg auszubauen. Damit würde auch die ursprünglich vorgesehene Fahrt durch das Wohngebiet entlang der Keltenstraße wegfallen.

Wie geht es über die Rutesheimer Straße?

Unklar ist noch, wie die relativ viel befahrene Rutesheimer Straße Richtung Bahnhof Renningen gequert werden kann. Ideen dazu gibt es schon. Der ursprüngliche Vorschlag, entlang der S-Bahn über das „Bahnhofsträßle“ direkt bis nach Malmsheim auf einem Radschnellweg weiterzufahren, birgt zu viele Konflikte mit Fußgängern.

Eine „innovative Idee“ sei es, hier eine Art Hochstraße für Radler zu bauen, wie es sie andernorts schon gebe, so Spiess. Die Hochstraße sei auf dem Plan zu niedrig eingezeichnet, merkte der Renninger Stadtbaumeister Hartmut Marx an, sie müsse mindestens 3,50 Meter hoch sein, damit Pflegefahrzeuge darunter fahren könnten.

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Zur Fahrt über das Bahnhofsträßle hatten die Planer eine Alternative ausgearbeitet: von der Industriestraße über den Radweg an der Nord-Süd-Straße bis zum Ampel geregelten Überweg, weiter am Bauhof vorbei bis zum Bahnhof nach Malmsheim. Jörg Stenner von der Ortsgruppe des ADFC meldete Kritik an. „Wir wehren uns vehement gegen eine Strecke, wo Radler an einer Kreuzung mit Ampel erst drücken müssen“, sagte er.

Auch dies hatte das Planungsbüro bedacht und einen Entwurf für eine Brücke vorgelegt, die eine überfahrt sowohl über die in die Nord-Süd-Rand-Straße mündende Gottfried-Bauer-Straße und dann über die Kreisstraße selbst vorsieht. Nicole Spiess war nach Ende der fast dreistündigen Tour zufrieden mit der hohen Beteiligung, den vielen Vorschlägen und der „sachlichen und differenzierten Kritik“. Sie stellte klar, dass es bis zur Realisierung eines Radschnellwegs noch ein weiter Weg ist. „Alles wird zwischen dem Landkreis und den Kommunen abgestimmt, und schließlich muss der Kreistag den Planungen zustimmen“, skizzierte sie den weiteren Weg.

Millionen Euro für 50 Radfahrer?

Ein Kreisrat zeigte sich schon einmal sehr angetan von den Vorplanungen: Martin Killinger, Erster Beigeordneter der Stadt Rutesheim und für die Freien Wähler im Kreistag, lobte die Veranstaltung und sagte, Radwege seien eine Angebotsplanung. Man könne mehr Menschen zum Radfahren bringen, „wenn es tolle Wege gibt“. Aber auch Skeptiker meldeten sich zu Wort. So fragte Rainer Pliefke aus Renningen, ob es angemessen sei, für „50 Radler abends und morgens Millionen auszugeben“.

So geht es weiter

Zweite Exkursion
Am 29. April, 15 Uhr, wird die öffentliche Bürgerexkursion per Fahrrad mit Vertretern des Landratsamtes fortgesetzt. Dann wird die Strecke zwischen Malmsheim-Bahnhof bis Weil der Stadt abgeradelt.

Infos
Weitere Informationen und Pläne zum Radschnellweg gibt es auf der Seite des Landratsamtes unter www.landkreis-boeblingen.de/radverkehr.

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