Nahverkehr in Leonberg Das Ziel sind 77 behindertenfreundliche Haltestellen

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Die Haltestelle am Krankenhaus ist in die Jahre gekommen. Foto: factum/Granville

Leonberg - So schlecht, wie es der Stadtseniorenrat und der Sozialverband VdK bemängeln, ist die Situation an den Leonberger Bushaltestellen nicht. Das sagt zumindest der Erste Bürgermeister Ulrich Vonderheid (CDU) und reagiert damit auf entsprechende Kritik beider Institutionen.

Von den 118 Haltestellen im kompletten Stadtgebiet seien 30 behindertenfreundlich ausgestattet, erklärt der für den Nahverkehr zuständige Dezernent. Das heißt, sie sind barrierefrei. Außerdem ist der Boden geriffelt, sodass sich Blinde und Sehbehinderte besser orientieren können.

UN plädiert für Barrierenfreiheit

Die Seniorenratsvorsitzende Margot Nittner hatte unlängst in unserer Zeitung moniert, dass lediglich 18 der 118 Haltestellen barrierefrei angelegt seien. Rückendeckung bekam sie von Hans-Otto Staubach vom Leonberger VdK. Beide verwiesen in ihrer Kritik auf die gesetzliche Vorgabe, bis zum Jahr 2022 einen barrierefreien öffentlichen Personennahverkehr zu erreichen. Grundlage hierfür ist die UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2009, wonach auch in Deutschland Bund, Länder und Kommunen aufgefordert sind, Barrieren abzubauen.

„Das Ziel, bis 2022 alle unsere Haltestellen umzurüsten, ist technisch nicht machbar“, erklärt hingegen Ulrich Vonderheid. Dafür seien oft die Bürgersteige zu klein oder es gebe andere Hinderungsgründe.

Dies sei aber zu verkraften, da sämtliche neuralgische Haltestellen und Knotenpunkte „bereits jetzt schon behindertfreundlich ausgestattet sind oder die Umrüstung geplant ist“, erklärt der Bürgermeister. „Rund ein Viertel ist auf dem neuesten Stand, weitere 47 können ausgebaut werden. Dann sind wir bei immerhin 77 von 118 Haltestellen.“ Allein für das kommende Jahr sind Arbeiten an zehn weiteren Busstationen im Haushalt vorgesehen.

10 000 Euro pro Haltestelle

Die Umgestaltung ist nach Vonderheids Worten nicht gerade eine günstige Angelegenheit. Rund 10 000 Euro sind, so sagt er, pro Haltestelle fällig, einschließlich der speziellen Riffelung für blinde und sehbehinderte Menschen. Zuschüsse gebe es keine: „Solche Ausgaben bleiben komplett an den Kommunen hängen.“

Um die Kosten zu reduzieren, würden die Stationen zumeist dann umgebaut, wenn in der Straße ohnehin gearbeitet werde.

Bei einer wichtigen Bushaltestelle, die häufig in der Kritik steht, kann die Stadt allerdings nicht selbst aktiv werden. Ausgerechnet die Station an der Zufahrt zum Krankenhaus ist völlig überaltet und alles andere als behindertengerecht.

Station am Krankenhaus ist veraltet

„Da können wir nichts machen, denn die Fläche gehört dem Landkreis“, erklärt Vonderheid. „Deshalb wäre es mehr als wünschenswert, wenn der Kreis, der gerne Appelle ausspricht, auch einmal selbst Hand angelegt.“

Der Bürgermeister betont, dass die behindertenfreundlichen Projekte nicht einfach so geplant werden: „All das wird im Arbeitskreis Inklusion besprochen, dem auch der Stadtseniorenrat und der VdK angehören. Das ist für uns schon seit vielen Jahren ein wichtiges Thema.“

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