Pforzheim/Wimsheim Was genau macht eigentlich Hafner?

Von Elisa Wedekind
In einem Induktionsofen wird das angelieferte Scheidegold geschmolzen. Foto: Hafner

Pforzheim/Wimsheim - Der Streit um die Hafner-Ansiedlung geht in die nächste und übernächste Runde. Kaum ein Thema hat das kleine Enzkreisörtchen so polarisiert wie die Pforzheimer Goldscheideanstalt. Doch was macht Hafner eigentlich genau? Wir haben uns die Recyclinganlage in der Esslinger Straße in Pforzheim einmal genau angeschaut. Während des Termins findet der Hafner-Geschäftsführer Philipp Reisert ein weiteres Mal deutliche Worte zu der heftigen Diskussion in Wimsheim.

Ortstermin in der Edelmetall-Recyclinganlage der Firma C. Hafner. Von außen wirkt das Gebäude unspektakulär, die Schornsteine sind schmale Metallrohre. In der „Scheiderei“ sind 19 Mitarbeiter beschäftigt. Einer von ihnen ist Udo Demant. Der Chemiker leitet die moderne Anlage. Er arbeitet seit vielen Jahren in dem Pforzheimer Traditionsunternehmen.

Dass Hafner unter die Störfallverordnung fällt, was die Hafner-Gegner in Wimsheim oft als Argument anführen, macht Udo Demant keine Angst. Er vertraut auf die Warnsysteme und Sicherheitsvorkehrungen der Anlage. Die Feuerwehr komme höchstens dreimal im Jahr vorbei. Und: „Zum Löschen musste sie noch nie anrücken“, betont er.

Der riesige Ofen läuft auf Hochtouren. Hier werden die sogenannten „Gekrätze“ thermisch behandelt. Dabei handelt es sich Reste von Edelmetall, die zum Beispiel anfallen, wenn ein Juwelier oder Schmuckhersteller Material übrig hat. Also Splitter oder Reste von Schablonen. Dieses Gekrätze wird verbrannt. „Das dauert neun Stunden“, erzählt Udo Demant. Anschließend wird die Asche gemahlen und gemischt. Dann wird eine Probe entnommen, um die Reinheit zuprüfen.

Doch was passiert mit Ascheresten? Werden sie einfach durch die Schornsteine in die Umwelt hinaus geblasen? „Nein, wir haben keine Hochöfen“, erklärt der Hafner-Chef Reisert. „Wir sammeln sie und geben sie an spezielle Betriebe weiter, die sie entsorgen.“ Etwa 400 Kilogramm Edelmetall werden so täglich verarbeitet.

Doch es werden bei Hafner nicht nur Metallschnipsel verbrannt. Größere Edelmetallbrocken werden im sogenannten Scheideprozess geschmolzen und chemisch behandelt. Das sind 120 Kilogramm am Tag. Diese Mengen passten jeweils auf eine Europalette, erklärt Udo Demant. Im Jahr produziert Hafner nach eigenen Angaben nur einen Kubikmeter Gold.

Im zweiten Stock der Recyclinganlage ist die Chemie am Werk. In großen Glasbehältern blubbern bunte Flüssigkeiten vor sich hin. Die Prozesse finden in geschlossenen Kreisläufen statt, es treten keine Dämpfe oder Flüssigkeiten aus.

„Vollkommen ungefährlich ist das Ganze aber nicht“, räumt der Chemiker Demant an. Schließlich werde mit „Königswasser“ gearbeitet, einem Gemisch aus konzentrierter Salz- und Salpetersäure. Damit werden die flüssigen Metalle aufgelöst und die einzelnen Bestandteile zurückgewonnen. Für den Chemiker aber kein Grund, davor Angst zu entwickeln: Abluft- und Abwasseranlagen seien auf dem neuesten Stand. Hinzu kommt: die Galvanik von Hafner sei abwasserfrei.

Aber was denkt man bei der Firma über die scharfen Proteste im Ort? Für Philipp Reisert ist das „Panikmache“. So werde in Wimsheim seit Monaten Stimmung gegen Hafner gemacht. Einige wenige Taktgeber stecken für ihn dahinter, die bewusst bei den Menschen die Angst schürten.

Dass jemand aus Unwissenheit Befürchtungen gegen eine Goldfabrik vor der Haustür hat, versteht er: „Aber dann soll er zu uns kommen und sich informieren“, sagt er. Die Firma Hafner hält jedenfalls weiter an den Umzugsplänen nach Wimsheim fest. „Gekrätzerei und Scheiderei kommen erst im zweiten Bauabschnitt“, betont Reisert. Und: „Ich gebe Brief und Siegel, dass dann noch strengere Auflagen an uns gestellt sind als heute.“

Reisert vertraut auch ganz persönlich auf die Sicherheit seiner Branche: In Pforzheim lebt er gerade einmal 300 Meter von der Allgemeinen Gold- und Silberscheideanstalt (Agosi) entfernt. Diese sei drei Mal so groß wie Hafner und habe sogar Trommelöfen. „Dort kommt heute aber auch kein gelber Rauch mehr raus“, erklärt er. Einen Bürgerentscheid in Wimsheim hält er nicht für sinnvoll. Er setzt darauf, dass die Gemeinderäte die richtige Entscheidung treffen. „Denn sie haben sich gut informiert“, sagt Philipp Reisert.

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