Neue Rektorin in Weil der Stadt Auch sie selbst lernt nie aus

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Seit 2011 unterrichtet Sascha Annette Sauter in Weil der Stadt. Foto: factum/Weise

Weil der Stadt - Die Kisten stehen noch im Rektoratsbüro, auch der Maler war noch nicht da. In Weil der Stadt passt das   aber zur Gemeinschaftsschule. Das ganze Gebäude ist dringend renovierungsbedürftig, im Rathaus laufen schon die ­Planungen für die Millionen-Sanierung. Sascha ­Annette Sauter schreckt das nicht ab, genau hier durchzustarten. Seit Sommer leitet sie die Schule kommisarisch, jetzt hat das Regierungspräsidium sie zur neuen Rektorin der Steinhöwel-Schule ernannt.

„Wir müssen eben mit Pädagogik ­punkten, nicht – wie andere – mit einem ­schönen Gebäude“, sagt sie, und ist schon ­mittendrin in ihren Leidenschaftsthemen. Pädagogik und Schulentwicklung, Gemeinschaftsschule und Inklusion. Als Lehrer hat man zwei Möglichkeiten. Man interessiert sich für Schule, arbeitet programmatisch, beteiligt sich an Schulversuchen, entwickelt Leitlinien. Oder man hält Unterricht und verschwindet dann nach Hause – und hat weniger Arbeit. „Ich weiß nicht, ob es dann mehr Spaß macht“, sagt Sauter.

Studium in Heidelberg

Lehrerin wollte sie schon immer werden. Nach dem Abi in Balingen studiert sie in Heidelberg. Grundschullehramt, eben weil da die Pädagogik mehr im Vordergrund steht als bei den Studiengängen fürs Gymnasium. Ein Jahr ist sie nach dem Studium an der Leonberger Schellingschule, danach 14 Jahre lang am der Klostergarten-Grundschule in Sindelfingen – zu jener Zeit eine innovative Schule, wo Schulleitung und Lehrer versuchen, neue Wege zu gehen. „Da lernt man die Organisation einer Schule wirklich kennen“, erinnert sich Sauter.

Die heute 48-Jährige hat da aber noch lange nicht ausgelernt. Sauter wird Fach­beraterin für Deutsch und gibt in dieser Funktion Fortbildungen für andere Kollegen. Zwei Jahre lang war sie an das Kultusministerium abgeordnet, auch dort hat sie im Referat Fortbildung gearbeitet. „Die Welt dreht sich weiter, wir können das nicht ignorieren“, sagt sie. Deshalb sind Fortbildungen in ihrem Beruf so wichtig.

2011 dreht sich die Welt vor allem in ­Baden-Württemberg weiter. Die grün-rote Landesregierung übernimmt, und das Wort Gemeinschaftsschule taucht in der Bildungspolitik auf. Die Landesregierung sucht nach Lehrern, die das Konzept dazu entwickeln und mittels Fortbildung weitertragen. Sascha Annette Sauter ist ­damals einer der neuen „Fachberater für ­Gemeinschaftsschulen“ – genau ihr Ding, denn die Aufteilung nach der 4. Klasse fand sie noch nie gut. „Es ist der richtige Weg, Kinder nicht zu früh zu sortieren“, sagt die Pädagogin. „Ich habe immer auch an der Hauptschule gern unterrichtet – aber als System fand ich diese Schulart nie richtig.“ Zu jener Zeit lernt sie bei einer Fortbildung auch Jochen Holzwarth kennen. Er war der umtriebige Rektor in Weil der Stadt, der die dortige Grund- und Hauptschule aus dem Dornröschenschlaf geweckt und eine Innovation nach der anderen installiert hat. Wer Holzwarth und Sauter kennt, merkt sofort, dass beide ähnlich ticken. „Eine solche Schule hatte ich gesucht, wo man Innovationen gewohnt ist“, erinnert sich Sascha Annette Sauter. „Hier hatte ich den Eindruck, dass es so ist.“

In Weil der Stadt erarbeitet sie das Konzept der Gemeinschaftsschule

2011 wechselt sie von Sindelfingen nach Weil der Stadt. An der Steinhöwel-Schule übernimmt sie die Leitung der Steuergruppe, die die Schulentwicklung vorantreibt. Federführend ist sie zum Beispiel an dem Konzept beteiligt, die Schule zur Gemeinschaftsschule zu machen. 2015 gelingt das in Weil der Stadt. Nebenbei wird Sascha Annette Sauter selbst noch einmal zur Schülerin und macht in Freiburg 2016 einen Master in „Schul- und Unterrichtsentwicklung“.

2017 geht der Vize-Rektor Ulrich Markwald in den Ruhestand. „Ich hab mir lange überlegt, ob ich den Schritt in die Schul­leitung wagen soll“, erinnert sich Sauter. Ihre Rolle war bislang eher die Fachberaterin, die Fortbildungen gibt. „Mir ist aber klar geworden, dass ich die Dinge selbst umsetzen will“, sagt sie. „Die Hebel liegen bei allen Entscheidungen ja immer bei der Schulleitung.“ Nur ein Jahr lang arbeitet sie mit Jochen Holzwarth zusammen, im Sommer 2018 verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Was hat sie jetzt vor? Sauter nennt ­Inklusion als Herausforderung, also der ­gemeinsame Unterricht mit behinderten Kindern. „Es gibt nicht viele, die sich für ­Inklusion aussprechen“, stellt sie fest. Und dennoch: Es überwiegen die Vorteile, davon ist sie überzeugt. „Ich denke, dass es der richtige Weg ist“, sagt sie. Zwei bis fünf Kinder mit Behinderung gibt es an der Steinhöwel-Schule pro Jahrgang, eine Sonderpädagogik kümmert sich um sie.

Auch die Gemeinschaftsschule steht vor neuen Herausforderungen. 2020 machen die ersten Schüler den Hauptschul­abschluss, ein Jahr später dann die Mittlere Reife – eine wirkliche Premiere für die frühere Hauptschule. „Wir hospitieren schon an der Realschule, damit wir das Niveau kennenlernen“, berichtet die Pädagogin.

Und dann gibt es da noch das marode Schulgebäude und die große Sanierung. „Uns wurde zugesichert, dass wir bei den Planungen mitreden dürfen“, sagt die Rektorin, die selbst in Renningen wohnt. Dabei geht es dann auch, ganz baulich, um Schulentwicklung. Genau das richtige also für Sascha Annette Sauter.

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