Nach Feuer und Corona Diana-Schützen müssen weiterhin anpacken

Von Arnold Einholz
Wer sich für altes Blech interessierte, hatte reichlich Gelegenheit – aber auch für Schützen gab es ein Programm. Foto: Simon Granville

Darauf haben alle schon lange gewartet – sich wieder beim Vereinsheim zu treffen und gemeinsam mit vielen Gästen aus nah und fern zu feiern. Doch der Schützengilde Diana aus Rutesheim haben gleich zwei schlechte Umstände diese Tradition verleidet – natürlich Corona, aber noch einschneidender ist der große Brand am Schützenhaus vor vier Jahren gewesen.

Viele neugierige Besucher

Doch nun hat der Traditionsverein wieder gerufen und die Gäste sind, nach der erzwungenen Pause, in Scharen geströmt zum siebten Schlepper- und Oldtimertreffen. Das ist üblicherweise ein Höhepunkt im Vereinsjahr der Schützengilde Diana in Rutesheim. Aber diesel Mal kam noch die offizielle Einweihung des sanierten Schützenhauses nach dem großen Brand hinzu und viele waren neugierig, was die Diana-Schützen inzwischen alles auf die Beine gestellt haben.

„Mehr als 80 wettergestählte Schlepperfahrerinnen und -fahrer hatten sich auf den Weg gemacht, aber auch Oldtimer-Besitzer “, ist Vereinsvorsitzender Willi Wendel dankbar für den großen Zuspruch. „Trotz Regen, denn die alten landwirtschaftlichen Arbeitsmaschinen haben ja kein Verdeck“, sagt der Oberschützenmeister.

Ein besonderer Moment ist am Wochenende der ökumenische Gottesdienst, untermalt vom Musikverein Rutesheim, mit der evangelischen Pfarrerin Angelika Rühle und Pfarrer Dietmar Rollny gewesen. Da hat eine besondere Fahnenweihe stattgefunden. „Wie durch ein Wunder hat unsere Vereinsfahne in ihrem Glaskasten nun schon den zweiten Brand unbeschadet überstanden“, schildert Willi Wendel. Das sei der Auslöser dafür gewesen, eine Gedenkbanderolle an den jüngsten Brand mit den Daten „14. Juni 2018 – 28. Mai 2022“ anzufertigen – die ist nun Teil der Vereinsfahne geworden.

Gaststätte soll fertig werden

Doch die Feierlichkeiten sind nur ein paar Tage Verschnaufpause für die Vereinsmitglieder gewesen, denn es ist weiterhin wieder viel Einsatz angesagt – der Wiederaufbau im Vereinsheim und die Renovierung der Schießstände gehen weiter. „Nach dem neuen Dach war es uns wichtig, erst mal die Gaststätte wieder betriebsbereit zu machen, denn diese ist eine Einnahmequelle und die finanzielle Existenz unseres Pächters hing davon ab“, schildert Willi Wendel. „Im renovierten Vereinsheim hat auch die Gaststätte an der Straße von Rutesheim nach Flacht wieder eröffnet und der Betreiber freut sich täglich ab 11.30 Uhr auf Besucher“, macht der Vereinsvorsitzende Werbung. Auch die Sanitäranlagen standen auf der Prioritätenliste.

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Am 14. Juni 2018 wurde das Vereinsheim trotz des Großaufgebots der Feuerwehr ein Raub der Flammen. Erneut hatte, wie bereits 1999, ein Siebenschläfer einen Kurzschluss in der Stromleitung ausgelöst und dadurch einen Brand verursacht. Das völlig zerstörte Dachgeschoss des Vereinsheims steht wieder. Die Fenster des Erdgeschosses mussten auf Verlangen der Versicherung mit Gittern ausgestattet werden. „Wegen der Siebenschläfer haben wird nun ein Blechdach montiert, durch das sie nicht mehr ins Gebäude gelangen können“, erklärt Willi Wendel.

Unglaublich viel Einsatz

Rund 12 000 Arbeitsstunden hat ein harter Kern der rund 160 Vereinsmitglieder in den vergangenen vier Jahren beim Wiederaufbau geleistet. Sie haben Kabel verlegt, die Elektroanlagen installiert, die Fenster eingebaut, die sanitären Einrichtungen instandgesetzt. „Wir machen eigentlich alles selbst, nur das Nötigste lassen wir von anderen erledigen – wir sparen, wo es nur geht“, ist der Vereinsvorsitzende stolz auf seine zuverlässigen Kameraden und Freunde.

„Wir sind etwa bei der Hälfte, was die Neu- und Umgestaltung betrifft“, rechnet der Vereinsvorsitzende vor. Und billig ist und wird die Sache auch nicht. Die Versicherung hatte den Schaden durch den Brand am 4. Juni 2018 auf 900 000 Euro geschätzt. „Die Million Euro überschreiten wir, weil immer härtere Auflagen in Sachen Brandschutz und energetische Vorgaben erfüllt werden müssen“, sagt Willi Wendel. So müsse eine neue Meldeanlage für rund 30 000 Euro her. Doch ganz allein muss der Verein die finanzielle Belastung nicht stemmen. Die Stadt Rutesheim hat, mit einstimmiger Billigung des Gemeinderates, der Schützengilde gemäß ihren Förderrichtlinien für Vereine einen Zuschuss von einem Drittel der Wiederaufbaukosten gewährt – also 400 000 Euro. „Aber eine Riesensumme fehlt uns noch“, ist Willi Wendel froh über jede Spende.

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Zu tun gibt es bei der Diana noch reichlich. Die neue Luftdruckhalle muss fertiggestellt und zertifiziert werden. Auch die 100-Meter-Bahn wird an die neuen Sicherheitsbestimmungen angepasst. Aktuell finden Arbeiten an den 25-Meter- und den 50-Meter-Bahnen statt. „Auch hier ist wieder besonders viel Eigenleistung gefragt“, sagt der Vorsitzende einer Schützengilde, die den Schießbetrieb seit Jahren praktisch eingestellt hat. „Aber im Oktober geht es wieder los“, ist Willi Wendel zuversichtlich.

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