Ortsmitte Weissach Startschuss für ein Jahrhundertprojekt

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Die Brachfläche zwischen der Metzgerei Böhmler und dem Alten Rathaus soll bebaut werden. Aber wie? Foto: factum/Jürgen Bach

Weissach - Einstimmig hat der Gemeinderat von Weissach am Montagabend den Startschuss für die Neugestaltung des Weissacher Ortskerns gegeben. Durch Abriss von zwölf maroden Gebäuden in der Ortsmitte, der in den vergangenen Monaten durchgeführt wurde und inzwischen abgeschlossen ist, eröffnet sich für die Strudelbachgemeinde die historische Möglichkeit, das Ortszentrum, dem bislang nur eine „geringe Aufenthaltsqualität“ bescheinigt wurde, neu zu gestalten.

Um die weiteren Planungen möglichst qualitätvoll voranzutreiben, haben die Gemeinderäte am Montag den Beschluss gefasst, gleich fünf Planungsbüros zu beauftragen, städtebauliche Entwürfe auszuarbeiten. Welcher Entwurf das Rennen macht, soll dann spätestens Ende 2020 feststehen.

Den Prozess der Entscheidungsfindung begleitet die Projektentwicklungsgesellschaft „Hornprojekt“ der ehemaligen Ersten Bürgermeisterin von Leonberg, Inge Horn. Sie sprach sich denn auch in ihrer Präsentation des Verfahrensablaufs vor dem Gemeinderat dafür aus, keinen klassischen Planungswettbewerb durchzuführen, sondern eine sogenannte Mehrfachbeauftragung, bei der alle beteiligten Büros voll honoriert werden.

Auch Zwischenergebnisse werden diskutiert

„In einem solchen Prozess arbeiten die Büros nicht anonym“, erklärte Horn, sodass auch Zwischenergebnisse diskutiert werden könnten. Für das „Jahrhundertprojekt“, so Horn, sei dies das beste Verfahren. Es garantiere, erklärte die Projektentwicklerin, eine hohe Identifikation der Bürger und der Gemeinderäte mit den errungenen Ergebnissen. Als Diskussionsgrundlage zur Erarbeitung der wichtigsten Eckpunkte, die in die Aufgabenstellung für die Planungsbüros einfließen, sollen zunächst jedoch ein weiterer Testentwurf und diverse Fachgutachten erstellt werden. Insbesondere müsse zuvor die Situation des Einzelhandels in dem Gebiet sowie die Verkehrssituation rund um das Ortszentrum analysiert werden.

Weissachs Bürgermeister Daniel Töpfer hatte sich dafür ausgesprochen, drei Planungsbüros zu beauftragen. Dem Gemeinderat war das zu wenig. Der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste Andreas Pröllochs wollte sich „nicht auf drei beschränken“. Eine Ansicht, die im Gemeinderat am Montagabend schnell eine Mehrheit fand, sodass am Ende gleich fünf Büros den Auftrag erhielten. Jedes Büro erhält rund 55 000 Euro Honorar. „So schnell sind 100 000 Euro freigegeben“, kommentierte Töpfer die prompte Kostensteigerung. Welche Büros beauftragt werden, entscheidet nach Empfehlung der Projektentwicklerin der Gemeinderat.

Zwei Bürgerwerkstätten

Der Ablaufplan des Verfahrens sieht für das kommende Jahr zwei sogenannte Bürgerwerkstätten vor, mit denen die Weissacher am Planungsverfahren beteiligt werden sollen. Zudem ist eine Onlinebefragung geplant, kündigte Horn an. Bürgermeister Töpfer verglich das gesamte Bürgerbeteiligungsverfahren mit einem Tennisspiel, bei dem sich Gemeinderat und Bevölkerung die Bälle ständig hin und her spielten.

Für die Gemeindeentwicklungsplanung hat Weissach 350 000 Euro in den Haushaltsplan 2020 eingestellt. Susanne Herrmann von der Unabhängigen Liste betonte die Dringlichkeit, Klimaschutzaspekte bei der Planung frühzeitig zu berücksichtigen. Ebenso wollte sich der Gemeinderat offenlassen, Elemente der verschiedenen städtebaulichen Entwürfe im Nachgang mischen zu können, was jedoch auf Grund von Urheberrechtsfragen mit den Planungsbüros vorab vereinbart werden muss.

Die Planungen zur Umgestaltung der Ortsmitte Weissachs stoßen bei der Bevölkerung jetzt schon auf großes Interesse. Die Besucherreihen im Großen Saal des Weissacher Rathauses waren am Montagabend voll besetzt.

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