Brandstiftung neben Flüchtlingsheim in Vaihingen/Enz Polizei sieht keine Hinweise auf Fremdenhass

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80 Feuerwehrleute kämpfen am Dienstagabend gegen die Flammen im Anbau einer Vaihinger Flüchtlingsunterkunft. Foto: Andreas Rosar

Vaihingen/Enz - Das Feuer bei einer leer stehenden Flüchtlingsunterkunft im Vaihinger Stadtteil Horrheim am ersten Weihnachtsfeiertag wurde vermutlich absichtlich gelegt. Man müsse davon ausgehen, dass es sich im Brandstiftung handelt, sagt der Polizeisprecher Peter Widenhorn. Zwar seien noch viele Spuren auszuwerten, derzeit gebe es aber keine Anhaltspunkte für eine andere Brandursache.

Die Heilbronner Staatsanwaltschaft teilt mit, dass man „eine vorsätzliche Brandlegung nicht ausschließen kann“. Derzeit werde der Brandort noch von Kriminaltechnikern untersucht.

Verletzt wurde bei dem Feuer niemand

Bei dem Feuer war am Dienstag gegen 20.30 Uhr unter dem Vordach eines ehemaligen Sportheims gelagertes Holz in Flammen aufgegangen. Ebenso brannten Maschinen einer benachbarten Gärtnerei, die unter dem Dach abgestellt waren.

Die Feuerwehren aus Vaihingen, Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg rückten mit insgesamt 20 Fahrzeugen und rund 80 Einsatzkräften aus und konnten ein Übergreifen der Flammen auf die derzeit unbewohnte Unterkunft verhindern. Den Schaden an dem Gebäude schätzt die Polizei auf rund 10 000 Euro.

Noch in der Nacht war der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch vor Ort, er ist schockiert über das Verbrechen. „Es ist übel, dass jemand einen Brand legt – egal aus welchem Motiv heraus.“ Man müsse den Vorfall „in alle Richtungen untersuchen“. Was eben auch heißt: Im schlimmsten Fall geht es auch um den Verdacht eines politisch motivierten Anschlags in seiner Stadt. Da allerdings nicht die Unterkunft selbst, sondern ein Nebengebäude brannte, „könnte die Motivlage auch eine andere sein“, sagt er. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei freilich haben derzeit „keinerlei Hinweise auf eine mögliche fremdenfeindliche Motivation“.

Seit zwei Wochen stand das Gebäude leer

Nach Auskunft des Ludwigsburger Landratsamts steht die Unterkunft seit Mitte Dezember leer. Der Kreis hat das Haus von einem privaten Eigentümer gemietet, um dort Flüchtlinge in der sogenannten Erstunterbringung einzuquartieren – Menschen also, über deren Aufenthaltstatus noch nicht entschieden ist. Zuletzt lebte laut dem Landratsamt eine Familie in dem Gebäude. Trotz des Feuers plant der Kreis nach eigenen Angaben, das Gebäude auch künftig als Unterkunft zu nutzen. Den Anbau, der am Dienstag in Flammen aufging, hatte der Kreis nicht angemietet.

Der Brand in Horrheim erinnert stark an ein Verbrechen in Remseck aus dem Jahr 2015: Damals zündeten Unbekannte das Vorderhaus einer Asylunterkunft an. Dies war allerdings mit rund 50 Flüchtlingen belegt. Auch damals stand ein rechtsextremes Motiv im Raum, ein Täter konnte gleichwohl nie gefunden werden. Inzwischen ist das Stuttgarter Landgericht in einem Zivilprozess zu der Ansicht gekommen, dass die Besitzer des Gebäudes den Brand legen ließen. Mutmaßlich, um Geld von ihrer Versicherung zu bekommen.

Fall erinnert an einen Anschlag in Remseck

Der jetzige Großeinsatz der Rettungskräfte ist nicht der erste in einer Horrheimer Asylunterkunft in den vergangenen Wochen: Bereits Anfang November rückten Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst in den Schneckenhäldenweg aus, zu einer Unterkunft in direkter Nachbarschaft zu der nun betroffenen. Im November hatte ein 38-jähriger Asylbewerber aus dem Irak einen Kleiderhaufen in seinem Zimmer angezündet. Als die Polizei ankam, stand bereits dichter Rauch in dem Haus.

Der 38-Jährige, der laut den Beamten wohl betrunken war, lag bewusstlos in seinem Zimmer. Zwei Polizisten mussten damals die Türe eintreten, um den Mann nach draußen zu bringen und Erste Hilfe leisten zu können. Nach kurzer Zeit war er dann außer Lebensgefahr. Das Gebäude wurde nur leicht beschädigt, der Schaden lag bei lediglich 500 Euro.

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