Ökostadt Renningen Weniger Autos – mehr alternative Mobilität

Von Torsten Schöll
Das Renninger Car-Sharing-Projekt ist 1992 mit zwei Autos gestartet – zusammen mit Weil der Stadt sind es jetzt 28. Foto: Jürgen Bach

Renningen - Seit 1992 gibt es in Renningen ein Car-Sharing-Projekt. Angefangen mit zwei Fahrzeugen, teilen sich heute in Renningen und Weil der Stadt rund 700 Menschen 28 Autos, davon sind elf mit elektrischem Antrieb ausgestattet. Eine Erfolgsgeschichte. Auch mit einer Buslinie des VVS sowie dem Bürgerrufauto lassen sich in Renningen und Malmsheim ohne den eigenen PKW Wege von A nach B zurücklegen. Autokolonnen, dicht an dicht, sind in der Stadt am Rankbach trotzdem kein seltener Anblick.

Die Frage also, „Geht’s noch (besser)?“, der sich einige Renninger Bürger seit vergangenem Jahr im Rahmen des Projekts „Alternativ mobil in Renningen“ stellen, kann deshalb eigentlich nur mit Ja beantwortet werden. Das Projekt, verantwortet von der Stadt Renningen sowie dem Verein Ökostadt Renningen, ist Teil eines „Ideenwettbewerbs für kooperative Mobilitätskonzepte“, der vom Wirtschafts- und vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg gefördert wird.

Sechs Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Konzepten

Mit Hilfe einer Umfrage, an der sich rund 800 Renninger beteiligt hatten, wurde im Rahmen des Projekts zunächst ermittelt, woran es denn hakt, wenn es um die Entscheidung jedes Einzelnen geht, das eigene Auto für Wege durch die Stadt in der Garage stehen zu lassen. In einem weiteren Schritt haben sich daraufhin sechs Arbeitsgruppen herauskristallisiert, die nun allesamt mit unterschiedlichen Konzepten das Renninger Mobilitätsangebot verbessern wollen.

Die Bandbreite der Ideen, die am Freitagabend im Rahmen einer digitalen Veranstaltung öffentlich vorgestellt und diskutiert wurden, ist groß: Sie reicht von einer Verbesserung der Kommunikation rund um das Thema Mobilität über den Ausbau von Lieferangeboten des lokalen Handels bis zur Installation eines Lastenradverleihs. „Es geht darum, das Mobilitätsangebot in der Stadt zu verbessern und den Verkehr zu reduzieren“, fasst die Projektmanagerin und Moderatorin Sandra Holzherr das Ziel des bürgerschaftlichen Beteiligungsprozesses zusammen. Weshalb beispielsweise das Angebot eines Lastenradverleihs gerade in Renningen sinnvoll sein könnte, erklärte Karin Müller für ihre Projektgruppe: So sind die Wege in Renningen und Malmsheim mit ihren zusammen rund 18 000 Einwohnern ganz generell relativ kurz.

Sharing-Angebot für Lastenfahrräder

„Ein Auto ist dafür eigentlich nicht nötig“, argumentiert Müller. Gleichzeitig sei die individuelle Anschaffung eines mit einem Elektromotor betriebenen Lastenfahrrads für den Einzelnen teuer. Und auch der Platzbedarf eines solchen Transportmittels sei für viele ein Grund, sich ein Lastenrad nicht anzuschaffen. Ergo: Bei einem vernünftigen Mietpreis und einem einfachen Verleihprozedere müsste ein Sharing-Angebot für Lastenfahrräder in Renningen eigentlich funktionieren, so die Projektgruppe.

„Wir würden zunächst zwei Fahrräder anschaffen und dann schauen, wie das Angebot angenommen wird“, sagt Müller. Dass dies in der Startphase kostendeckend gelingen könnte, glauben die Projektbeteiligten nicht: „Deshalb brauchen wir ein Spenden- und Sponsorenkonzept.“

Lieferservice des Handels

Eine weitere Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit Ideen, wie der örtliche Handel seinen Lieferservice auf- oder ausbauen könnte. Die Gruppe plant, „eine Art Lotsenfunktion zu übernehmen und die Akteure an einen Tisch zu holen“, so Alicia Paulus, die die Vorschläge des Projekts „Angebote vor Ort“ präsentierte. „Unsere Ziele sind zum einen, die Anzahl der Autofahrten in der Stadt zu verringern und weniger CO2 zu erzeugen. Zum anderen den lokalen Handel zu stärken“, betont Paulus. Das Thema Lieferservice sei gerade auch durch die Pandemie in den Fokus gerückt.

Weitere Gruppen innerhalb des Beteiligungsprojekts „Geht’s noch (besser)? Alternativ mobil in Renningen“ befassen sich mit Fragen der Anschlussmobilität und der Schließung von Mobilitätslücken in der Stadt, mit Mitfahr-Angeboten sowie mit der Verbesserung des bestehenden Car-Sharing-Konzepts. Erste Pilotprojekte, die aus den Arbeitsgruppen entstehen, sollen bereits im Herbst dieses Jahres umgesetzt werden.

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