Perouser Straße in Renningen Zoff um Flickenteppich geht munter weiter

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Die Flickschusterei auf der Perouser Straße soll bald ein Ende haben. Foto: factum/Granville

Renningen - „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ Seit über einem Jahr erinnert die geflickschusterte Perouser Straße in Malms­heim eher an ein modernes Kunstwerk als an eine Straße. Eigentlich hätte die lang ersehnte Sanierung jetzt schon fast abgeschlossen sein sollen. Stattdessen geht der Zoff um das marode Pflaster im Ortskern weiter. Statt in den letzten beiden Ferienwochen – wie ursprünglich angekündigt – wollte die zuständige Baufirma Eurovia dann am 11. September, pünktlich zum Schulstart, anrücken. Zwischenzeitlich war selbst das fraglich geworden, wie der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Wie immer ging es ums liebe Geld, sodass alle, die am Bau und an der Planung beteiligt waren, noch einmal an einen Tisch mussten. „Unser Ziel bleibt aber, dass es nächste Woche losgeht.“ Mittlerweile hat die Stadt mitgeteilt, dass der Startschuss doch am Montag fällt.

Der Ärger ist dem Bürgermeister im Gespräch deutlich anzuhören. Immerhin zieht sich die Misere mit dem kaputten Pflaster nun schon eine gefühlte Ewigkeit. Und nun noch der Ärger um den Baustart. Denn die Arbeiten müssen unter Vollsperrung erfolgen, weshalb ein Start während der Schulzeit mehr als ungünstig ist. „Das einzig Positive ist, dass es danach dann wirklich vorbei ist“, sagt Faißt.

Bereits 2008 wurde gepfuscht

Erst 2015 wurde die Straße im Bereich des Malmsheimer Ortskerns neu hergerichtet. Und auch nur deshalb, weil bei dem letzten Umbau davor, im Jahr 2008, bereits gepfuscht worden war. Nur hatte die Stadt damals die Schäden nicht sofort beheben lassen, um die Straße nicht gleich wieder sperren zu müssen. Bald nach dem Einbau der Pflastersteine im Jahr 2015 wurde jedoch klar, dass auch dabei einiges schief gelaufen sein musste. Die Steine brachen auf und gingen reihenweise kaputt, sodass die Stadt im Sommer 2016 damit anfangen musste, die Straße mit Asphalt zu flicken.

Seither zieht sich die Geschichte um die notwendige Sanierung wie Kaugummi. Denn zuerst musste ein Gutachten erstellt werden, um herauszufinden, wer an der Misere überhaupt schuld ist. Deutlich wurde durch das Gutachten eines: „Dass in der Planung und Ausschreibung alles korrekt verlaufen ist“, wie der Stadtbaumeister Hartmut Marx damals erklärte. Das heißt, die Schuld liege in jedem Fall nicht bei der Stadt, die sich deshalb finanziell nicht an der Reparatur beteiligen müsse.

Erst lag die Vermutung nahe, dass mit dem Unterbau etwas nicht in Ordnung war. Tatsächlich lag der Fehler aber in dem verwendeten Material unter den Steinen, das die Firma Eurovia geliefert bekam und dort einbaute. Unter den Pflastersteinen befindet sich ein Sandgemisch, dessen Bestandteile – kleinere und größere Körnchen – in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen müssen. Wegen eines falschen Mischungsverhältnisses gerieten die Steine ins Kippeln und „zerbröselten“ durch das ständige Aneinanderstoßen förmlich.

Diskussionen gehen weiter

Damit war die Schuldfrage im Grunde geklärt. Trotzdem nahmen die Diskussionen kein Ende. Kurz vor dem eigentlich angekündigten Baustart „gab es noch einmal Diskussionen unter den beteiligten Firmen, was die Kosten angeht“, erklärt Wolfgang Faißt. Zudem hätte die Baufirma kurzfristig mitgeteilt, „dass sie in den Ferien nicht ausreichend Personal hat“. Der Start wurde also auf den 11. September verlegt – doch selbst dann wurde noch kräftig weiterdiskutiert.

Das Problem mit dem falschen Material betrifft den gesamten gepflasterten Bereich der Malmsheimer Ortsmitte. Dieser muss deshalb auch komplett erneuert werden. Und das geht nur unter Vollsperrung. Allerdings, erklärt der Bürgermeister, soll das Ganze in zwei Abschnitten erfolgen, „damit die Geschäfte durchgehend erreichbar bleiben“. Insgesamt werden die Arbeiten voraussichtlich drei bis vier Wochen dauern.

Die Perouser Straße wird übrigens erneut gepflastert. Nach den ganzen Schwierigkeiten hatten Rat und Verwaltung auch eine Asphaltierung in Betracht gezogen. „Aber uns wurde versichert, dass, wenn das richtig gemacht wird, Pflaster hier völlig unproblematisch ist“, so Hartmut Marx.

Vollsperrung ab Montag

Betroffen von der Vollsperrung, die ab Montag gelten soll, ist die Perouser Straße zwischen den Einmündungen zur Kirchstraße/Calwer Straße und Lange Steggasse. Die innerörtliche Umleitung verläuft in Fahrtrichtung Ortsmitte von der Perouser Straße über die Kasernenstraße, Gartenstraße, Heimsheimer Straße, Merklinger Straße und Kirchstraße. In Fahrtrichtung Perouser Straße beziehungsweise Perouse wird der Verkehr ab der Kreuzung Heimsheimer Straße/Talstraße/Bühlstraße über die Bühlstraße umgeleitet. Die Umleitungen werden zu Baubeginn entsprechend ausgeschildert, kündigt die Verwaltung an.

Alle Geschäfte an der Baustelle, wie CAP- Markt, Bistro CABICO, Reisebüro, Orthopädie-Schuhtechnik Mann, Friseur „Moni’s Haarparadies“, Bäckerei Müller und das Rathaus Malmsheim seien fußläufig immer erreichbar. Parkmöglichkeiten gibt es im Bereich der Bach- und Lammstraße, sowie an der Calwer Straße und am Friedhof. Die betroffenen Anlieger des Waldhornareals werden von der ausführenden Firma Eurovia Teerbau GmbH im Detail über alles Nötige informiert. Die Stadtverwaltung bittet alle Betroffenen um Beachtung und Verständnis.

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