Neues Gewerbegebiet für Rutesheim Der Ersatz für 700 verlorene Arbeitsplätze

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Für die 78 Obstbäume, die wegen des neuen Gewerbegebietes gerodet werden, wird die Stadt 150 neue pflanzen lassen. Foto: factum/JArchiv

Rutesheim - Das neue Gewerbegebiet „Gebersheimer Weg“ ist in trockenen Tüchern. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung mit 16 Stimmen – die drei Grünen-Räte enthielten sich – die Satzung beschlossen. Durch ein Umlegungsverfahren, bei dem den Beteiligten ein Wert von 77 Euro je Quadratmeter angerechnet wurde, ist die Stadt bereits im Besitz der fast sechs Hektar Grund.

Es ist kein umstrittenes Vorhaben gewesen, als vor rund zwei Jahren die Verwaltung mit dem Vorschlag überraschte, am Gebersheimer Weg ein neues Gewerbegebiet ausweisen zu wollen. Es ist so etwa wie der Rettungsring in Sachen Arbeitsplätze, nachdem feststand, dass Bosch nach Jahrzehnten sein Werk im Ort Ende 2019 schließt und rund 700 Arbeitsplätze in der Stadt verloren gehen.

Die damalige Firma MBtech, die heute dem französischen Unternehmen Akka Technologies gehört, hatte ihr Interesse an einem Standort in Rutesheim kundgetan. Akka möchte für die Schwerpunkte Design, Entwurf, Formfindung, Formgebung, Modellbau und Industriefotografie fünf bisherige Standorte in Rutesheim auf rund 3,7 Hektar bündeln und hier Büro- sowie Produktionsflächen schaffen. Dazu kam die magische Zahl von mehr als 500 Arbeitsplätzen ins Gespräch.

Vorschlag: Gebersheimer Weg

Natürlich rannte man damit im Rathaus offene Türen ein, zumal auch von anderen Unternehmen Anfragen nach Gewerbeflächen vorliegen. Doch damit konnte die Stadt nicht dienen, denn die Flächen im jüngsten Gewerbegebiet am Autobahnanschluss waren wie warme Semmeln weggegangen.

Um die Vorstellungen von Akka zu berücksichtigen und auch noch anderen Bauwilligen Flächen anbieten zu können, wurde das Gebiet „Gebersheimer Weg“ vorgeschlagen: ein westlicher Teil mit 3,7 Hektar für Akka und ein östlich der Nordumfahrung gelegener Teil (rund zwei Hektar), der für mehrere interessierte Gewerbebetriebe vorgesehen ist.

„Es gibt gute Gründe, dass hier kein Wohngebiet, sondern direkt angrenzend im Anschluss an das Gewerbegebiet Schertlenswald eine Erweiterung gewerblicher Flächen geplant ist“, sagt der Erste Beigeordnete, Martin Killinger. Durch die Entwicklung der Mobilität in der Zukunft rund ums autonome Fahren, connected car und die E-Mobilität werde es zukünftig mehr denn je einen großen Bedarf für Entwicklung und für Design geben.

Kritische Stimmen im Ort sprachen von einer Gefälligkeitsplanung für Akka, andere befürchteten zusätzlichen Verkehr in der Diesel- und Gebersheimer Straße, wiederum andere bemängelten die ihrer Meinung nach zu hohe Bebauung zum örtlichen Friedhof hin.

Anschluss über die Nordumfahrung und die A 8

Stadtbaumeister Bernhard Dieterle-Bard widersprach all diesen Einwänden. Das Areal ist, ohne den Ort zu durchfahren, über die Nordumfahrung und A 8 angeschlossen. Weil die Einfahrt in den Kreisverkehr von Osten her bereits überlastet ist, ist ein Bypass notwendig, den der Landkreis Böblingen bereits in sein Arbeitsprogramm 2020 aufgenommen hat. Er wird ihn bauen und finanzieren.

„Eine Gefälligkeitsplanung kann es schon aus dem Grunde nicht sein, weil es kein vorhabenbezogener Bebauungsplan ist“, sagte der Stadtbaumeister. Sollte sich aus irgendeinem Grund nicht Akka hier ansiedeln – mit der Firma wurde allerdings eine Ansiedlungsvereinbarung abgeschlossen – dann gelten die Vorgaben für jeden anderen Interessenten. Wie etwa die, dass ein Parkhaus zum Friedhof hin an drei Seiten baulich geschlossen und vollständig begrünt sein muss.

„Die Dieselstraße war vor der Nordumfahrung unsere Hauptumgehungsstraße“, gab Killinger zu bedenken. Die sei inzwischen so umgebaut, dass sie niemand befahre, der hier nicht Triftiges zu erledigen habe. Deshalb sprach sich die Verwaltung auch gegen den Antrag der Gabl aus, die Ein- und Ausfahrt zum Akka-Gelände östlich der Kreuzung der Diesel- mit der Gebersheimer Straße zu verlegen. Keine Fürsprecher fanden die Grünen dafür auch in den Fraktionen der CDU, der BWV, der UBR, und so wurde der Antrag abgelehnt.

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