Prozess am Landgericht Stuttgart Vorwurf: Bande stiehlt 4000 Luxus-Felgen

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Das Urteil vor dem Stuttgarter Landgericht soll Ende Februar fallen. Foto: dpa

Leonberg - Es sind schillernde Persönlichkeiten, die auf den Stühlen des Landgerichts sitzen. Die drei Männer aus dem Großraum Köln, die von fünf Kölner Anwälten vertreten werden, müssen sich wegen schweren und gewerbsmäßigen Bandendiebstahls verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den 43- bis 50- Jährigen vor, im September und Oktober 2014 knapp 4000 Felgen aus einer Halle in Böblingen-Hulb gestohlen zu haben, die eine Leonberger Firma für Oberflächenveredelung dort gelagert hatte.

Möglich sei der Diebstahl gewesen, da der 50-jährige Angeklagte von der Leonberger Firma beziehungsweise deren Mutterfirma im nordrhein-westfälischen Meinerzhagen als Detektiv eingeschleust gewesen sei, um dem Schwund von Felgen im Lager auf die Spur zu kommen. Der 50-Jährige soll dann dem ihm bekannten mitangeklagten 43-Jährigen davon erzählt haben. Zusammen mit dem dritten 49 Jahre alten Angeklagten hätte die Bande das Firmengelände ausgekundschaftet und dann wenige Wochen später begonnen, die Felgen zu entwenden.

Der Handelswert liegt bei knapp sechs Millionen Euro

Der 50-Jährige habe dazu vor die Überwachungskamera Paletten mit Felgen gestellt, sodass diese die Taten nicht aufzeichnen konnte. Der 43-Jährige, der laut Anklage als Kopf der Bande fungiert habe, soll die Transporter und Fahrer besorgt haben, die die Felgen dann in ein Lager nach Euskirchen gebracht haben sollen. Die Felgen, die in der Leonberger Firma veredelt wurden, waren für Luxus-Fahrzeuge hergestellt und hatten jeweils einen Wert zwischen 750 bis 4500 Euro. Insgesamt sind zehn Diebstähle angeklagt, dabei sollen knapp 4000 Felgen abhandengekommen sein. Den Verkehrswert beziffert die Anklage mit rund 750 000 Euro, den Handelswert sogar mit knapp sechs Millionen Euro. Aufgeflogen war die Sache, weil der 50-Jährige nach rund zwei Wochen nicht mehr mitmachen wollte und die Kameras nicht mehr abdeckte.

Zum Prozessbeginn räumte der 50-Jährige die Taten ein. Er berichtete, er sei elf Jahre bei der Polizei, fünf davon bei einem Sondereinsatzkommando gewesen, bevor er wegen eines „zerstörten Vertrauensverhältnisses“ suspendiert worden sei. Danach habe er als Detektiv und im Personenschutz gearbeitet, unter anderem auf Schiffen im Indischen Ozean. In die Leonberger Firma sei er im Juli 2014 als Praktikant eingeschleust worden, um Fehlbestände von Felgen in Lagern aufzudecken. Davon habe er dem 43-jährigen Mitangeklagten erzählt, mit dem er gut bekannt gewesen sei. Dieser habe ihn dann gefragt, ob man da „was mitnehmen“ könne. „Als ich ihm sagte, das sei relativ leicht möglich, hatte er Blut geleckt“, führte der 50-Jährige aus.

Der Ex-Polizist wollte sein Geld zurück

Er habe sich dann auf die Diebstähle eingelassen, da er dem 43-Jährigen 50 000 Euro geliehen hatte, die dieser ihm nicht zurückzahlte. „Ich dachte, wenn wir circa 500 Felgen mitgehen lassen, lässt sich so viel verdienen, dass ich auch mein Geld zurückbekomme“, erklärte der ehemalige Polizist. Der 49-jährige Mitangeklagte sei ihm unter einem falschen Namen als Organisator vor Ort vorgestellt worden.

Der Ex-Polizist belastete den 43-Jährigen schwer. Dieser habe mit den Diebstählen nicht aufhören wollen und habe sogar geplant, alle dort gelagerten 100 000 Felgen mitgehen zu lassen. Tatsächlich kam der Fehlbestand erst Ende 2014 bei einer Inventur ans Licht. Für den Fall, dass der Felgenklau bemerkt worden wäre, hätte man dies als Test-Diebstahl deklarieren wollen, um auf die Sicherheitslücken im Lager aufmerksam zu machen.

Der 50-Jährige erklärte, seit seiner Aussage bei der Polizei im April 2015 warte er auf den Beginn des Prozesses. Dieser wird am 24. Januar fortgesetzt, das Urteil soll am 22. Februar gesprochen werden.

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