Prozess am Landgericht Stuttgart Renninger muss in die Psychiatrie

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Die Staatsanwältin Sarah Geiger bezeichnete den Angeklagten als „tickende Zeitbombe“. Foto: Pixabay

Renningen - Ein 50-jähriger Renninger, der seit einigen Monaten im Zentrum für Psychiatrie Weissenau in Ravensburg vorläufig untergebracht war, muss dort noch für einige Zeit bleiben. Das hat das Landgericht Stuttgart nach drei Verhandlungstagen entschieden. Der 50-Jährige stelle wegen seiner wahnhaften Störung eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Von ihm seien weitere Straftaten zu erwarten, urteilten die Richter. Angeklagt war der Renninger wegen gefährlicher Körperverletzung. Da er bei der Tat im Juli vergangenen Jahres aber zumindest vermindert schuldfähig war, konnte er deswegen nicht verurteilt werden.

„Der Angeklagte ist kein schlechter Mensch, er ist nur schwer krank – und das seit wohl fast 20 Jahren“, erklärte die Vorsitzende Richterin Jasmin Neher-Klein zu Beginn ihrer Urteilsbegründung. Er fühle sich vom „System Bundesrepublik Deutschland GmbH“ verfolgt und schikaniert und zeige dabei querulatorische Züge. Er habe jedoch aufgrund seiner wahnhaften Störung keine Zweifel, dass seine Haltung falsch sein könne. Der psychiatrische Gutachter Hermann Ebel hatte bei dem 50-Jährigen im Prozess eine schizophrene Psychose vermutet.

Plötzlich schlägt der Mann zu

Im Juli 2020 wurde ein 65-Jähriger Opfer des Angeklagten. Dieser geriet zunächst in Streit mit dem 65-Jährigen – und das nur, weil der Mann in seiner Werkstatt in Renningen tätig war. „Auf diesem Anwesen hatten die Eltern des Angeklagten früher eine Ziegelhütte, und der Angeklagte glaubt bis heute, dass es noch immer sein Anwesen ist, obwohl es durch seinen Betreuer verkauft wurde“, erläuterte die Richterin. Solche wahnhaften Vorstellungen seien Teil seines Lebens geworden.

Als der 65-Jährige sich abwandte, schlug der Angeklagte ihm mit einem 65 Zentimeter langen, 13-kantigen Holzstock von hinten gegen die Schläfe. Der Mann ging in die Knie und kam zwar kurz darauf wieder auf die Beine. Die Folgen des Schlags waren jedoch verheerend: Der 65-Jährige erlitt nicht nur Prellungen an Schädel und Kiefer, sondern auch ein Hämatom, das immer wieder auf sein Gehirn drückte und plötzliche Ohnmachtsanfälle auslöste. Er musste am Schädel operiert werden, lag mehrere Wochen im Krankenhaus und konnte in der Folge mehrere Monate lang nicht Auto fahren. „Ohne ärztliche Hilfe hätte der Mann sterben können“, stellte die Richterin klar.

Da der Renninger eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle und weitere, noch schwerere Taten zu erwarten seien, hielt das Gericht eine Unterbringung in der Psychiatrie für unumgänglich. Der 50-Jährige sei bereits mehrfach vorbestraft, der Angriff sei weniger als drei Monate nach seiner letzten Haftentlassung passiert. Die Taten des Angeklagten seien keine Beziehungstaten, sondern hätten zufällige Opfer wie einen Notar, Polizisten, Mitarbeiter der Stadt Renningen und sogar Menschen beim Einkaufen betroffen.

Mit dem Urteil entsprachen die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Staatsanwältin Sarah Geiger hatte den 50-Jährigen in ihrem Schlussplädoyer als eine „tickende Zeitbombe“ bezeichnet.

Die Verteidigung des 50-Jährigen hatte beantragt, die Unterbringung des Renningers zur Bewährung auszusetzen. Möglich sei auch eine ambulante Therapie mit flankierenden Maßnahmen wie Arbeitsauflagen und Annäherungsverboten. Der Anwalt hielt eine Unterbringung für nicht verhältnismäßig.

„Wir wollen Sie nicht wegsperren“

„Mit dem Urteil geht es uns nicht darum, Sie wegzusperren, sondern Sie einer Therapie zu unterziehen, damit Sie sich bald wieder besser fühlen und irgendwann wieder entlassen werden können“, warb die Vorsitzende Richterin um Verständnis beim Angeklagten. Er sei auf einem guten Weg, die Medikamente hätten ihn bereits ruhiger gemacht. „Aber eine Krankheit, unter der man seit 20 Jahren leidet, geht nicht von heute auf morgen vorbei“, erklärte Neher-Klein.

Der Renninger, der in seinem letzten Wort erneut betont hatte, dass er weder Reichsbürger noch Neonazi sei, scheint seine politische Haltung zumindest zu überdenken. „Von Vertretern des Deutschen Reiches habe ich in den 18 Wochen, in denen ich in der Weissenau bin, nichts gehört. So langsam habe ich Zweifel, ob es noch existiert“, sagte er.

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