Nahverkehr Weil der Stadt will den Metropol-Express

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Am Bahnhof Feuerbach wird für S 21 kräftig gebaut. Wird dabei auch ein Zug nach Calw berücksichtigt? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Weil der Stadt - Weil der Stadts Bürgermeister Christian Walter will mit dem Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) Kontakt aufnehmen und für einen Metropol-Express werben. Das kündigte Walter am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung an und holte sich dafür die Zustimmung der Fraktionen ein. „Wir müssen jetzt die Weichen im Bereich Feuerbach stellen“, sagte der Bürgermeister. „Mein Anliegen ist es, dieses Thema voran zu treiben.“

Der Metropol-Express (MEX) für die Strecke Stuttgart-Calw ist eine Idee einer Gruppe von privaten Bahnexperten um den Leonberger Hans-Joachim Knupfer, den Holzgerlinger Reinhard Hackl und den Renninger Erwin Eisenhardt, die sich zur „Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn“ (Baus) zusammengeschlossen haben. Metropol-Expresse lösen die heutigen Regional-Expresse ab und fahren von Stuttgart aus zum Beispiel nach Pforzheim, Horb, Tübingen und Heilbronn. Je mehr sie sich Stuttgart nähern, desto seltener halten sie, um damit das Umland besser an die Landeshauptstadt anzubinden.

Von diesem Vorteil würden auch Calw, Weil der Stadt, Renningen und Leonberg profitieren, da der MEX zwar seltener fährt als die S-Bahn, dafür aber nicht überall hält und somit schneller ist. Calws Landrat Helmut Riegger (CDU) hatte deshalb vor einer Woche gefordert, die Infrastruktur zu schaffen, um den MEX künftig zu ermöglichen. Ebenso Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD), der sagte, der MEX würde „das Mobilitätsangebot der gesamten Region deutlich verbessern“.

Der VRS ist kritisch

Kritisch ist der Verband Region Stuttgart (VRS), der die S-Bahn betreibt. „Wir können in unserem Raum kein Interesse daran haben, die S-Bahn Linie, durch die wir eine hervorragende Erschließung haben, mit einem anderen Verkehrsmittel zu belasten“, sagt der Renninger Regionalrat Bernhard Maier (Freie Wähler) unserer Zeitung. „Die S-Bahnen sind sowieso am Anschlag und haben wegen der Trassenbelegung mit der Pünktlichkeit zu kämpfen.“ Deshalb habe man ja auch Bedenken gegen die Calwer Hesse-Bahn bis Renningen gehabt.

Ein weiterer Oberbürgermeister an der Strecke ist ebenfalls Regionalrat und zeigt sich deshalb ebenfalls skeptisch. Michael Makurath (SPD) aus Ditzingen findet, die S 6 habe „eine herausragende Verkehrsbedeutung“. „Wir legen deshalb größten Wert darauf, dass die Qualität dieser Anbindung durch Veränderungen nicht leidet“, sagt Makurath. Und Hans Dieter Scheerer (FDP), Regionalrat und Weil der Städter Stadtrat, fordert, zunächst abzuwarten, wie sich die Hesse-Bahn und die Express-S-Bahn entwickeln. „Jetzt einen zusätzlichen Zug aufs Gleis zu setzen, halte ich nicht für zielführend.“

Ob das Abwarten geht, ist fraglich. Hans-Joachim Knupfer von der Bürgeraktion weist darauf hin, dass man den MEX jetzt bei den Planungen des künftigen Tiefbahnhofs Stuttgart 21 berücksichtigen müsse. Sonst werde die Nordschwarzwald-Linie aus Calw und Leonberg vom Tiefbahnhof abgehängt und die spätere Nachrüstung des Metropol-Expresses sei nicht möglich.

Ein Nadelöhr ist der Bahntunnel bei Feuerbach. Dort passt – Stand heute – kein zusätzlicher Zug mehr durch. Um Abhilfe zu schaffen, verhandelt das Land mit dem Bund um den Bau zusätzlicher Schienen von Feuerbach nach Bad Cannstatt. Das würde den Tunnel entlasten und Kapazität schaffen. „Und dies würde die infrastrukturellen Voraussetzungen einer Linie von und nach Calw deutlich verbessern“, bestätigt eine Sprecherin des Verkehrsministers unserer Zeitung.

Regionalräte befürchten eine Gefährdung der S-Bahn

Ebendarum drehen sich jetzt die Verhandlungen. „Die Möglichkeit, später mal nach Calw fahren zu können, muss man jetzt schon in der Ausführungsplanung berücksichtigen“, sagt Hans-Joachim Knupfer. Er sieht bei dem Thema Gefahr in Verzug und fordert die örtlichen Politiker zur schnellen Reaktion auf, damit später nicht alle Möglichkeiten verbaut sind.

Dass der Metropol-Express die S-Bahn gefährden könnte, wie die Regionalräte befürchten, sieht Knupfer nicht. „Der MEX entlastet die S-Bahn und macht sie dadurch pünktlicher“, erklärt er. Schon heute sei die S 6 überlastet. Was für Verspätung sorge, seien die vielen Menschen, die ein- und aussteigen und die lange Aufenthalte in den Bahnhöfen nötig machen: „Wenn  nun  die  Aufenthaltszeiten   der S-Bahnen kürzer werden, stabilisiert das ihren Fahrplan.“

Der MEX spreche neue Zielgruppen an, die heute nicht S-Bahn fahren, ist Knupfer überzeugt. „Damit ist er Teil der Verkehrswende, denn die überlastete S-Bahn wird es durch noch mehr Draufsatteln nicht – ihre Betriebsqualität wird immer fraglicher“, sagt er. Er weist zudem darauf hin, dass mit Stuttgart 21 auch ein zusätzlicher S-Bahn-Halt „Mittnachtstraße“ in Betrieb geht – und die S 6 deshalb künftig noch länger nach Stuttgart brauchen wird.

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