Neuenbühl in Flacht Weissach erweitert sein Gewerbegebiet

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Um fünf Hektar soll der bestehende Neuenbühl größer werden. Foto: factum/Simon Granville

Weissach - Das Gewerbegebiet Neuenbühl in Flacht wird um fünf Hektar erweitert. Das hat der Gemeinderat am Montagabend mit den Stimmen von Bürgerliste und Freien Wählern beschlossen. Nur Grüne und Unabhängige Liste waren dagegen. Damit kann die Erschließung, also der Bau der Straße und Kanäle, beginnen. 2021 sollen die Bagger rollen.

„Wir brauchen die Gewerbeflächen“, sagte der Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) im Gemeinderat. Vor allem örtliche Betriebe seien auf der Suche nach Erweiterungsmöglichkeiten. „Sonst verlieren wir diese Firmen, die zum Teil schon seit mehr als hundert Jahren bei uns in der Gemeinde angesiedelt sind.“ In Richtung Rutesheim soll das Flachter Gebiet Neuenbühl erweitert werden.

Die Goldammer brütet hier

Schon im Januar 2019 hatte der Gemeinderat dem Ansinnen grundsätzlich zugestimmt. Seitdem arbeiten die Planer der Gemeinde an dem Bebauungsplan, den der Gemeinderat nun gebilligt hat. Schwierig war dabei vor allem der Naturschutz. Die Goldammer und die Feldlerche, zwei gefährdete Vogelarten, haben in dem Bereich ihre Brutstätten. Auch ein Biotop gibt es beim Neuenbühl.

Als Ausgleich hat die Gemeinde mit der Naturschutzabteilung des Landratsamts einen Vertrag geschlossen und darin geregelt, dass für die Vögel Hecken und Blühstreifen angepflanzt werden – allerdings an anderen Stellen. Susanne Herrmann, die Fraktionschefin der Unabhängigen Liste, kritisiert die Pläne deswegen. „Wie sollen diese Vögel die Brutstätte finden?“, fragt sie. Auch wenn das geprüft und rechtskräftig sei, erschließe sich ihr das in keiner Weise. „Das zeigt erneut beispielhaft, wie alles weichen muss, wenn gebaut wird.“ Der Bürgermeister verweist auf den Vertrag mit dem Landratsamt. Der räumliche Zusammenhang sei selbst dann noch gegeben, wenn man die Ersatzmaßnahmen in Renningen umsetzen würde.

Wegen des Naturschutzes üben auch die Grünen Kritik an dem Gewerbegebiet. Sie scheiterten im Gemeinderat allerdings mit ihrem Antrag, eine Dachbegrünung und Nisthilfen vorzuschreiben und Glasflächen zu verbieten, um die Vögel zu schützen. „Mit diesen ökologischen Maßnahmen könnten wir den Flächenverbrauch zumindest teilweise abfangen“, erklärt die grüne Gemeinderätin Christina Wiggenhauser das Ansinnen ihrer Fraktion. Viele Arten seien vom Aussterben bedroht. „Wir können unseren kleinen Teil dazu beitragen, wenn wir jetzt den Bebauungsplan ökologisch ausgestalten.“

Nur dem Vorschlag einer insektenfreundlichen Beleuchtung folgte die Mehrheit des Gremiums, der Rest wurde abgelehnt. Auch, weil er zu spät erfolgt sei. Im Januar 2019, als das Planungsverfahren begonnen wurde, waren die Grünen noch gar nicht im Gemeinderat. „Wenn wir diese Vorschriften jetzt noch ergänzen, müssten wir den Bebauungsplan nochmals überarbeiten und auslegen“, sagt Katharina Baumann, die Leiterin des Ortsbauamts der Gemeindeverwaltung. Mehrere Monate Verzögerung seien die Folge. „Bei der Beratung der späteren Bauherren werden wir gerne die Vorschläge wie die Dachbegrünung und Nisthilfen ansprechen.“ Auch der Bürgermeister hatte sich gegen die Vorschriften ausgesprochen. Weissach sei sehr ökologisch unterwegs, zuletzt zum Beispiel mit der Aktion „insektenfreundliche Kommune“. „Da vertun wir nichts, wenn wir diese restriktiven Vorgaben, die teilweise auch ideologisch getrieben sind, ablehnen“, sagte Daniel Töpfer vor der Abstimmung. Der Neuenbühl sei aktuell die einzige Möglichkeit, zusätzliche Gewerbeflächen zu schaffen. Danach ist Schluss, sagte Töpfer.

Hoffnung auf eine Bushaltestelle

Schon im Juli waren die Grünen mit ihrem Antrag, das Gewerbegebiet zu stoppen, gescheitert. Bereits im kommenden Jahr soll nun mit den Erschließungsarbeiten im künftigen rund fünf Hektar großen Gewerbegebiet begonnen werden. Ausgeschlossen sein sollen im künftigen Gewerbegebiet aus Umwelt- und Lärmschutzgründen Tankstellen, Logistikbetriebe oder Vergnügungsstätten. Auch Supermärkte auf der grünen Wiese strebe Weissach nicht an. Angestrebt wird dagegen, dass der Landkreis dort eine Bushaltestelle errichtet.

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