Neue Klinikseelsorgerin Offenes Ohr für Patienten und Weißkittel

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Von der geschäftsführenden Pfarrerin zur Klinikseelsorgerin: Ulrike Zizelmann-Meister. Foto: Jürgen Bach

Leonberg/Gerlingen - Mit Pfarrerin Ulrike Zizelmann-Meister hat das Leonberger Krankenhaus eine neue Seelsorgerin, nachdem sich Pfarrerin Karin Lücking-Löw in den Ruhestand verabschiedet hat. Die Theologin ist bestens auf die Stelle vorbereitet, denn sie ist nicht nur in der klinischen, sondern auch in der systemischen Seelsorge ausgebildet. Das kommt auch der Robert-Bosch-Klinik auf der Schillerhöhe und den angrenzenden Kliniken Schmieder zugute, denn auch für die ist Ulrike Zizelmann-Meister seelsorgerisch zuständig.

Von Rottweil nach Leonberg

Ihre neue Aufgabe unterscheidet sich sehr von der bisherigen. Mehr als 15 Jahre waren sie und ihr Mann Holger in Rotenzimmern und Leidringen in der Nähe von Rottweil als Gemeindepfarrer tätig. „Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, es ist uns nicht leichtgefallen, wegzugehen. Doch es ist Zeit für eine Veränderung gewesen“, erzählt die dreifache Mutter, deren Kinder bereits auf eigenen Beinen stehen.

Die Entscheidung, vom ländlichen Raum in ein städtisches Umfeld zu wechseln, hat das Pfarrer-Ehepaar ganz bewusst getroffen. Holger Zizelmann hat die Stelle als Gemeindepfarrer im Stuttgarter Fasanenhof angetreten. „Und ich habe die Chance ergriffen, mich wieder auf die Seelsorge konzentrieren zu können. Als geschäftsführende Pfarrerin von Rotenzimmern blieb dafür im Arbeitsalltag wenig Zeit, und ich habe diese Seite meines Berufes vermisst“, erklärt sie.

Einstieg in Klinikseelsorge in den USA

Den Einstieg in die Klinikseelsorge hat Ulrike Zizelmann-Meister in den USA absolviert, wo das Paar ein Jahr gelebt und gearbeitet hat. Dort hat sie mit Menschen aller Nationen, Kulturen und Glaubensrichtungen zusammengearbeitet und die Offenheit und Gesprächsbereitschaft, die ihr dabei begegnet sind, sehr geschätzt: „Ureinwohner, Mormonen, Orthodoxe, Christen – das war ein kunterbunter Schmelztiegel“, erzählt sie begeistert. Sie hat sich vorurteilsfrei mit allen auseinandergesetzt, viele Gespräche geführt und viel gelernt.

Auch in ihrem neuen Arbeitsumfeld trifft die weltoffene Pfarrerin ganz verschiedene Menschen in ihren individuellen Lebenssituationen. Als Krankenhaus-Seelsorgerin steht Ulrike Zizelmann-Meister nicht nur den Patienten zur Seite, sondern auch dem Klinikpersonal. Darüber ist der Leonberger Klinikchefarzt Michael Sarkar froh, der das im Willkommensgottesdienst in der Leonberger Stadtkirche Ende Mai betont hat.

Eine neutrale Gesprächspartnerin

Denn letztendlich bedeutet ihr Einsatz auch die Entlastung des Klinikpersonals, dem die Pflicht oft zu wenig Zeit für Gespräche mit den kranken Menschen lässt.„Es sind harte Zeiten für Pfleger und Ärzte. Deshalb ist es gut, wenn sie bei Bedarf mit einer neutralen Gesprächspartnerin, die von außen kommt, reden können“, sagt die Pfarrerin und weist dabei explizit auf die Schweigepflicht der Kirchenmänner und Kirchenfrauen hin.

Ganz pragmatisch bereitete sich die 54-Jährige auf ihre neue Aufgabe vor und hospitierte zunächst in den drei Einrichtungen. „Ich möchte das System Krankenhaus verstehen“, sagt sie. „Wie funktioniert Pflege? Unter welchem Druck stehen Pfleger und Ärzte? Wie wird miteinander kommuniziert? Wie geht man gut mit unzufriedenen Patienten um und wie verhält man sich gegenüber Patienten, die kaum oder gar nicht ansprechbar sind?“ Hier wollte die Seelsorgerin Einblick bekommen.

Anpacken im Klinikalltag

Deshalb half sie bei der Essensausgabe, bezog schon mal die Betten neu und hatte respektvoll die Pflegearbeit im Blick. Jede der drei Kliniken sei anders, und für Ulrike Zizelmann-Meister war es wichtig, dass sie in jeder Kontakte aufbauen kann und die Mitarbeiter kennenlernt. Denn die wissen meist am besten, wo Besuche und Gesprächsangebote gewünscht und hilfreich sind. „Ich bin ein absoluter Team-Mensch. Das Miteinander und die gute Zusammenarbeit sind für mich sehr wichtig.“

Dass es dabei auch mal „menschelt“, vor allem, wenn die Arbeitslast überhandnimmt, ist unausweichlich, doch damit kann sie umgehen. „Ich schätze es, wenn mir offen begegnet wird, auch wenn mal was nicht richtig läuft. Das göttliche Bodenpersonal weiß auch nicht immer alles“, sagt die sattelfeste Pfarrerin und schmunzelnd. Ihr liebstes Hobby ist neben dem Lesen das Reiten.

Der Herrgott muss mithelfen

Im Leonberger Krankenhaus ist Ulrike Zizelmann-Meister auch Teil des Ethik-Komitees und des interdisziplinären Teams. Sie freut sich rundum auf die vielfältigen Aufgaben: „Der liebe Herrgott muss eben mithelfen“, sagt sie mit einem Lachen, „dann klappt alles.“

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