Neuer Finanzbürgermeister in Leonberg Schillack gibt schon auf, bevor es erst losgeht

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Maic Schillack will nicht mehr. Foto: factum/Granville

Leonberg - Der gewählte Leonberger Finanzbürgermeister will nun doch nicht. In einem persönlichen Brief an Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) schreibt Maic Schillack, dass er „zur Auffassung gekommen ist, dass hier kein guter Ausgangspunkt für meine Tätigkeit gegeben ist“. Im Klartext: Der amtierende Finanzdezernent von Neustadt am Rübenberge bleibt im Rathaus der niedersächsischen 45 000-Einwohner-Stadt. Der Wechsel nach Leonberg ist vom Tisch.

Der kommunalpolitische Paukenschlag zum Jahresende kommt nicht völlig unerwartet. Zwar hatte sich Schillack bei der Wahl im Gemeinderat Mitte November mit einer Stimme Mehrheit gegen den Amtsinhaber Ulrich Vonderheid (CDU) durchgesetzt und war damit zum künftigen Chef der Dezernate Finanzen, Soziales und Ordnung gewählt worden.

Watsche bei Wahl zum OB-Stellvertreter

Doch ein weiterer Titel blieb ihm vorerst verwehrt. Als es Mitte Dezember im Gemeinderat um die Position des Ersten Bürgermeisters ging, der den OB vertritt, erhielt Schillack keine Mehrheit. Und das, obwohl Baubürgermeister Klaus Brenner nicht gegen ihn angetreten war. Verschiedene Stadträte hatten beklagt, dass der neue Mann noch nicht ausreichend bekannt sei, um ihn mit dem zweithöchsten Amt der Stadt zu betrauen. Auch, dass er bei der Wahl nicht persönlich erschienen war, stieß auf Unverständnis. Schließlich hatte die CDU öffentlich die Niederlage Vonderheids bedauert und den Freien Wählern indirekt vorgeworfen, diese mit verursacht zu haben.

All das hat bei Maic Schillack offenbar „den Eindruck erweckt, dass in Leonberg nicht überzeugend gewünscht wird, dass ich als Finanzbürgermeister tätig werde“. Der niedersächsische Kommunalpolitiker ohne Parteibuch beklagt in seinem Brief an OB Cohn, den Schillack unserer Zeitung zur Kenntnis gegeben hat, eine „schwierige Kontaktaufnahme zum politischen Umfeld“. Auf persönliche Anschreiben an die Leonberger Fraktionen habe er „nahezu keine Resonanz“ erhalten.

Fehlende Unterstützung oder bessere Perspektive?

Ausschlaggebend für seinen Rückzug seien „die Signale gewesen, dass man sich eine andere Konstellation und einen lokal stärker verorteten Kandidaten gewünscht“ habe. „Aber bereits das erste knappe Wahlergebnis und auch das dann folgende ablehnende Ergebnis der Wahl zum Ersten Bürgermeister sind Faktoren, die es mir unmöglich machen, meinen Dienstantritt bei Ihnen durchzuführen.“ Ohne ein „enges Zusammenstehen aller Beteiligten“ könne er seine Ziele in der Finanz- und Sozialpolitik nicht umsetzen. „Das scheint mir leider nicht gegeben.“

Offenbar sieht Maic Schillack an seiner jetzigen Wirkungsstätte bessere Perspektiven: Vor seiner Entscheidung, so schreibt er an Cohn, „hatte ich in Neustadt mit unserem Verwaltungsvorstand und Bürgermeister Herbst Gespräche geführt, die mir haben deutlich werden lassen, dass es hier durchaus noch eine berufliche Zukunft für mich gibt“.

Stelle wird wohl erneut ausgeschrieben

Nach Schillacks Rückzug, von dem Oberbürgermeister Cohn die Fraktionsspitzen am Montagabend in einer eilends einberufenen Krisensitzung des Ältestenrat informiert hat, deutet nun alles auf eine neuerliche Ausschreibung hin.

Der OB bedauert die Absage des gewählten Bewerbers, sei er doch „für die Position sehr gut geeignet“. Seine Beweggründe für den Abgang müsse Schillack mit sich selbst ausmachen: „Ich wünsche ihm aber alles Gute für die Zukunft.“

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