Ortsdurchfahrt Flacht Autofahrer irren durch den Ort

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Die Schilder mussten am Mittwoch umgestellt werden. Foto: factum/Granville

Weissach - Winfried Schuhmacher hat am Mittwoch nicht schlecht gestaunt. Der Hohweg, in dem er wohnt, war immer eine so ruhige Anliegerstraße. „Und jetzt plötzlich kommt hier ein Auto nach dem anderen“, sagt er empört.

Seit Mittwochnachmittag gilt die neue Umleitungsstrecke. Die zentrale Durchfahrtsstraße in Flacht wird derzeit saniert. In sechs verschiedene Bauabschnitte haben die Ingenieure die Baumaßnahme aufgeteilt. Das heißt, an ein oder zwei Abschnitten ist die Ortsdurchfahrt komplett gesperrt, und der Verkehr muss sich durch enge Anwohnerstraßen quälen.

Versuch mit Hütchen

Nun sind der Hohweg und der Sandweg dran, da über den Sommer der kurze Abschnitt zwischen Feuerwehr und Einkaufszentrum saniert wird. Das ist unvermeidbar, aber nicht schön für die Anwohner. Am Donnerstagmorgen versucht Winfried Schuhmacher aus seiner Hofeinfahrt rauszukommen – unmöglich, wenn sich ein Auto an das nächste reiht. Er behilft sich mit Hütchen und blockiert kurzzeitig den Verkehr komplett, um auszuparken.

Auch an einer anderen Stelle ist ein Anwohner genervt – und kreativ. Absperrbänder sind quer über eine Hofeinfahrt gespannt. „Das kapiert niemand, dass er hier nicht reinfahren darf“, erklärt der Anwohner und schüttelt mit dem Kopf. Was ihn besonders aufregt: „Stellen Sie sich mal nach Feierabend um 16 Uhr hierher und schauen Sie sich die Kennzeichen der Autos an.“ Pforzheimer, Stuttgarter, Ludwigsburger reihen sich aneinander, kaum ein einheimisches BB oder LEO-Kennzeichen. Dabei ist ganz Flacht für den überregionalen Verkehr derzeit eigentlich gesperrt. Dieser soll derzeit über Mönsheim zur Autobahn fahren. Für Kon­trollen ist die Polizei zuständig, gesehen habe er die aber noch nie, berichtet der ­Anwohner.

Die Umleitungen müssen sich erst einspielen

Gerade am Mittwoch, als die Umleitung eingerichtet wurde, war auch die Beschilderung nicht perfekt. Anwohner meldeten sich bei unserer Zeitung, weil Lastwagen, Busse und Autos in den Amselweg fuhren – und damit in der Sackgasse landeten. Hierfür hatte es am Donnerstag eine Verkehrsschau gegeben. „Da haben wir nachgebessert“, vermeldet Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) am Abend. Er bittet alle ­Anwohner um Verständnis. „Solche Umleitungen müssen sich immer erst einmal einspielen. Ich gehe davon aus, dass es nächste Woche dann einigermaßen klappen wird.“

Auf zwei Einbahnstraßen verläuft nun die Umleitung. Autofahrer, die Richtung Flacht wollen, müssen über den Hohweg, der Gegenverkehr Richtung Weissach muss auf dem Sandweg fahren. Der verläuft am sonst eigentlich so ruhig liegenden Otto-Mörike-Stift vorbei. Dort macht sich Leiterin Stefanie Liebig große Sorgen um ihre Bewohner. „Heute morgen ging es zwar“, sagt sie. „Schwierig ist es aber mit unseren Demenzkranken. Denen kann man nicht so einfach erklären, dass da jetzt plötzlich so viele Autos vorbeifahren.“ Auf der anderen Seite des Gebäudes geht es gleich steil den Berg rauf – nichts für Rollatoren und Rollstühle.

„Zum Glück hat die Gemeinde versprochen, den Wertstoffhof zu öffnen“, sagt die Altenheim-Leiterin. Über dieses Gelände können jetzt die Bewohner des Betreuten Wohnens zum Edeka gelangen, da ihr eigentlicher Weg, der Sandweg, momentan die Ersatz-Kreisstraße ist.

Der Bürgermeister bittet um Verständnis

Winfried Schuhmacher aus dem Hohweg hat derweil noch ganz andere Sorgen. „Erst vorhin habe ich Kinder beobachtet“, berichtet er. „Da wäre es fast zu einem Unfall gekommen.“ Denn einen Gehweg gibt es auf diesem Abschnitt der Straße nicht. „Aber das war auch schon vorher so“, sagt Daniel Töpfer. Nur wenige Schüler müssten überhaupt über diesen gehweglosen Abschnitt. Und da er derzeit eine Einbahnstraße sei, könnten sich Fußgänger auf die Verkehrsrichtung einstellen, findet der Bürgermeister.

Bis Anfang Oktober dauert dem aktuellen Plan zufolge diese Umleitung. Und dann kommt der nächste Bauabschnitt.

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