Nur mit Termin Wie läuft eigentlich eine Blutspende in Corona-Zeiten ab?

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Nach der Spende darf man sich auf der Liege entspannen – einen Ruheraum gibt es in diesen Zeiten nicht. Foto: factum/Jürgen Bach

Weissach - Nur wenige Autos stehen am Montag um 14 Uhr auf dem Parkplatz der Strudelbachhalle in Weissach. Ein großes Plakat des Deutschen Roten Kreuzes weißt darauf hin, dass vom 11. Mai bis 15. Mai hier Blut gespendet wird. Die mobilen Blutspendezentren sind so ausgelegt, dass für Spender, ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter des DRK ausreichend große Abstände gewährleistet werden. Durch Terminvergaben wird der Besucherstrom geregelt. Die Modifizierung macht sich bereits im leeren Eingangsbereich bemerkbar. Erster Schritt ist die Kontrolle der Körpertemperatur. Nur Personen, bei denen der Wert unter 37 Grad liegt, wird Einlass gewährt. Ausnahmen gibt es keine. Klebebänder am Boden sorgen für die Orientierung.

Hans-Jürgen Kron aus Flacht hat es nach dem Händedesinfizieren bereits in die Halle geschafft und steht nun geduldig mit seinem Spender- und Personalausweis vor den freundlichen DRK-Damen an der Anmeldung. Gut ausgestattet mit Mundschutz hält er akkurat den Mindestabstand ein. Kron ist ein alter Hase, wenn es ums Blutspenden geht: Bereits 33 Mal war er mit dabei. Angefangen hat er allerdings erst vor zehn Jahren, als er von Berlin ins Schwabenland kam. „Ich merke, dass mir der Aderlass gut tut“, meint er. Außerdem ist er mit der Blutgruppe 0 Rhesus negativ ein äußerst begehrter Spender. Nur ungefähr sechs Prozent der Deutschen haben diese viertseltenste Blutgruppe.

Viele Freiwillige

In der großräumigen Strudelbachhalle führt Stefanie Henzler vom DRK-Ortsverein Weissach-Flacht durch die verschiedenen Stationen. Sie engagiert sich bereits seit mehr als 25 Jahren beim DRK. Eigentlich ist es ganz einfach und unspektakulär: das Blutspenden zu Corona-Zeiten. „An einem normalen Freitag vor der Pandemie waren wir froh, wenn wir die 100-Marke erreicht haben“, sagt sie. Dass sich bereits am ersten Tag der Blutspendewoche 120 Personen in dem neu installierten Terminreservierungssystem eingetragen haben, sieht sie als positives Zeichen. Auch Harald Klüter, der ärztliche Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunologie Mannheim des DRK-Blutspendedienstes, konstatiert, dass es überwältigend sei, wie groß die Solidarität der Bürger für ihre Mitmenschen ist. Dies komme in der großen Blutspendebereitschaft zum Ausdruck.

Die griechische Mythologie beschreibt den Menschen als aus dem Blut der Götter erschaffen. Bereits in der Antike wurde es als Träger der Lebenskraft angesehen. Kein Wunder also, dass Blutspenden absolut wichtig ist. Für die Versorgung von Patienten und Unfallopfern sind die Blutprodukte lebensnotwendig, auch und gerade während der Pandemie. Schließlich verschwinden diese Erkrankungen nicht wegen des Coronavirus.

Bereits 19 Prozent der Blutkonserven benötigen Krebspatienten, um die Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie zu minimieren. Jeweils 16 Prozent der Blutspenden gehen an Herzerkrankte und Menschen mit Magen-Darmkrankheiten. Langjährige Spender wie Kron werden gewisse Modifikationen zur Vor-Corona-Zeit feststellen. Ein Essen zum Abschluss gibt es nicht mehr. Stattdessen stehen am Ausgang Papiertüten zum Mitnehmen bereit.

Liege statt Ruheraum

„Die größte Änderung bei der Blutspende ist allerdings, dass der Spender auf der Liege bleibt und dort seine zehn Minuten Ruhezeit einhält“, meint Stefanie Henzler. Einen Ruhebereich gibt es nicht mehr. Insgesamt stehen den Spendern zwölf Liegen zur Verfügung. „Sechs Termine werden pro 15 Minuten vergeben. Insgesamt dürfen sich 40 Personen in der Halle aufhalten“, klärt Henzler auf. Sie hat mit ihrem Team bereits am Freitag damit begonnen, den Saal vorzubereiten. Am Montag kamen die Liegen und das medizinische Equipment dazu. Ungefähr sieben Stunden pro Blutspendetag arbeiten die Freiwilligen des DRK in dieser Woche.

Auch Gabi Volz hat bereits 30 Jahre als Krankenschwester beim DRK-Blutspendedienst auf dem Buckel. Angst, dass sie sich anstecken könnte, hat sie nicht. Eine Spenderin, die einige Tage später positiv auf den Coronavirus getestet wurde, hatte sie bereits. Das Gesundheitsamt informierte Volz. Angesteckt hat sie sich nicht. Das Blut der Infizierten wurde jedoch aussortiert und noch einmal gründlich untersucht. Laut der Mitteilung des RKI ist eine Übertragung des Virus durch Blut derzeit nicht anzunehmen, da es im Blut nicht nachweisbar ist. Bei den Blutspendeaktionen wird daher keine Testung des gespendeten Blutes auf das Virus durchgeführt.

Blutspender Kron hat mittlerweile zwei weitere Stationen durchlaufen. Alle 30 Fragen hat er auf dem Blutspender-Fragebogen ausgefüllt und hält diesen nun für den Arzt bereit. Zuvor waren noch einmal seine Temperatur und der Blutdruck gemessen worden. Außerdem wurde nach seinem Hämoglobinwert geschaut.

Zum Abschied darf sich Kron noch die Papier-Tragetaschen mit der Aufschrift „Schön, dass Sie bei uns waren“ mitnehmen. Ausgestattet sind die Taschen wahlweise mit Käse- oder Wurstbrötchen und Schokolade. Die Äpfel wurden gespendet.

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