Nachruf auf Rose Schnaufer aus Weil der Stadt Ihre Heimat war das Engagement für andere

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Die Welt im Blick, Weil der Stadt stärkt ihr den Rücken – das war Rose Schnaufer. Foto: factum/Granville

Weil der Stadt - Heimat kann überall sein“, hat Rose Schnaufer vor zwölf Jahren in einem Gastbeitrag unserer Zeitung geschrieben. Für die Unternehmerin, Stifterin, Ehren- und Weltbürgerin war das keine Floskel. Sondern die Erfahrung aus einem ereignisreichen, 86-jährigen Leben, das nun zu Ende gegangen ist.

„Heimat kann überall sein. Überall dort, wo man auf gleiche Wurzeln, gleiche Erziehung, gleiche Traditionen trifft“, schrieb sie weiter. Wurzeln schlagen und Neues entdecken, sich dabei mit den Mitmenschen identifizieren, aber gleichzeitig den Blick weiten. Dieses Spannungsfeld hat jeder gespürt, der Rose Schnaufer in ihrem Wohnzimmer besucht hat. Hoch über Weil der Stadt residierte sie, die Stadt immer fest im Blick – aber dennoch ein klein wenig auf Distanz. „Meinen Blick auf Weil der Stadt find’ ich ganz entzückend“, sagte sie dann zum Beispiel. „Für mich ist die Stadt eine richtige kleine Welt geworden.“

Kindheit in Freiburg und der Schweiz

Eine kleine in der großen Welt, aus der sie kam, und die sie nie aus den Augen verlor. Das begann schon in der Kindheit, die sie in der Gegend um Freiburg und die Schweiz verlebte. Gependelt ist sie dabei zwischen zwei Staaten, deren Grenze damals noch ziemlich dicht war. „Schon als kleines Mädchen plagte mich die Erkenntnis, dass ich als Inländerin einstieg und als Ausländerin ausstieg“, hat sie einmal erzählt, „oder umgekehrt“.

Dieses Gefühl kehrte wieder, später, als sie Rolf Schnaufer, den Unternehmer und Mehrheitseigentümer der Weil der Städter Wolldeckenfabrik kennengelernt hatte. Nach Weil der Stadt sollte es damit 1957 gehen, in das Städtle, das sie nicht kannte, das ihr eine völlig fremde Welt war – als evangelische Badenerin. „Hier kann ich nicht bleiben“, klagte die junge Rose Schnaufer ihrer Mutter. Die indes gibt ihr damals einen weisen Rat: „Du musst dich engagieren, kümmere dich um die Menschen in deiner neuen Umgebung.“

Rose Schnaufer nimmt sich das zu Herzen – und wie! 1975 wird sie in den Gemeinderat gewählt. Als promovierte Wirtschaftsjuristin musste sie sich in die Themen nicht lange einarbeiten. Eigenständig blieb sie auch in diesem Ehrenamt. Während ihr Mann als langjähriges FDP-Mitglied ein liberales Urgestein war, schloss sich Rose Schnaufer nach ihrer Wahl der CDU an.

Fortan war sie die einzige Frau in den Reihen der Kommunalpolitiker. Dass ihr Leben auch darin bestand, Männerdomänen zu durchbrechen, stand für Rose Schnaufer nicht im Vordergrund. „Natürlich habe ich immer versucht, auch die weibliche Sicht der Dinge in die Diskussionen einzubringen“, sagte sie 2007. Damals wurde sie 75 Jahre alt und bekam von den Weil der Städtern ein ganz besonderes Geschenk: die Ehrenbürgerschaft, die erste für eine Frau. „Etwas erschrocken“ sei sie schon gewesen, wird berichtet, „Ich habe mich gefragt, ob ich dem überhaupt gerecht werden kann.“

Ihre drei Stiftungen prägen Weil der Stadt

Natürlich wurde sie das, nicht nur als Vorsitzende des Heimatvereins. Auch ihre drei Stiftungen prägen Weil der Stadt, zum Teil – ganz Rose Schnaufer – mit Spuren in der Welt. Zum Beispiel in Peru. Unámonos ist allen Weil der Städtern ein Begriff. Ihr Mann, der Wolldeckenfabrikant, war dort schon in den 50er-Jahren regelmäßig auf der Suche nach Lama- und Alpacahaaren. „Als wir uns kennengelernt haben, hat er mich gefragt, ob ich eigentlich Peru kenne“, erzählt sie einmal schmunzelnd. Und klar, die Weltbürgerin Rose Schnaufer kannte Peru damals in den 50-er Jahren natürlich auch schon, ihre Familie mütterlicherseits war nach dem Ersten Weltkrieg dorthin ausgewandert. „Das sind wirklich Zufälle, die sich durch mein Leben ziehen.“ Die Stiftung Unámonos, die die Schnaufers später gründeten, betreibt bis heute in Arequipa ein Kinderheim, in dem sich etwa 35 Lehrkräfte und Helfer um 100 Kinder kümmern. Kinder lagen Rose Schnaufer am Herzen, auch an der Weil der Städter Kinder- und Jugendstiftung war sie maßgeblich beteiligt, um ein wenig Leid zu lindern.

„Manches muss man einfach ertragen und akzeptieren“, sagte sie einmal. Schmerzhaft für sie war zum Beispiel der Untergang der Wolldeckenfabrik. Doch dort, wo man etwas bewegen kann, war Rose Schnaufer immer und immer wieder Impulsgeberin, Schafferin und Mithelferin – und wurde damit, irgendwann, auch zur Weil der Städterin. „Mancher Querkopf ist hier daheim“, hat sie immer gesagt.

Rose Schnaufer ist selbst ein solcher Querkopf. Nun ist sie verstorben. Ihre Spuren in Weil der Stadt und in der Welt werden bleiben.

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