Prozess vor dem Landgericht Bande klaut luxuriöse Autos

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Zwei teure BMW wurden in Leonberg und Rutesheim gestohlen. Foto: dpa

Leonberg - Die Besitzer zweier BMWs in Leonberg und Rutesheim haben nicht schlecht gestaunt, als ihre Fahrzeuge im Wert von 60 000 beziehungsweise 120 000 Euro an einem Junimorgen im Jahr 2017 nicht mehr an ihren angestammten Plätzen standen. Wie sich im Laufe der polizeilichen Ermittlungen herausstellte, waren die dreisten Diebstähle das Werk einer litauischen Bande, die die Luxusfahrzeuge über Tschechien und Polen nach Litauen brachte. Teil dieser Bande soll auch ein 28-jähriger Mann sein, der sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Stuttgart wegen Beihilfe zu gemeinschaftlichem schweren Bandendiebstahl verantworten muss.

Sieben Diebstähle im Großraum Stuttgart

Der Mann in dem grauen Kapuzenpulli mit dem Vollbart auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts soll laut Anklage eher ein kleines Licht in einer allerdings hochprofessionell organisierten Bande gewesen sein. Diese Gruppierung soll sich laut Staatsanwaltschaft wohl Anfang 2017 zusammengefunden haben und für sieben Diebstähle hochwertiger Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 460 000 Euro im Großraum Stuttgart beziehungsweise Frankfurt zwischen April und Juni 2017 verantwortlich sein. Im April wurden ein BMW und vier Mercedes in Bensheim, Wetzlar und Sandhausen geklaut, im Juni die beiden BMW in Leonberg und Rutesheim.

Keyless-Go-System gehackt

Sämtliche Fahrzeuge waren mit dem so genannten Keyless-Go-System ausgestattet. Laut Anklage waren die Diebe in Zweier-Teams mit Funkabhörtechnik unterwegs und verlängerten die Signale der Autoschlüssel, die meist in der Nähe der Wohnungstür aufbewahrt wurden, mit einem Scanner zu einem zweiten Scanner in der Nähe des Autos, das sich dann problemlos öffnen ließ.

In den Fahrzeugen hätten die Diebe anschließend die Navigationstechnik zerstört und seien dann in ein Waldstück nach Niederbayern gefahren, wo ein anderer Fahrer die Autos nach Tschechien oder Polen gebracht habe. Gelandet seien sie schließlich in Litauen, wo ein Hintermann Strukturen aufgebaut habe, über die die Fahrzeuge abgesetzt wurden. Beim Diebstahl des Autos aus Rutesheim konnten die Täter in Bayern festgenommen werden.

Autos landen in Litauen

Dem 28-Jährigen wirft die Anklage vor, er habe der Bande einen Kurierfahrer vermittelt, der bei fünf Diebstählen dabei gewesen sein soll. Das räumt der Angeklagte über seinen Verteidiger unumwunden ein. „Er kannte den Mann, der die Kurierfahrer rekrutiert hat, und hat einen dieser Fahrer zu ihm nach Hause gebracht“, erklärte der Verteidiger des Angeklagten.

Diesen Fahrer kannte er aus dem Gefängnis im litauischen Kaunas, wo beide eine mehrjährige Haftstrafe abgesessen hätten. „Er wusste, dass er einen zuverlässigen Mann für krumme Touren vermittelt hat“, führte der Anwalt weiter aus. Mit den Diebstählen selbst habe der 28-Jährige nichts zu tun. „Da ist er außen vor.“

Angeklagter in Norwegen festgenommen

Nach Ansicht der Richter war der Angeklagte allerdings früher als Kurier für die Bande tätig. Sie zitierten Urteile von Gerichten aus Münster und Brandenburg, in denen zwei andere Bandenmitglieder erklärten, der Angeklagte sei bei Diebstählen in Brandenburg und Niedersachsen in den Jahren 2010 und 2011 dabei gewesen. Auch dies räumte der Angeklagte ein, er habe jedoch für die Vermittlung des Fahrers kein Geld erhalten.

Der 28-Jährige hatte in Litauen das Abitur nicht geschafft und dann als Hilfsarbeiter auf Baustellen in Irland, England, Litauen, Schweden und Norwegen gearbeitet. In Norwegen wurde er im November 2018 festgenommen, seit Ende Februar dieses Jahres sitzt er in Stammheim in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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