Nachruf Die Familientradition war bei ihm in besten Händen

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Gerhard Philippin ist tot. Foto: privat

Rutesheim - Ein Platz am Stammtisch im Gasthaus „Lamm“ ist verwaist. Die Runde der Freunde und die Gäste werden den aufmerksamen Hausherrn und geschätzten Gesprächspartner vermissen. Im Alter von 69 Jahren ist am Tag vor Silvester völlig unerwartet der Metzgermeister Gerhard Philippin verstorben.

Das Leben geht oft seltsame Wege – fast auf den Tag genau vor 43 Jahren hat Gerhard Philippin seinen Vater verloren und musste von einem Tag auf den anderen mit seiner Ehefrau Waltraud und der Mutter den Ladenbetrieb weiterführen.

Es ist eine für alteingesessene, heimische Handwerker, die den strukturellen Wandel erkannt und mit Fleiß und Innovation gemeistert haben, typische Familiengeschichte, in die Gerhard Philippin hineingewachsen ist und die er mitgestaltet hat. Den Grundstein hat 1907 sein Urgroßvater Wilhelm Otto Philippin gelegt. Dieser hat den Gasthof Lamm eröffnet. Dazu gehörten eine Metzgerei und ein Saal, in dem die Vereine feierten. Durch diese Zusatzgeschäfte sicherte schon der alte Wilhelm Otto, später sein Sohn Otto Eberhard und während der Kriegsjahre dessen Frau Eugenie das Auskommen der Familie und aller Mitarbeiter. Der alte Saal wurde Mitte der 60er Jahre abgerissen. Anstatt der Vereinsfeste und Hochzeiten erschloss sich die Familie eine zusätzliche Einnahmequelle: Sie belieferte die großen Industriebetriebe, die sich seit den 50er Jahren im Ort ansiedelten, mit bis zu 700 Mittagsmahlzeiten.

Er liebte seinen Beruf

Nach dem Tod des Vaters hat Gerhard Philippin die Metzgerei übernommen. Die Geschäfte liefen auch in den 70er Jahren gut, die Familie schloss den Gasthof. Gerhard Philippin hat seinen Beruf aus tiefster Berufung gemacht und sich mit immer neuen Ideen gegen die Übermacht der Lebensmittelketten behauptet. Der große Wandel im Betrieb kam 2004, als feststand, dass zwei Söhne in vierter Generation in den Betrieb einsteigen werden und die neue Produktion aufgebaut wurde. Das Bistro kam hinzu und wurde der Renner.

Als vor zehn Jahren unter dem Lamm eine moderne Kühlanlage entstand, in der edelste Fleischstücke heranreifen, hatte Gerhard Philippin die Idee, die Tradition des Gasthauses wieder aufleben zu lassen. Seinen Kunden servierte er hier die besten Stücke, als Rostbraten, der mittlerweile weit über die Grenzen der Stadt bekannt ist. Qualität war seit jeher das Markenzeichen des hart und schwer arbeitenden Metzgermeisters, der auch gerne feierte – nicht nur auf dem vor zehn Jahren initiierten Hoffest in der Flachter Straße.

Gerhard Philippin hinterlässt die drei Söhne Klaus, Frank und Thomas – die beiden letzteren führen sein Lebenswerk weiter – und Ehefrau Waltraud. Während er der Mann mit den Ideen war, ist sie das Herz und die Seele des Familienbetriebs.

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