„Night of Light“ in Leonberg und der Region Ein rotes Licht als Zeichen der Solidarität

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Nein, das ist nicht der Engelbergturm. Den hätten die Eventfirmen aus Leonberg im vergangenen Jahr gern angeleuchtet, die Stadt lehnte ab. So wurde es der „kleine Bruder“, der Wasserturm in Rutesheim. In diesem Jahr ist die Beteiligung in Leonberg dagegen deutlich größer als in der Nachbarstadt. Foto: KD Busch

Leonberg/Rutesheim - Den Schritt in die Selbstständigkeit als Ausstellungsgestalterin hat Bianca Brinner im Jahr 2018 gewagt. Die Corona-Pandemie hat die 28-Jährige aus Rutesheim, die Innenarchitektur mit den Schwerpunkten Messebau und Ausstellungsdesign studierte, dann voll in der Aufbauphase getroffen. „Seit 14  Monaten habe ich keine Arbeit mehr, alle Projekte wurden abgesagt und ich weiß nicht, wie es künftig aussehen wird. Es passiert gerade viel im Hintergrund, aber es ist leider noch nicht so, dass wir sagen können, wir sind überm Berg.“

Viele Kollegen hätten schon aufgegeben und sich anderweitig orientiert. Bianca Brinner selbst machte aus der Not eine Tugend, um die Zeit ohne Aufträge zu überbrücken. Sie eröffnete mit anderen künstlerisch orientierten Kolleginnen in Rutesheim, ihrer Heimatstadt, einen sogenannten „Pop-up Store“ für eine begrenzte Zeit, den die Frauen voraussichtlich bis zum 31. Juli betreiben dürfen. Vermieterin ist die Stadt, die damit dem Leerstand in der Kommune entgegenwirkt.

Um auf ihre Situation und die vieler Kollegen aufmerksam zu machen, hat sich die Unternehmerin dazu entschlossen, an diesem Dienstagabend bei der deutschland- und europaweiten Aktion „Night of Light“, mitzumachen. Eine Aktion des Bündnisses von Initiativen und Verbänden der deutschen Veranstaltungswirtschaft, die auch den Hashtag #AlarmstufeRot startete. So wird Bianca Brinner, wenn die Dunkelheit einbricht, ihr Schaufenster mit rotem Licht anstrahlen.

Im vergangenen Jahr hatte sich noch die Stadt an der ersten Aktion beteiligt. Der Künstler Laurenz Theinert verwandelte das Rutesheimer Rathaus in eine Leinwand für sein Licht-Piano. Auch der Wasserturm wurde in rotes Licht getaucht. „Eine tolle Sache, und ich verstehe nicht, warum dieses Mal so wenige in Rutesheim mitmachen“, sagt Bianca Brinner.

Nur wenige Events im kleinen Rahmen, wie beispielsweise das Leonpalooza vom 15. bis 25. Juli auf dem Leonberger Bürgerplatz, dürfen derzeit stattfinden. Noch im vergangenen Jahr hatte sich die Stadt wegen eines zu kurzen zeitlichen Vorlaufs gegen die Teilnahme an „Night of Light“ entschieden. Es sei zu knapp gewesen, um zu prüfen, ob Gebäude der städtischen Verwaltung für politische Statements genutzt werden können. „Und wir alle kannten die Pandemiesituation damals erst seit wenigen Monaten. Wie lange uns Corona in Atem halten wird, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand mit Gewissheit“, sagt der Stadtsprecher Sebastian Küster. In diesem Jahr habe sich die Verwaltung bewusst dafür entschieden.

„Denn die Branche leidet seit über einem Jahr. Eine konkrete Öffnungsperspektive des Bundes und Landes fehlt immer noch. Hier muss eine schnelle, pragmatische Lösung gefunden werden“, sagt Küster. Um die Bevölkerung auf die Sorgen der Kulturschaffenden und Eventprofis aufmerksam zu machen, zeige sich Leonberg bei der „Night of Light 2021“ solidarisch. Von 22 Uhr an bis nachts um eins werden das Rathaus am Belforter Platz, das Alte Rathaus sowie die Stadthalle rot leuchten.

Dafür verantwortlich sind die Geschäftsführer der Leonberger Technikdienstleister – Karl-Heinz Jagusch von „Sound & Light“, Michael Müller von „music & light design“ sowie Patrick Pfitzenmaier von „PF-Event-Management“ – in einer Gemeinschaftsaktion. „Wir freuen uns sehr, dass sich Leonberg an der ‚Night of Light’ beteiligt. Eventmanager, vor allem aber die freischaffenden und selbstständigen Techniker, brauchen in Zeiten der Pandemie Aufmerksamkeit. Ihre Lage ist nach wie vor prekär“, sagt Michael Müller.

Er sei dankbar für die finanziellen Hilfen, die ihre Unternehmen bekommen hätten. „Dadurch konnten wir uns über Wasser halten. Und auch die Kurzarbeit war wichtig, damit wir unsere festangestellten Mitarbeiter halten konnten“, sagt sein Kollege Karl-Heinz Jagusch, der zuletzt gerade mal 20 Prozent seines gewöhnlichen Umsatzes machte. Ihre freischaffenden Helfer jedoch, die bei ihrer Arbeit eine fundamentale Rolle spielen, seien leer ausgegangen. „Viele von ihnen sind in andere Branchen wie etwa die Industrie gewechselt. Es ist fraglich, ob wir sie zurückgewinnen“, erklärt Müller.

Auch Citymanagerin Nadja Reichert ist in die Planung der „Night of Light“ in Leonberg involviert. „Es ist wichtig, dass die Veranstaltungswirtschaft nicht in Vergessenheit gerät, sie ist schließlich für so viele schöne Momente in unser aller Leben verantwortlich“, sagt Reichert.

Dieser Meinung ist auch der Leonberger Felix Hofmann. Er ist kaufmännischer Angestellter in einem Autohaus und verdient sich nebenberuflich mit einem DJ- und Eventservice etwas dazu. Mit einigen Kollegen aus der Hochzeitsbranche hat er in der Leonberger Schlossstraße/Ecke Marktplatz einen Showroom gemietet. Während der Corona-Pandemie fielen alle Aufträge weg, die laufenden Kosten bleiben. Um darauf hinzuweisen, wird auch das Schaufenster des Showrooms mit rotem Licht ausgeleuchtet.

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