Politisches Frühstück am ASG Nahverkehr beim Marmeladenbrötchen

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Alexander Stahl (2. von rechts) diskutiert mit den ASG-Schülern über Europa, Flüchtlinge, aber auch Drogenpolitik. Foto: factum/Granville

Leonberg - Mann, nimm nicht so viel!“ rügt eine Schülerin, als sich ihr Sitznachbar dick die Nusscreme aufs Brötchen streicht. Der lacht nur. Und nach einem herzhaften Biss in selbiges legt er los: „Wie sind Sie eigentlich zur FDP gekommen?“ Die Frage richtet sich an Alexander Stahl. Er ist der Direktkandidat der Liberalen im Wahlkreis Böblingen für die Europawahl im Mai und einer von fünf Politikern, die die Abiturienten des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Leonberg zu ihrem politischen Frühstück eingeladen haben. Einzig die AfD hat nicht reagiert. Bei Kaffee und Marmeladenbrötchen fühlen sie den Politikern in kleinen Gruppen auf den Zahn, später gibt es eine Podiumsdiskussion mit allen Teilnehmern.

Datenschutz und Drogenhilfe

Obwohl Stahl erst 22 Jahre alt ist und damit nur vier Lenze mehr zählt als die Schüler, sticht er am Frühstückstisch heraus. Er hat sich einen Schnauzbart wachsen lassen und trägt einen blauen Anzug. „Ich bin für eine liberale Gesellschaft, in der jeder selbst entscheiden kann, wie er sein Leben gestaltet“, beantwortet er die Frage. Er mag an seiner Partei aber auch die wirtschaftliche Freiheit. Viel wird er in den kommenden anderthalb Stunden nicht essen. Zu viele Fragen stellen die Schüler. Er erzählt von seinem abgebrochenen Studium – „das war einfach zu technisch“ –, seinem neuen Studienfach Wirtschaftsinformatik und digitale Medien. Und davon, dass er sich gut vorstellen könnte, einmal Datenschutzbeauftragter zu werden. Er engagiere sich auch bei der Drogenhilfe, und prompt entspinnt sich eine Diskussion zum Thema, in der auch die Schüler ihre Meinung einbringen.

Grünes Kleid und grüne Themen

Nach gut 25 Minuten steht der erste Wechsel an. Sabine Kober flattert in den Raum und fragt: „Muss ich das jetzt alles noch einmal erzählen?“ Sie lacht. Eine Schülerin beugt sich zu ihrer Nachbarin. „Ist das die von den Grünen?“ Die Nachbarin antwortet: „Du meinst wegen des grünen Kleides?“ Tatsächlich, Kober sitzt für die Grünen im Sindelfinger Gemeinderat und im Regionalparlament. Sie berichtet, dass sie sich bereits in der Schülermitverwaltung und später an der Uni im Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) engagiert habe. Passend zur Partei geht es fortan viel um Umweltthemen.

Zimmerwechsel: Sabine Kurtz sitzt an der Ecke des Frühstückstisches. Da hat sie alle Schüler im Blick. Ein wenig wie in ihrer Funktion als Landtagsvizepräsidentin. „Da sitzt man ja ein bisschen höher. Man schaut, dass alles den rechten Gang geht. Wenn da einer Schimpfworte benutzt, dann muss man auch mal sagen, dass es so nicht geht“, sagt die CDU-Abgeordnete. Sie habe ursprünglich Journalistin werden wollen, das Interesse für Politik sei schon früh da gewesen. „In eurem Alter hätte ich mich aber wohl noch nicht für eine Partei entscheiden können“, erzählt die Leonbergerin, die bereits zum sechsten Mal am politischen Frühstück teilnimmt.

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