Nach der Bürgermeisterwahl in Weissach Gemeinderat wünscht sich ein neues Miteinander

Von Kathrin Klette
Gleich im ersten Wahlgang schafft es Jens Millow zum Bürgermeister. Foto: Jürgen Bach

Weissach hat gewählt: Mehr als 75 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben dem Verwaltungsfachmann Jens Millow aus Sachsenheim ihre Stimme gegeben. „Jetzt liegt es an ihm und am Gemeinderat, etwas daraus zu machen“, formuliert es der amtierende Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mehrere Stellen im Rathaus vakant

Jens Millow ist die Freude über den hohen Wahlsieg auch am Tag darauf noch anzumerken. Für ihn hat am Montag direkt der Alltag im Hauptamt von Löchgau wieder begonnen. „Ich habe heute schon die Ausschreibung für das Hauptamt vorbereitet, die wird diese Woche noch rausgehen“, erzählt er. „Ich hoffe, dass ich da noch einen Haken dahinter machen kann, bevor ich gehe.“ In Weissach werden ihn in Sachen Stellenbesetzung einige Herausforderungen erwarten. Mehrere Stellen sind vakant, unter anderem die Leitung der Kämmerei. „Hier haben wir natürlich bereits ausgeschrieben“, sagt Töpfer. Es sei schwer, gutes Personal zu finden.

Millow selbst hatte die Aufstockung des Rathauspersonals als erste Aufgabe genannt, der er sich im Rathaus Weissach werde widmen müssen. Auch den Gemeinderäten liegt dieses Thema schwer im Magen. „Es ist wichtig, dass wir wieder handlungsfähig werden“, sagt unter anderem der stellvertretende Bürgermeister und Fraktionssprecher der Bürgerliste, Andreas Pröllochs.

„Wir brauchen jemanden mit Erfahrung“

Die Bürgerliste und die Freien Wähler hatten sich im Wahlkampf tendenziell hinter den Kandidaten aus Sachsenheim gestellt. Entsprechend froh zeigt sich Pröllochs über dessen Wahlsieg. „In der jetzigen Situation brauchen wir jemanden mit Erfahrung.“

Mit Jens Millow habe man nicht nur jemanden vom Fach. „Es war auch wichtig, dass jemand von außen kommt, der unvoreingenommen ist und die Spannungen auch im Gemeinderat wieder glätten kann“, findet er. Gleichzeitig zollt er Pierre Michael große Anerkennung für dessen Kandidatur. „Ich habe großen Respekt vor jemandem, der sich für ein solches Amt bewirbt, das einen völlig einnimmt.“

Das Miteinander auf Augenhöhe vermisst

Für die Zukunft wünsche er sich ein neues Miteinander zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern. Genauso sieht es Petra Herter, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat: „Das Miteinander auf Augenhöhe, das haben wir bisher vermisst. Nur, wenn wir gemeinsam agieren, können wir auch die Sachthemen voranbringen.“

Pierre Michael, selbst Grünen-Gemeinderat, der als einer der Gegenkandidaten von Jens Millow knapp 21 Prozent der Wählerstimmen erhielt, hätte ihre Fraktion das auf jeden Fall zugetraut. „Deshalb haben wir ihn unterstützt und hätten ihm natürlich mehr Stimmen gewünscht“, so Petra Herter. Aber das Wahlergebnis sei klar, „und das werden wir voll akzeptieren“. Ursächlich für die Deutlichkeit sei mit Sicherheit die eklatante Stellenproblematik im Rathaus.

Amtseinsetzung Ende September

Jens Millow sieht der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat ebenfalls positiv entgegen. Pierre Michael hatte bereits am Wahlabend betont, dass er sich auf die Zusammenarbeit freue. „Wir haben uns ja bereits beim Wahlkampf kennengelernt und haben uns dazu schon offen ausgetauscht“, berichtet Jens Millow.

Seine offizielle Amtseinsetzung in Weissach ist am Donnerstag, 29. September. Sein Vorgänger ist also noch rund drei Monate im Amt. Oft zu sehen bekommen wird man ihn in dieser Zeit aber wohl nicht. Daniel Töpfer wird nach eigener Aussage den restlichen Urlaub, zum Teil aus dem Vorjahr, nehmen und im August und September weitgehend frei haben.

„Aber ich werde das Rathaus so übergeben, dass Herr Millow direkt loslegen kann, es wird hier nichts in irgendwelche Schubladen abgeschoben, alles wird ganz normal weiterbearbeitet“, verspricht er. Zudem werde er auch während seines Urlaubs seinem Nachfolger für Gespräche und eine ausführliche Übergabe zur Verfügung stehen.

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