Petition für Kinderarzt in Renningen Eltern wollen nicht ohne Arzt dastehen

Von Kathrin Klette
Viele Renninger Eltern sorgen sich um die medizinische Versorgung ihrer Kinder. Foto: dpa/Patrick Pleul

Renningen - Eine lange Autofahrt zu einem fremden Arzt? Für ein krankes Kind und die betroffenen Eltern purer Stress. Umso wichtiger ist eine flächendeckende Versorgung mit Kinderärzten. Doch die Lücken zwischen den Fachärzten, vor allem im ländlichen Bereich, werden immer größer. In Renningen hat der dort ansässige Kinderarzt Werner Plieninger vor einigen Monaten angekündigt, seine Praxis zum 1. April 2022 zu schließen. Die Nachfolge gestaltet sich schwierig, noch hat sich niemand gefunden. Inzwischen haben Eltern sogar eine Petition gestartet, um auf die Brisanz der Entwicklung aufmerksam zu machen. Mehr als 420 Unterstützer haben sich bereits eingetragen.

Wie selten und begehrt Kinderärzte sind, zeigt ein Blick nach Wimsheim: Erst im April 2021 hat der Kinder- und Jugendarzt Andreas Griesinger seine Praxis dort eröffnet, und längst gibt es eine Warteliste für Neupatienten. Bei anderen Kinderärzten im Umkreis sieht es ähnlich aus, sei es in Weil der Stadt oder in Leonberg. Bei Renninger Eltern wächst daher die Angst, bald ohne Kinderarzt dazustehen.

Große Sorge um medizinische Versorgung

„Ich weiß, dass die Stadt bereits eine Menge getan hat“, sagt die Initiatorin der Petition, Esin Karadeniz. „Jedoch habe ich als Elternteil die Notwendigkeit gesehen, hier aktiv zu werden, da es in unmittelbarer Umgebung bereits Städte ohne Kinderarzt gibt und wir nicht dasselbe Schicksal erleiden möchten.“ Ende November erfuhr sie über unsere Zeitung und die Homepage der Stadt von der anstehenden Schließung. Nur wenige Wochen später entschied sie sich zu der Petition, weil die Zeit immer knapper wurde „und ich große Sorge um die medizinische Versorgung meines Kindes hatte“. Im persönlichen Umfeld kenne sie keine Familie, die mittlerweile in einer neuen Praxis unterkommen konnte.

Mit ihrer Petition will Esin Karadeniz die Aufmerksamkeit verstärkt auf dieses wichtige Thema lenken und die Menschen mobilisieren. „Ich will Eltern eine Stimme geben, Aufmerksamkeit erregen, um neue und kreative Lösungen bei den Beteiligten anzustoßen. Ich wollte zu dem Thema etwas bewegen.“ Das Ziel lautet, dass alle Beteiligten an dem Thema dranbleiben und die Dringlichkeit erkennen. „Die Petition soll weiter ein Zeichen setzen, dass die Renninger Familien es nicht akzeptieren, dass es keinen Kinderarzt mehr geben wird.“

Stadt darf die Stelle nicht selbst ausschreiben

Grundsätzlich wird eine Kinderarztstelle durch die Kassenärztliche Vereinigung ausgeschrieben, erklärt Alicia Paulus, die Sprecherin der Stadt Renningen. „Wenn Mediziner ausscheiden, ist es Aufgabe der KVBW, sich um die Nachfolge zu kümmern.“ Die Stadt Renningen bemühe sich in der Sache sehr aktiv, „allerdings ist die Angelegenheit nicht einfach“. Die Kommune darf zum Beispiel selbst keine Stelle ausschreiben. Was also kann man überhaupt tun?

Lesen Sie aus unserem Angebot: Der Verlust von Hausärzten führt zu mehr Not

Nach Bekanntwerden der Praxisaufgabe sei die Stadt sofort auf Werner Plieninger sowie auf die Kassenärztlichen Vereinigung, die umliegenden Kinderärzte und die Kinderklinik Böblingen zugegangen. „Darüber hinaus besteht Kontakt mit der Medinos eG in Calw, einer Genossenschaft, die bereits mehrere Arztpraxen betreibt, um zu sondieren, ob dies auch ein Modell für Renningen wäre“, erklärt Paulus. Mit dem geschäftsführenden Chefarzt der Kinderklinik Böblingen und der KVBW wird eine mögliche ambulante Behandlung von Kindern aus Renningen und Malmsheim abgestimmt. In Absprache mit Werner Plieninger habe die Stadt außerdem eine Anzeige in der Rubrik „Kommune sucht Arzt“ im Stellenportal Landarztbörse geschaltet. „Wir hoffen, dass die zusätzliche ,Ausschreibung‘ gegebenenfalls noch weitere potenzielle Nachfolger erreicht.“

Angst um fürsorgliche und vorsorgliche Betreuung

Bisher waren die Bemühungen noch nicht von Erfolg gekrönt. Entsprechend begrüße die Verwaltung mit Blick auf die Petition „grundsätzlich jede Maßnahme, die auf den drohenden Versorgungsengpass bei der allgemeinärztlichen Versorgung – nicht nur unserer Jüngsten – aufmerksam macht“, so Alicia Paulus. „Es ist verständlich, dass viele Eltern sich um die künftige Versorgung der Kinder in unserer Stadt sorgen und sich Gehör verschaffen.“ Die Stadt stehe daher bereits mit dem Gesamtelternbeirat in regem Austausch.

In der Tat schwingt bei Esin Karadeniz die Hoffnung mit, durch die erhöhte Aufmerksamkeit einen Mediziner auf die Rankbachstadt aufmerksam zu machen. Denn ein fehlender Kinderarzt würde für Familien eine große Belastung bedeuten, angefangen bei der Fahrtzeit und der Wartesituation. „Außerdem habe ich die Befürchtung, dass mein Kind durch die wechselnden Ärzte keine so fürsorgliche und vorsorgliche Betreuung erhält.“ Eine Bindung zwischen dem Kind und einem vertrauten Arzt sei essenziell. Auch für die andere Seite, Ärzte und Mitarbeiter, wird die Lage nicht einfacher, sagt Esin Karadeniz. Denn die Belastung für das medizinische Personal werde durch jede geschlossene Praxis nur noch größer.

Die Petition findet sich im Internet unter www.petitionen.com/nachfolgerschaftkinderarzt_in_renningen_zwingend_erforderlich.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen