Naturschutz in Rutesheim Weidenkätzchen sind Nahrung für Bienen

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Sie sind im Frühjahr eine Augenweide für den Betrachter und zugleich eine beliebte und einträgliche Bienenweide – die roten Weidenkätzchen. Foto: privat/privat

Sie sind wunderschön, sehr selten, besonders geschützt und die Bienen lieben sie – die roten Weidenkätzchen. Der Obst- und Gartenbauverein Rutesheim (OGV) rührt derzeit die Werbetrommel und ruft Gartenbesitzer dazu auf, rote Weidenkätzchen zum Schutz und für das Überleben der Honigbienen und anderer wild lebenden Bienen zu pflanzen. Deshalb sind bei der Aktion auch lokale Imker im Boot.

Rolf Bäuerle, der Vorsitzende des OGV, versucht, mit den hiesigen Imkern am 14. Mai Garten- und Grundstücksbesitzer zum Pflanzen von Weiden anzuregen. Für die richtigen Sorten sorgt der Gärtnermeister Maurus Senn. Ihn hat der Verein als Partner für die Aktion gewinnen können. Maurus Senn ist zwar in Vaihingen an der Enz daheim, aber als langjähriger Betreiber des ehemaligen Rutesheimer Raiffeisen-Marktes in der Moltke-Straße hat er noch immer gute Beziehungen zum OGV. Ihm ist es gelungen, eine neue Sorte mit roten Kätzchen und stark duftenden Blütenpollen für den Garten zu bekommen.

Beliebtes Futter im Frühling

Das sei mehr als nur erste Hilfe, sondern es ist als dauerhafte Unterstützung gedacht, die die Insektenvielfalt unserer Heimat bewahren soll, sagen die Organisatoren. „Blühpflanzen in Gärten und Blumenwiesen sind eine gute Sache und der richtige Weg zum Respekt unserer Natur gegenüber und den darin fast unsichtbaren, lebenden Kreaturen“, sagt der Gärtnermeister Maurus Senn.

Doch der Fachmann weiß, dass diese „angelegten“ Blumenwiesen zu einer Zeit Insekten Nahrung bieten, in der der Tisch sowieso gut gedeckt ist. Hingegen brauchen die Insekten, voran die Honigbiene und fast alle Wildbienen, dazu zählen auch die Hummeln, dringend Nahrung früh im Jahr, wenn sie das Winterquartier bei den ersten wärmenden Tagen verlassen. Bei Temperaturen um die zehn Grad fliegen die Bienen aus ihrer Behausung, um sich zu reinigen und ihre Därme zu leeren. „Jetzt haben sie aber auch mächtigen Hunger, und gleichzeitig müssen sie auch ihre Artgenossen ernähren, – und die brauchen für die Brutpflege viele eiweißreiche Blütenpollen und Nektar“, erläutert Maurus Senn. Dabei haben die Weidenkätzchen von den Frühblühern die höchste Qualität und Menge an Pollen und Nektar.

Hohe Pollenqualität

Bienenexperten wissen, dass die Weidenblüte, vor allem die früh blühenden Arten, für das Bienenvolk die beste Massentracht im Jahresablauf darstellt. Die angelegten Pollenvorräte reichen meist bis zur später beginnenden Obstblüte. Die Überprüfung der Pollenqualität der Weidenkätzchen habe gezeigt, dass Weidenpollen zu den wertvollsten Arten gehören. Ihr besonderer Nährwert verschafft den Bienen nicht nur eine hohe Lebensdauer. Vor allem für die Brutaufzucht und die Wachserzeugung wichtigen Drüsensysteme werden in ihrer Entwicklung gefördert, außerdem wird die Widerstandskraft gegenüber Krankheitserregern gestärkt.

Bereits Sebastian Kneipp erkannte den großen Wert der Weidenkätzchen und riet den Imkern im Jahr 1897: Für jedes Volk einen Weidenbaum. „Leider finden wir in Hausgärten, auf Wochenendgrundstücken und am Rande oder in Lücken von Streuobstwiesen kaum Weidenbäume. Auch im öffentlichen Grün sind Weidenkätzchen selten“, bedauern Rolf Bäuerle und Maurus Senn.

Kein Problem für Allergiker

Dabei muss niemand Angst vor einer Pollenallergie haben. Obwohl die Kätzchenweide eine große Menge Pollen bilden, verursachen sie keine Allergien, denn sie sind Insektenbestäuber und werden nicht vom Wind in die Umgebung geschleudert. Haselnuss, Erle und andere Gehölze sowie viele Gräserarten dagegen verteilen ihre Pollen zur Befruchtung oft über weite Strecken durch die Luft und können somit problematisch für Allergiker werden.

Wer die roten oder silbrigen Weidenkätzchen gerne in einem Strauß verarbeiten oder in den „Herrgottswinkel“ stecken möchte, darf diese nicht der offenen Natur entnehmen, denn sie sind streng geschützt. Das Ausgangsmaterial für die Stecklinge beim OGV stammt deshalb aus professionellen Zuchtbetrieben. Die rote Sorte „Rotkätzchen“ ist sogar sortengeschützt und darf ohne Lizenz nicht vermehrt werden.

Diese Sorte mit dem Namen „Rotkätzchen“ sei ideal für den Hausgarten, weil sie nur etwa zwei bis drei Meter hoch wird und sehr früh blüht. „Sie sollte in keinem Garten fehlen. Mit einigen Schnittmaßnahmen kann sie sogar noch kleiner gehalten werden und hat überall Platz“, weiß der Gärtnermeister. Sie sei auch für den Außenbereich auf Freizeitgrundstücken und Lücken in Streuobstwiesen bestens geeignet. „Es ist übrigens auch der Lieblingsplatz des seltenen Zitronenfalters“, sagt Maurus Senn. Doch wieso werden die Stecklinge erst im Mai verkauft? „Wir wollen sicher sein, dass etwaige Eisheilige mit Spätfrösten ihnen nicht mehr schaden können“, sagen die Organisatoren.

Der Obst- und Gartenbauverein Rutesheim verkauft die Weidenpflanzen am Samstag, 14. Mai, von 9 bis 14 Uhr vor dem Rutesheimer Gymnasium (Bushaltestelle) in der Robert-Bosch-Straße für fünf Euro je Topf (solange der Vorrat reicht). Eine Reservierung bis spätestens zum 29. April wird per E-Mail an info@meinschoenerhausgarten.de. empfohlen.

Wer sich mit den Ideen und Aufgaben des OGV Rutesheim identifizieren und Mitglied werden möchte, wird ebenfalls mit einer roten Weidenpflanze belohnt.

Die mitmachenden Imker belohnen die Aktion mit einem besonderen Angebot: Beim Kauf von zwei Glas Honig je 500 Gramm erhalten die Kunden ein Rotkätzchen im Wert von fünf Euro gratis dazu. Nähere Auskunft dazu gibt Dieter Butzer unter der Telefonnummer 0 71 59 / 1 88 24.

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