Ortema in Markgröningen Warum Weltmeister Benjamin Pavard eine Maske trug

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Feintuning: Orthopädie-Techniker-Meister Markus Wagner justiert Schaft und Prothese. Foto: factum/Simon Granville

Markgröningen - Ein bisschen sah Benjamin Pavard aus wie der unglückselige Protagonist des Mantel- und Degen-Films „Der Mann mit der eisernen Maske“. Die Maske, die der Fußballstar nach seinem Nasenbeinbruch Ende 2017 trug, war aber nicht aus Eisen, sondern aus Kohlefaser. Und für den Bayern-München-Abwehr-Crack, der damals noch für den VfB Stuttgart auflief, war die ungewöhnliche Gesichtsmöblierung alles andere als unheilsstiftend: Dank des passgenau angefertigten Schutzes konnte er sich recht schnell wieder ins Fußballgetümmel stürzen.

Hergestellt hatten Pavards Gesichtsmaske Orthopädietechniker aus Markgröningen. In den spezialisierten Werkstätten von Ortema, einem an die Orthopädische Klinik angegliederten Unternehmen, entstehen Hilfsmittel, von der Sportler aus der ganzen Welt profitieren – nach Verletzungen und Operationen, aber auch zum vorsorglichen Schutz. Ob Protektoren für Motorbiker, ob Knie-, Schulter- oder Handgelenksorthesen für Eishockeyspieler, ob Wirbelsäulenschutz für Winter- oder Zweiradsportler: Wer die Flut an Grußkarten und Dankbarkeitsbezeugungen sieht, die an eine Litfasssäule im Werkstätten-Flur gepinnt sind, ahnt, was die Hilfsmittel vielen Menschen bedeuten. „Im Leistungssport kennt man uns inzwischen weltweit“, sagt Pressesprecher Heiko Hecht. „Der Herr Maier aus Markgröningen, der eine Kniearthrose hat, kennt uns weniger. Das ist ein bisschen schade.“

„Ein bisschen wie bei einer Hochzeit“

Auch wenn das Renommee in Spitzensportler-Kreisen den Ruhm mehrt: Ursprünglich sind gehandicapte Otto-Normal-Bürger die Zielgruppe des Unternehmens, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1940 zurückreichen. Damals wurde die „Orthopädische Werkstatt der Werner’schen Kinderheilanstalt“ in Ludwigsburg gegründet. Seit 1994 gibt es die Orthopädie-Technik Markgröningen – dafür steht die Abkürzung Ortema – als eigenständige Firma, die in ihrer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Werkstatt und Klinik ein Alleinstellungsmerkmal sieht: Orthopädietechniker, Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten, Reha-Mediziner und Sportwissenschaftler arbeiten Hand in Hand, um genau auf den Patienten zugeschnittene Hilfsmittel herzustellen.

So wie Markus Wagner, Leiter der Prothesentechnik, der mit Hilfe von Hightech gerade einen Schaft und die dazugehörige Prothese auf die Körperstatik des künftigen Trägers justiert. „Das ist ein bisschen wie bei einer Hochzeit“, meint er scherzhaft. Oder wie Julia Hocke, Solveig Braig und Stefanie Ehling, die nebenan an Korsetts für junge Patienten mit Wirbelsäulen-Deformation arbeiten. Solveig Braig hält ein Exemplar mit bunten Schmetterlings-Aufdrucken in den Händen. Ein kleines Mädchen wird es 23 Stunden pro Tag tragen müssen – eine enorme Herausforderung. Das Korsett soll daher zumindest so aussehen, wie das Kind es sich wünscht.

Schwere Schicksale, neue Perspektiven

„Es gibt schwere Einzelschicksale. Gerade bei Leuten, die amputiert werden mussten“, sagt Heiko Hecht. „Aber es hilft nichts, wenn wir sie bemitleiden. Wir wollen ihnen ja eine Perspektive aufzeigen: Das Leben ist deshalb nicht vorbei.“

In den 25 Jahren seit Firmengründung machte das mittlerweile 250 Beschäftigte zählende Ortema-Team schon manchem Menschen neuen Lebensmut: Patienten mit Prothesen, die statt lebensecht nachgebildeter Gliedmaßen sogar lieber selbstbewusst „Hightech pur“ zeigen, wie Markus Wagner erzählt, genauso wie Arthrose-Kranken, die dank stabilisierender und entlastender Orthesen dem aktiven Leben noch lange nicht adieu sagen müssen.

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