Radfahren in und um Renningen Rad und Auto auf eine Stufe stellen

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Aber die Radler finden auch lobende Worte – nicht nur für den breiten Schutzstreifen auf der innerörtlichen Bahnhofstraße, sondern etwa für die neue Abstellanlage im Norden des Renninger Bahnhofs, die gut angenommen werde. Etwas Ähnliches wünschen sie sich an der Calwer Straße beim S-Bahn-Haltepunkt in Malms-heim. Auf der Ostseite sind alle Boxen belegt, über weitere werde nachgedacht, so Hans-Joachim Jäckel in seinem Resümee zur Radverkehrsschau. Auch mit der Lösung an der sogenannten Lidl-Kreuzung im Zuge der Rutesheimer Straße sind die ADFCler zufrieden. Gut finden sie auch, dass jetzt an einigen Stellen Leihräder stehen. Auf die Frage, was ihn zu einem begeisterten Radfahrer werden ließ, hat Hans-Joachim Jäckel eine einleuchtende Antwort: „Mit dem Auto steht man bloß im Stau.“

Deswegen ist für ihn und viele seiner Mitstreiter vom ADFC das Rad das Fortbewegungsmittel der Wahl, das mit den Kraftfahrzeugen auf eine Stufe gestellt werden müsse. „Wir ‚kämpfen‘ nicht für irgendein Hobby, sondern für das gesellschaftlich enorm wichtige Thema einer wirtschaftlich, sozial und ökologisch tragfähigen Mobilität, zu der das Fahrrad einen entscheidenden Beitrag leisten kann“, sagt der 80-Jährige und fügt hinzu: „Wir tun das mit Augenmaß und Sachwissen, wie sich mehrfach gezeigt hat.“

Eine Lobby für Radfahrer

Jäckel und Braun präsentieren einen Auszug aus dem Verkehrsentwicklungsplan von 2015. Darin heißt es, „dass der Radverkehr in Renningen trotz einer lobenswerten Beschilderung im Vergleich zwischen 1982 und 2013/14 abgenommen hat.“ Gemessen in der Zeit zwischen 15 und 19 Uhr seien auf der Bahnhofstraße in Renningen rund 67 Prozent weniger Radler unterwegs gewesen, auf der Calwer Straße in Malmsheim 63 Prozent weniger. Im Verkehrsentwicklungsplan wird dazu folgender Zusammenhang hergestellt: „Wahrscheinlich ist diese Tatsache darauf zurückzuführen, dass im gleichen Zeitraum die Motorisierung von 436 Autos pro 1000 Einwohner auf 651 Autos pro 1000 Einwohner mit einem Faktor von 1.49 zugenommen hat.“

Rund 150 Mitglieder hat die ADFC-Ortsgruppe Renningen. Den Vorwurf, eine Lobby zu sein, kann der 83-jährige Radverkehrsbeauftragte Lothar Braun durchaus annehmen. „Es stimmt ja auch – aber wir machen das im Interesse der Allgemeinheit.“ Radler würden oft nicht ernst genommen und gälten teilweise als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Für Hans-Joachim Jäckel, der in Berlin aufgewachsen ist, war Radeln immer schon das einfachste Fortbewegungsmittel. Die letzten zehn Jahre seines Berufslebens sei er stets per Rad von Magstadt nach Böblingen gependelt, er war monatelang in Neuseeland und Malaysia per Drahtesel unterwegs. „Das letzte Abenteuer heute auf der Welt ist Radeln“, sagt er augenzwinkernd.

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