Polizei will mehr Effizienz Hemmingen verliert den Polizeiposten

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Die beiden Polizeibeamten Rochus Frohndorf und Michael Szabo (rechts) sollen künftig von Schwieberdingen aus für Hemmingen zuständig sein. Foto: factum/Simon Granville

Hemmingen - Michael Szabo und Rochus Frohndorf haben die Kartons noch nicht gepackt. Ihre Schreibtische stehen noch und der Streifenwagen hat noch seinen Platz in der Garage beim Alten Rathaus. Die beiden Beamten des Polizeipostens Hemmingen sollen vom nächsten Jahr an im Polizeiposten im benachbarten Schwieberdingen Dienst tun. Dessen Polizisten sind dann insgesamt auch für Hemmingen zuständig.

Das Polizeipräsidium in Ludwigsburg will mit diesem Schritt die Auflösung beziehungsweise Fusion von kleinen und kleinsten Dienststellen fortsetzen, um zu effizienten Einheiten mit mehr Beamten zu kommen. Der Polizeipräsident Burkhard Metzger stieß mit diesen Informationen im Gemeinderat zwar auf Verständnis, aber nicht auf Begeisterung.

Der Polizeiposten nutzt im Alten Rathaus drei Räume im ersten Stock, einer davon dient gleichzeitig als Teeküche und Umkleideraum. In den beiden anderen stehen die Schreibtische und Aktenablagen der Beamten. Duschen oder einen Umkleideraum gibt es nicht. Das Haus ist nicht barrierefrei, ins Obergeschoss gibt es nur eine Treppe. Die Räume entsprächen nicht mehr heutigen Standards, so der Polizeipräsident. Das betreffe auch die Sicherheit. So gebe es keine Schleuse.

Häufigere Besetzung am Abend

Auch aus diesen Gründen will das Polizeipräsidium Ludwigsburg den Zwei-Mann-Posten in Hemmingen mit dem vorhandenen Posten in Schwieberdingen zusammenlegen. Dieser hat vier Stellen. Zwei Arbeitsplätze seien dort problemlos zu integrieren, so Metzger. Die Polizei könne in Hemmingen präsent bleiben, Schwieberdingen sei nur vier Kilometer entfernt, zudem gebe es in beiden Orten keine größeren Brennpunkte. Mit mehr Personal könne die Dienststelle in Schwieberdingen auch häufiger am Abend besetzt sein. Das sei bisher, vor allem in Hemmingen, nur eingeschränkt möglich gewesen. Zudem sei bei nur zwei Mann Besatzung im Jahresdurchschnitt sechs Monate lang ein Beamter allein. Aus der Sicht der Bevölkerung seien die vier Kilometer Entfernung zumutbar, so Metzger.

Es werde schon lange über eine Schließung des Hemminger Polizeipostens geredet, meinte Wolfgang Stehmer (SPD), „aber die Nähe geht verloren“. Die Polizei müsse es leisten, nahe bei der Bevölkerung zu sein. „Es ist zwar schade“, resümierte Wolfgang Gerlach (Freie Wähler), „aber wir müssen das akzeptieren. Es ist wichtig, dass man die Polizei im Ort sieht.“ Auch der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) zeigte sich nicht begeistert. „Wir haben immer für den Posten gekämpft“, sagte er, akzeptiere aber letztlich die Entscheidung der Polizeiführung.

Ein Ensemble muss neu beplant werden

Was geschieht mit dem Alten Rathaus, wenn die Polizei den ersten Stock verlassen hat? Diese Frage steht jetzt im Raum, sie wurde aber im Gemeinderat noch nicht diskutiert. „Wir müssen uns Gedanken machen, was mit dem Gebäude zu tun ist“, hatte Schäfer gesagt. Zu bedenken sei, dass das Haus unter Denkmalschutz stehe. Zudem müsse man es im Zusammenhang mit dem benachbarten Gebäude Hauptstraße 4 sehen. Es steht seit Jahren leer. Auch die moderne Bibliothek gegenüber und der Alte Schulplatz jenseits der Pfarrgasse spielen im Gesamtensemble noch eine Rolle. Ihm schwebe vor, so Schäfer nach der Sitzung gegenüber unserer Zeitung, im nächsten Jahr eine „große Lösung“ auszuarbeiten und diese 2022 umzusetzen. Das Rote Kreuz nutze noch Räume im Erdgeschoss, im Dachgeschoss befinde sich ein Notenlager. Auch das müsse berücksichtigt werden.

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