Porsche in Weissach Die Vision vom Sieg in Le Mans beflügelt

Von Elisa Wedekind und Rafael Binkowski
Ein Modell für einen neuen Rennwagen wird designt. Foto: Porsche AG

Weissach - I m Weissacher Entwicklungszentrum gelten sie als „die Flachter“. Das Motorsportzentrum ist der Kristallisationspunkt vieler Wünsche und Sehnsüchte. In Kürze will man einen neuen Rennwagen für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans präsentieren – dieses große Ziel schweißt alle zusammen, vom Techniker bis zum Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz. Teil zwei unseres Rundgangs.

Der Mythos Hier lebt die Legende noch. Auch das Rennauto-Gebäude ist zweckmäßig, wie alles bei Porsche, aber mit einem edlen Design. Dunkelgraue Wände, eine große Glasfront, zahlreiche Trophäen im Schrank. Der Siegesjubel vergangener Erfolge scheint noch in den Fluren zu klingen. Die Erinnerung an Rennautos wie dem 356er Coupé und andere Boliden, die in Le Mans gewonnen haben – wie erstmals Hans Herrmann und Richard Attwood 1970 mit einem 917 Kurzheck.

Bis heute hat Porsche insgesamt 16 Gesamtsiege errungen. Christoph Michalik hat diesen Mythos verinnerlicht. Der smarte Assistent des Motorsportchefs von Porsche kann Baureihen, Jahreszahlen und Pokale auswendig herunterrattern.

Die Flachter Eines stellt Michalik gleich am Anfang klar. „Wir sind hier in Flacht“, sagt er. Tatsächlich wird in dem sieben Hektar großen Entwicklungszentrum regional differenziert, und da das Motorsportgebäude nun mal auf Flachter Gemarkung liegt, nennen sich die gut 200 Mitarbeiter hier eben „die Flachter“. Weil es im Laufe der Jahre in der Kantine im Weissacher Verwaltungsgebäude schlicht zu eng wurde, haben die Flachter seit einigen Jahren auch eine eigene Mensa. Unmittelbar direkt neben der Teststrecke. Da vibriert die Kaffeetasse, wenn ein RSR mit sattem Sound vorbei düst.

Ins Motorsportzentrum kommen auch Kunden, die sich GT-Sportwagen in der Straßenvariante zulegen wollen. Schon die Geschichte, wie Weissach zum Motorsport kam, ist legendär. Der bekannte Weissacher Rennfahrer Herbert Linge ist eng mit Porsche verbunden. 1943 war er einer der ersten Lehrlinge des Sportwagenherstellers, in den 50er-Jahren begann er seine Karriere als Rennfahrer. Als Ferdinand Porsche in Zuffenhausen keine Flächen mehr für Rennsport hatte, soll Herbert Linge gesagt haben: „Mensch, in meinem Heimatdorf gibt es jede Menge Platz.“

Und so wurden Anfang der 60er-Jahre in „Flacht“ Baracken aufgestellt. „Das waren wirklich Holzhütten“, erzählt Christoph Michalik. Zu Beginn des neuen Jahrtausends kam dann der frühere Vorstandschef Wendelin Wiedeking persönlich und hat sie mit einem Bagger eingerissen – und das neue, schmucke Gebäude errichtet.

Es schmiegt sich nahtlos an die Werkstatthallen an, die mit hohen Balkendächern verbunden sind. Schon die Zahlen sind beeindruckend: 35 000 unterschiedliche Teile werden hier gelagert. 12 000 Quadratmeter Nutzfläche steht dem Motorsport hier zur Verfügung.

Eine endlose Front von ausnahmslos weißen GT-Rennwagen reiht sich aneinander. Der letzte in der Reihe beginnt zu röhren, das sonore Gedröhne erfüllt den gesamten Innenhof. Riesige Lastwagen stehen im Hof nebeneinander. Sie transportieren die teuren Schätzchen an die internationalen Rennorte.

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